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Regional Modernes Leben im Rokoko
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19:38 06.09.2009
Geburtsstätte: Im Michaelishaus erblickte Caroline Michaelis 1809 das Licht der Welt.
Geburtsstätte: Im Michaelishaus erblickte Caroline Michaelis 1809 das Licht der Welt. Quelle: BB
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"Glaubst du wohl, dass ich hier sterben könnte“, fragte Caroline Schlegel-Schelling ihren Mann am 3. September 1809. Die Frau, die als Tochter des Göttinger Orientalisten Johann David Michaelis im Haus an der heutigen Goetheallee am 2. September 1763 auf die Welt kam, sollte anders aufgewachsen als für Mädchen damals üblich und machte als erwachsene Frau vor allem in Kreisen von Denkern und Dichtern der Romantik von sich reden – Caroline Michaelis.

Ihre Erziehung war dem Geist der jungen Georg-August viel freier und umfassender als sonst Mädchen zugänglich. Die Ideen der Aufklärung wirkten sich auf das universitäre Leben und auch auf das alltägliche der Professoren aus. Viele von diesen, ließen auch ihre Töchter an Wissen und dem Gedankengut der Zeit teilhaben. Neben Therese Heyne, Dorothea Schlözer und Meta Wedekind galt diese Geisteshaltung und dieses moderne Leben im Rokoko auch für Caroline Michaelis.

Machten die jungen Frauen wegen ihres für die damalige Zeit ungewöhnlichen Lebenswandels und ihres Wissens in Göttingen als „Universitätsmamsellen“ von sich reden, führte jede später andernorts weiter ein mehr oder weniger ungewöhnliches Leben. Für Caroline Michaelis gilt das besonders. Sie kam als Anhängerin der Ideen der französischen Revolution in Festungshaft und erhielt vom Weimarer Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe Fürsprache zur Begnadigung. Sie lebte versteckt in Thüringen und konnte sich gesellschaftlich rehabilitieren – das Göttinger Universitätskuratorium hatte sie 1794 zur unerwünschten Person erklärt – an der Seite von August Wilhelm Schlegel. Sie wurde seine Ehefrau und machte sich wie er bekannt als Übersetzerin von Shakespeares Werken. Wurde die Arbeit des Philologen gelobt, war ihre allenfalls Erwähnung wert.

„Dame Luzifer“

Dagegen sorgte Caroline Schlegel in Weimar und Jena für Gesprächsstoff, weil sie sich einmischte, ihr Sachverstand aber auch den Horizont eines Friedrich Schiller überstieg. Er nannte sie „Dame Luzifer“, weil ihre ihn anfangs beeindruckende intellektuelle Unabhängigkeit ihm bald männliche Unterlegenheit bewusst machte. Auch Schlegel kam damit zunehmend nicht zurecht. Philosoph Friedrich Schelling dagegen gehörte zu den Bewunderern der Dame aus Jena, die dort einen Kreis der jungen Romantiker begründete. Ihre schriftlichen Beiträge, ihre Reden wurde in intellektuellen Kreisen der Universitätsstädte wohl diskutiert. Die Schlegel galt als Kompetenz auf dem Gebiet der literarischen Übersetzung und des neuen Gedankengutes der Romantik.

Romantisch verläuft nach schwierigen Jahren auch ihr privates Leben. Der Scheidung von Schlegel folgte im Juni 1803 die Hochzeit mit dem zwölf Jahre jüngeren Schelling. Wieder nimmt die Frau keine Rücksicht auf die Konventionen. „Ich fühle was ich muss – weil ich fühle was ich kann – schelte mich niemand unvernünftig“, sagt sie einmal, und das gilt gleichermaßen für ihre publizistische Arbeit wie für ihren Lebenswandel.

Das Paar kehrt Jena den Rücken: Schelling nimmt Rufe in Würzburg, dann in München an. In München hoffte Madame Schelling, wieder einen Kreis wie in Jena gründen zu können. Doch dieses Ziel konnte sie nicht mehr erreichen. Sie starb wenige Tage nach ihrer bangen Frage an dem Ort, wo sie mit ihrem Mann sechs Wochen verbringen wollte: bei Schellings Eltern im württembergischen Maulbronn am 7. September 1809.

• Brigitte Roßbeck: „Zum Trotz glücklich. Caroline Schlegel-Schelling und die romantische Lebenskunst“. Siedler Verlag, 365 Seiten.

• Eckart Kleßmann: „Universitätsmamsellen. Fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik“. Eichborn Verlag, 335 Seiten, 32 Euro.

Von Angela Brünjes

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