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Regional Multikulturelle Party mit Bukahara und Alright Gandhi
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15:42 23.11.2018
Bukahara im ZHG der Göttinger Universität. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Gewöhnlich ist nichts an diesem Abend. Da ist zum einen die mit rund 1000 von Beginn an ausgelassen feiernden Fans ausverkaufte Location im Foyer des ZHG, das den zweifelhaften Charme von 70er-Jahre Architektur versprüht. Hier fand kürzlich auch die ebenfalls ausverkaufte Metal-Night statt. Dies macht deutlich, dass in der Stadt ein Auftrittsort dieser Größenordnung fehlt.

Ungewöhnliche Musik machen beide Bands. Kurzfristig als Support eingesprungen ist das Berliner Trio um die Sängerin und Bassistin Rosa Mercedes. Die Band, zu der noch Gitarrist Pietro Fornara und Drummer Dominick Gray gehören, ist seit ihrer Gründung 2014 in 15 Ländern auf vier Kontinenten aufgetreten. Den aktuellen Longplayer „Somewhere Else“ haben sie in den Bergen Liguriens aufgenommen. Ihre Musik bewegt sich irgendwo zwischen Art-Rock, Post-Punk, Pop und Jazz mit kurzen knackigen Songs, deren Texte von Mercedes geschrieben werden. Ein Auftritt, der mit „Dark Matter“ furios endet und neugierig auf mehr macht.

Ungewöhnlich ist auch einiges bei Bukahara, deren Name pure Fantasie ist und die das Grenzenlose in ihrer Musik leben. Die vier Musiker singen in drei Sprachen und stammen von drei verschiedenen Kontinenten. Sänger, Schlagzeuger und Gitarrist Soufian Zoghlami ist Halbtunesier, Violinist Daniel Avi Schneider Schweizer mit jüdischen Wurzeln, Kontrabassist Ahmed Eid ist in Syrien geboren und in Palästina aufgewachsen und Max von Einem, der Posaune und Sousafon spielt, kommt aus dem Münsterland.

Schon beim ersten Song „Afraid To Fly“ brennt die Luft im ZHG, und alle Besucher wiegen sich in kollektiver Ekstase. „Biography“ zieht das Tempo noch mal merklich an, und Eid arbeitet sich an seinem Kontrabass ab. Das raumgreifende Posaunenspiel Einems geht voran, begleitet von jazzigen treibenden Bassläufen und druckvollen Drums. Die fast tänzerischen Klänge der Violine umgarnen den markanten Gesang Zoghlamis und legen die Basis für ein ungewöhnliches Konzerterlebnis.

Fließender Spagat ohne festen Boden

Schubladen mögen sie nicht, und so tummelt sich ihre Musik irgendwo im fließenden Spagat ohne festen Boden zwischen Klezmer, Balkan-Jazz, Gypsy-Swing-, Arabic-Reggae, Neo-Folk oder Walzer. Spontanität ist großgeschrieben in ihrem Tun, und so wechseln sie in ihren Konzerten immer mal die Instrumente. Ihre Musik hat dieses spontane, spielerisch Leichte, verbunden mit großem Spaßfaktor auf der Bühne, der ansteckend wirkt und schnell auf das Publikum überspringt.

Mit dem dritten Album „Phantasma“ sind sie in Zeiten von AFD und Pegida auch deutlich politischer geworden. „No!“ kündigen sie als Ballade an. Im Text allerdings erteilen sie allem rassistischen und rechtspopulistischen Treiben eine klare Absage zum Mitsingen.

Orientalische Perkussion Eids auf der Darbuka und das riesige Sousafon prägen „Wein a Ramallah“, mit dem sie die Stimmung auf die Spitze treiben, nur noch getoppt von ihrem heimlichen Hit „Eyes Wide Shut“, den sie sich für das furiose Finale aufbewahren. Und das begeisterte Publikum hüpft oder schunkelt im Wechsel zu den mitreißenden Rhythmen eines durchweg intensiven Tanzvergnügens. Durchatmen Fehlanzeige!

Von Jörg Linnhoff

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