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Regional Drinnen statt draußen: „Underground Remains“ muss nach Beschwerden umziehen
Nachrichten Kultur Regional Drinnen statt draußen: „Underground Remains“ muss nach Beschwerden umziehen
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00:24 08.06.2019
Laut und heftig: Das „Underground Remains“ Open-Air-Festival zieht in diesem Jahr vom Haus der Kulturen in die Zentralmensa. Quelle: Rüdiger Franke
Göttingen

„Repulsive Feast“, „Nekrovault“, „Traitor“ – schon allein die Namen der Bands klingen nicht so, als wäre ihre Musik gedacht, bei moderater Zimmerlautstärke zu hören. Ihr ruppiger Sound aus Death, Black und Thrash Metal bestätigt das nur allzu gut.

Die Auflagen der Stadt Göttingen für das geplante „Underground Remains“ Open-Air-Festival am Haus der Kulturen am Göttinger Hagenweg sehen aber in diesem Jahr genau das vor. Eine maximale Lautstärke von 70 Dezibel dürfen die Bands nicht überschreiten. „Das entspricht etwas höherer Zimmerlautstärke“, kommentiert Veranstalter Maximilian Brodhun.

Beschwerden erst seit 2018

Seit 2013 organisiert Brodhun das Metal-Festival „Underground Remains“ in Göttingen am Haus der Kulturen. Bislang gab es keine Probleme und Beschwerden von Anwohnern wegen Lärmbelästigungen. Das bestätigt auch Khosrow Djahangiri vom Verein Kulturwerkstatt, der das Haus gepachtet hat, gegenüber dem Tageblatt. Beschwerden habe es erst 2018 gegeben. Genau eine davon betraf das „Underground Remains“, berichtet Verwaltungssprecher Dominik Kimyon. Doch im vergangenen Jahr habe es wegen des Festivals, aber auch wegen anderer Veranstaltungen im und am Haus der Kulturen Lärmbeschwerden durch einen Anwohner vom Hagenberg gegeben, so Kimyon. Daraufhin habe sich die Stadtverwaltung mit dem Verein als Pächter des Gebäudes in Verbindung gesetzt, um verschiedene Maßnahmen zu besprechen, wie die Lärmvorschriften eingehalten werden könnten.

Headliner Krisiun aus Brasilien spielen Death Metal. Quelle: R

Wegen der Beschwerde aus dem vergangenem Jahr habe die Verwaltung dem „Underground Remians“-Veranstalter mitgeteilt, „dass eine Einpegelung der Musikanlage durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen auf den zulässigen Immissionsrichtwert nach der Freizeitlärmrichtlinie erfolgen muss“, erläutert Kimyon. Das heißt: nicht lauter als 70 Dezibel in den betroffenen Wohngebieten.

Krisiun – Devouring Faith

Die Verwaltung habe vorgeschlagen, „lediglich zu Beginn der Veranstaltung den zulässigen Lärmrichtwert durch den Sachverständigen ermitteln zu lassen“, erläutert Kimyon. Später hätten die Veranstalter dann durch eigene Messungen sicherstellen sollen, dass der Richtwert eingehalten werde, so Kimyon. „Das hätte den Vorteil, dass eine kostenintensive dauerhafte Schallmessung durch einen Sachverständigen entfallen würde. Dies wäre auch für künftige Veranstaltungen ein möglicher Weg, wenn es zu keinen weiteren Beschwerden kommt.“ Zugesagt habe die Verwaltung auch, die Nachtzeit von 22 auf 23 Uhr zu verschieben, sodass das Konzert bis 23 Uhr hätte stattfinden können – wenn eine Einpegelung der Musikanlage erfolgt ist“, erklärt Kimyon.

