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Regional Michael Feindler im Göttinger Apex
Nachrichten Kultur Regional Michael Feindler im Göttinger Apex
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11:14 07.01.2018
Kabarettist Michael Feindler präsentiert sein Programm „Artgerechte Spaltung“ im Göttinger Apex. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Wenn man im Zug einen fremden Herrn fragt, ob er einem helfen könne, einen schweren Koffer hochzuheben, und die Antwort lautet: „Aber wir kennen uns doch gar nicht“, dann kann man schon mal ungläubig den Kopf schütteln. Für einen Kabarettisten bietet sich die Begegnung glatt als Steilvorlage an. Michael Feindler hat diese Episode im Zug erlebt. „Das war der Schlüsselmoment, in dem ich beschloss, ein Programm über gesellschaftliche Spaltung zu schreiben.“

„Es gibt so viele verschiedene Ansätze, die Welt zu teilen. In jung und alt, arm und reich, in deutsch und entspannt.“ Feindler hat einen besonders großen Spaltpilz geortet. Für ihn sind Glücksratgeber die wahrscheinlich perfideste Form der gesellschaftlichen Spaltung. „Die wirken immer so nett und trennen gleichzeitig radikal, nämlich den Einzelnen von der Gesellschaft.“ Und nach der Isolation werde dann Schritt für Schritt erklärt, wie das einsame Ich glücklich werden kann. Dagegen sei die Kernaussage jedes Kochbuchs politischer und solidarischer. „Die meisten Rezepte sind für vier Personen ausgelegt.“

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Verliebtheit, Junggesellenabschiede und eine Prinzessin Lillifee, die nachts als Racheengel im Kinderzimmer auf Feldzug geht, Armut, Abgehängtsein, elitäres Denken und Europa samt der Folgen der Eurokrise: Die Mischung an Themen ist vielfältig, abwechslungsreich und bunt. Mal kommt Feindlers Humor leichtfüßig und heiter daher, dann wieder tiefgründig und ernst. Während manche Pointen im schallenden Gelächter fast untergehen, gibt es auch die ganz stillen Momente, in denen keine Regung im Saal zu hören ist, stattdessen die Betroffenheit zum Greifen nah scheint. „Die französische Revolution hat mit der Erhöhung der Lebensmittelpreise angefangen. Wie auch der arabische Frühling. Hätten die Leute mal Tafeln gehabt.“

Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet legt Feindler, noch keine 30 Jahre alt, wortgewandt wie feinsinnig, so bitterböse wie klug, durchdacht und gekonnt den Finger in viele Wunden. Er lotet soziale, gesellschaftliche, politische und zwischenmenschliche Abgründe aus. Und bei alledem zieht sich die Widersprüchlichkeit des menschlichen Daseins wie ein roter Faden durch das Programm. Ebenso wie die Dichtkunst.

Nachdem Feindler vor gut zehn Jahren die Poetry-Slam-Szene für sich entdeckte, war er von 2007 bis 2010 jährlich für die deutschsprachigen Meisterschaften des modernen Dichterwettstreits nominiert. Uns so lässt er mit seiner Lyrik und seinen Liedern, die er mit der Gitarre begleitet, seine Gedanken zu geschliffenen Reimen, Rhythmen und fantasievollen Bildern werden. Dass Feindler dabei mit dem Filter der Ironie auch auf sich und sein eigenes Handeln schaut, unterstreicht seine kritische Haltung und seinen scharfen Blick. Großer Applaus.

Von Karola Hoffmann

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