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Regional Moos zu den Füßen, Malerei zur Auseinandersetzung
Nachrichten Kultur Regional Moos zu den Füßen, Malerei zur Auseinandersetzung
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19:11 15.09.2009
Weicher Stand auf der Matratze: Frauenakt vor Klassikerzitat.
Weicher Stand auf der Matratze: Frauenakt vor Klassikerzitat. Quelle: Heller
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Denn den wie auf Waldboden stehenden Frauen ist oft ein Bild, ein bekanntes Gemälde der Kunst des vergangenen Jahrhunderts gegenüber gestellt. Ein Ausschnitt von Picassos Guernica trifft sich mit einer Frau in grünem Slip, ein buntes Haarband hält die dunklen Haare zusammen. Zwischen die hellen Körper von Matisse‘ „Tanz“ mischt sich eine weitere Figur, sie wird von den Tanzenden umkreist und bleibt doch im gemalten Raum dem Boden verhaftet. Auf einem weiteren Werk stehen Yoko Ono und John Lennon wie die ersten Menschen nebeneinander – sie sind jedoch das Bild im Bild, zu dem sich ein fast nacktes Paar zur genauen Betrachtung vornüberbeugt. Doch es gibt auch Akte ohne diesen deutlichen Verweis in die Kunstgeschichte, eine Frau in Turnschuhen, einzelne Halbporträts, die Frau vor dem Plattenschrank oder diejenige allein in Nylons auf dem Sofa.

Die Arbeit Pankraths beginnt mit Ölstudien. Um die gut gearbeiteten kleinen Skizzen – man könnte sie fast Miniaturen nennen – von Landschaften, Straßenzügen, Menschen und Gärten zeichnet sich auf dem Papier ein Ölrand ab. So ist es auch bei Ralph Flecks Figuren, Pankraths Professor in Nürnberg. An dessen Strandstücke, Akte in Bademode, erinnern manche Arbeiten Pankraths. Doch in ihrem Bezug zur Tradition entwickeln sie Autonomie, sind Reflexionen zur Malerei und zur Kunst – und das, obwohl sie in ihrem aktmalerischen Gewand so sinnlich leichtfüßig daherzukommen scheinen.

Konfrontationen

Nicht wie Jan Vermeer, dessen Bild „Der Ruhm der Malerei“ eine Allegorie der damals „Schilderkunst“ genannten Malerei darstellte und auch bereits die Rolle des Modells reflektierte, das gleichzeitig Allegorie der Fama, des Ruhmes war, geht Pankrath vor. Vielmehr konfrontiert er, zwar auch systemimmanent, jedoch sich selbst und im Bild – vielleicht auch in der Realität – die Modelle mit der Tradition, mit Bild- und Sehgewohnheiten, mit Darstellungen von Körpern als vorgeprägte kulturelle Instanzen und gleichzeitigen Leerstellen des neuerlich verändernden, wiederholenden Einschreibens. Zugleich jedoch reduziert er die Körper auf ihre Bloßheit, menschlich, nackt und neben dem Vergleich auf ihr Sosein weich gestupst.
Bis zum 3. Oktober in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21, dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr.

Von Tina Lüers

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