Niedrige Lautstärke, hohe Kosten

Brodhun bestätigt die Vorschläge der Stadtverwaltung. Ein gangbarer Weg ist das für ihn aber nicht. Allein die Kosten für den Sachverständigen, die Kimyon, mit 1000 bis 2000 Euro angibt, sei von ihnen als „kleines Festival“ mit maximal 500 Gästen nicht zu stemmen. Niedrige Lautstärke, hohe Kosten: „Ihr versteht sicher, dass wir Euch das in der Form nicht bieten wollen und werden“, heißt es auf der Facebook-Seite des Festivals.

Inzwischen haben Brodhun und seine Mitstreiter Christopher Alt und Martin Pilz von Göttingen Live Kultur und Moshroom Events eine Alternative zum Standort Haus der Kulturen gefunden: die Zentralmensa (siehe Kasten). Dem Kulturbüro des Studentenwerkes sei man daher sehr dankbar, sagt Brodhun. Dessen Leiter Horst Reinert gibt an, diesen Standortwechsel „spontan und unbürokratisch“ ermöglicht zu haben.

Alternative Campus

Für 2020 suchen Brodhun, Alt und Pilz einen neuen Standort, um das Festival wieder unter freiem Himmel zu veranstalten. Eine Alternative könnte der kleine Campus am Platz der Göttinger Sieben in der Nähe des Zentralen Hörsaalgebäudes sein. Hier habe es in der Vergangenheit keine Beschwerden über diesen Veranstaltungsort gegeben, erläutert Kimyon. Eine Lärmmessung sei daher nicht erforderlich, „sofern die Veranstaltung um 23 Uhr beendet wird“, so Kimyon. „Sollte es künftig auch hier zu Lärmbeschwerden kommen, so müssten auch hier Prüfungen und Maßnahmen zum Schutz der Anwohnerinnen erfolgen.“

Reaktionen auf Facebook

••• UROA goes Mensa ••• Das (beinahe) verflixte siebte Jahr... Uns erreichte kürzlich "frohe Kunde" der Stadt...

Gepostet von Underground Remains Open Air am Dienstag, 28. Mai 2019

Die Reaktionen der Fans fallen auf Facebook unterschiedlich aus: Nutzer Sascha Zlmrx schreibt: „Ich find's cool, dass ihr das so spontan umorganisiert anstelle es ausfallen zu lassen oder kürzer zu gestalten! Ganz großes Thumbs Up dafür!“ Nutzer Roma Nowitsch kann der Situation etwas abgewinnen: „Abgesehen von der unglaublichen Kartoffeligkeit, die die Stadtverwaltung da unter Beweis gestellt hat, find ich das eigentlich gar nicht so schlecht. Dürfte die Orga auch um Einiges erleichtern“, schreibt er.

Programm für „Underground Remains“ 2019

Nach dem Umzug des Festival Underground Remains“ vom Haus der Kulturen in die Zentralmensa, Platz der Göttinger Sieben 4, beginnt das Konzert am Sonnabend, 8. Juni, um 15 Uhr. Einlass ist bereits ab 14.30 Uhr.

Folgender Ablauf ist nach Veranstalterangaben geplant:

15 Uhr: Repulsive Feast (Death Metal, Wolfsburg)

16 Uhr: Nekrovault (Death Black Metal, Memmingen)

17 Uhr: Lebenssucht (dark, melodic, depressive black metal, Belgien, Deutschland, Österreich)

18.05 Uhr: Age of Woe (Death/Sludge/Doom, Leipzig, Schweden)

19.10 Uhr: Traitor (Thrash Metal, Balingen)

20.15 Uhr: Lifeless (Death Metal, Dortmund)

21.25 Uhr: Krisiun (Death Metal, Brasilien)

22.45 Uhr: Stallion (Speed Metal, Heavy Metal, Hard Rock, Baden-Württemberg)

Tickets gibt es an der Abendkasse sowie online unter undergroundremains.de und laut Veranstalter auch in folgenden Göttinger Läden: Trou (Burgstraße 20), Schallzentrale (Gartenstraße 25), Monster Bar (Goetheallee 13) und Sonderbar (Kurze Straße 9).

Von Michael Brakemeier

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