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Regional Michael Sowa ist Träger des 16. Göttinger Elch-Preises
Nachrichten Kultur Regional Michael Sowa ist Träger des 16. Göttinger Elch-Preises
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19:04 20.10.2013
Schöpfer altmeisterlicher Bilder mit einem „Dreh ins Wahnsinnige“: Michael Sowa, der 16. Träger des Göttinger Elch-Preises. Quelle: Heller
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Göttingen

Das Wort „Jahrhundert“ rezitiert er mit besonderem Nachdruck und fügt an: „Nicht etwa Jahre.“ Kurz vorher hat er bekannt: „So viel Lob habe ich seit meiner Kindheit nicht mehr bekommen.“

Im Deutschen Theater gibt es bei der Verleihung des 16. Göttinger Elchpreises an Michael Sowa am Sonnabend keinen freien Stuhl mehr. Es sind ja nicht nur die Zaungäste gekommen, sondern auch etliche Preisträger der vergangenen Jahre, die sogenannten Alt-Elche, eine illustre Versammlung hintergründigen deutschen Humors.

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Moderator Lars Wätzold – scharfzüngig, spontan, tempobewusst und witzig – begrüßt sie alle, F. W. Bernstein etwa, Ernst Kahl, Franziska Becker, entschuldigt die Erkrankten Harry Rowohlt und Marie Marcks, die gern gekommen wären, und viele, viele weitere Ehrengäste, darunter die Delegation der mit den Elchen seelenverwandten „Elefanten“ aus dem bayerischen Schliersee.

„Jipppiiieee! Es lebe Michael Sowa!!“

Lobredner gibt es viele, allen voran Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer, der mit dieser Preisverleihung den „Suppenschwein“-Maler Sowa zum „Suppenelch“ kürt. Vorjahrs-Elch-Preisträgerin Franziska Becker lobt nicht mündlich, sondern mit Feder und Pinsel: Sie widmet Sowa eine Folge animierter Karikaturen, in denen vor allem Schweine und Elche eine Rolle spielen und dem Publikum himmlisches Vergnügen bereiten.

Unter anderem in der Szene, in der ein Schwein gemütlich in einer Hängematte schaukelt, die zwischen den Enden eines Elchgeweihs aufgehängt ist. Das Schlussbild: eine ploppende Sektflasche mit dem Text „Jipppiiieee! Es lebe Michael Sowa!!“

Eine ganz andere Laudatio bringt Sowa-Freund Axel Hacke vor. Er beschreibt den zögerlichen, verbesserungswütigen, nie mit seinen Bildern zufriedenen Sowa, der immer alles übermalen will und sowieso nie Zeit hat für Illustrationen von Hackes Büchern.

Entweder sitzt er an der Steuererklärung, muss Rasen mähen oder den Keller aufräumen. Oder Bilder übermalen. Am Ende ist Hackes Rede dann doch eine Lobrede – die Zuneigung zwischen Autor und Illustrator ist unübersehbar.

Der Berliner Maler, Illustrator und Schriftsteller Michael Sowa ist Träger des 16. Göttinger Elch-Preises. ©Heller

Die Frankfurter Autorin Eva DemskiSowa illustrierte ihre „Gartengeschichten“ – ist die offizielle Laudatorin. Sie streicht Sowas „Dreh ins Wahnsinnige, ins Skurrile“ in seinen altmeisterlichen Bildern heraus und erzählt von dem anfangs distanzierten, später immer freundlicheren Umgang mit dem Maler, der sie mit einem Umschlagbild-Vorschlag nachhaltig schockiert hatte. Darauf zu sehen war, so Demski, „eine sehr dicke Frau mit exorbitantem Hintern“.

Sowa, vorsichtig stolz, dankt in aller Kürze für Urkunde, Brosche (gestiftete von Orfeo), Preisgeld in Höhe von 3333,33 Euro (gestiftet von der Sparkasse Göttingen) und die 99 Dosen Elchrahmsuppe (gestiftet von Barteroder Feinkost). Seine schmalen, etwas skeptisch wirkenden Lippen sind dabei immer zu einem Lächeln bereit.

Und nach der Pause lässt er sich, wie auch das übrige Publikum, von einem gnadenlos gut grantelnden Gerhard Polt unterhalten. Ardhi Engl bietet dazu wunderbar einfallsreiche musikalische Intermezzi, poetisch, skurril, virtuos und komisch. Wie die Bilder von Sowa.

Von Michael Schäfer

Die Ausstellung „Michael SowaSowas Welten“ wird am 23. März 2014 im Alten Rathaus eröffnet.

Elchpreis-Splitter

Lars Wätzold: „Das neue Pflaster der Innenstadt ist ein Fußbodenbelag, um den uns selbst der Bischof von Limburg beneidet.“

Axel Hacke über Sowa: „Seit ich ihn kenne, arbeitet er an seiner Steuerklärung.“

Hacke: „Ein Bild von Sowa ist die erste Stufe eines nie abgeschlossenen Schaffensprozesses.“

Eva Demski: „Satire ist ein Schwung, der die Welt von der schweren auf die leichte Schulter befördert“.

Demski: „Der Elch ist ein großes, stilles Tier, das leicht unterschätzt wird.“

Demski: „Die meisten Künstler sind lobsüchtig wie kleine Kinder.“

Demski:Sowa bewies ahnungslos echte Größe.“

Gerhard Polt: „Ich lass mir doch nicht von einer Handvoll apokalyptischer Radfahrer das Autofahren vermiesen.“

Polt:  „Ich war und bin kein Fußgänger. Fußgänger – das ist für mich gelaufen.“

Polt: „In Bayern hat jeder das Recht, sich der Mehrheit anzuschließen und sich anständig zu benehmen.“

Ardhi Engl: „In den Urlaub fahr i nie wieder hin / I bleib viel lieber dahoam / do kenn i mi wenigstens aus.“