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Regional Multiversum mit unendlich vielen Welten
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20:37 22.10.2012
Mit fesselnder Rhetorik: der US-Amerikaner Brian Greene.
Mit fesselnder Rhetorik: der US-Amerikaner Brian Greene. Quelle: Vetter
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Dank Greenes fesselnder Rhetorik ist es ihm dennoch gelungen, jeden seiner Zuhörer in der randvollen Paulinerkirche verständlich für die Grenzen der modernen Physik zu begeistern.

Sein Anspruch bestand in der Illustration der begründeten Vermutung, dass es mehr als ein Universum geben könnte. Für einen rund 45-minütigen Vortrag war das ein hehres Ziel, insbesondere, da für das Nachvollziehen aller heutigen Erklärungsmodelle ein fundiertes Verständnis der Gravitation notwendig ist. Diese Kraft habe Generationen von Physikern vor Rätsel gestellt.

Denn auch wenn seit Isaac Newton Planetenbewegungen vorausberechnet werden konnten, war niemandem klar, wie genau die gegenseitige Anziehung zwischen zwei Massen übertragen wird.

Erst Albert Einstein gelang dieses Husarenstück, in dem er sich „wie ein Kind fragte, wie die Gravitation eigentlich funktioniert“, erklärte Greene mit sichtlicher Begeisterung für das manchmal so bestechend einfache Denken Einsteins. Das Ergebnis war die Einführung der Raumzeit, die in einer zweidimensionalen Analogie als ein Tuch vorstellbar ist, das sich durch die auf ihm befindlichen Massen wölbt und für die Umlaufbahnen von Planeten und anderen Objekten verantwortlich ist.

Damit war die jahrtausendealte Annahme, dass sich Raum und Zeit vollkommen statisch verhalten, auf eindrucksvolle Art und Weise widerlegt. Die Relativität von Zeit und Raum ist es nun, die im zwanzigsten Jahrhundert zu Überlegungen geführt hat, ob wir uns nicht in einem Uni- sondern in einem Multiversum befinden, in denen unendlich viele Welten nebeneinander existieren.

Als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Stringtheorie hätte Greene die Verbindung zwischen Gravitation und Paralleluniversen sicherlich deutlicher machen können, worauf er angesichts der wenigen Zeit klugerweise verzichtete, um einen intuitiveren Weg einzuschlagen.
Unsere Existenz, das habe die Physik mittlerweile gezeigt, sei nur durch die genaue Abstimmung so vieler kosmischer Stellschrauben wie den Naturgesetzen oder der Gravitationskraft möglich, dass die bloße Zufälligkeit dieser Konfiguration an schieren Wahnsinn grenze.

In einem Meer aus unendlich vielen Parallelwelten hingegen sei die Existenz unseres Universum kein riesiger Zufall mehr, sondern eine mathematische Notwendigkeit.

Es führen also viele Wege zur Postulierung eines Multiversums, die am besten alle in gebührender Ausführlichkeit in Greenes Buch nachzulesen sind. Dennoch war es ein besonderes Erlebnis, dieser globalen Lichtgestalt der Physik zuhören zu dürfen. Wahrscheinlich auch, weil er sich trotz seines Erfolges nicht zu schade ist, eine Zuschauerfrage schlichtweg mit „Ich weiß nicht“ zu beantworteten.

Brian Greene: „Die verborgene Wirklichkeit“, Siedler, 448 Seiten, 24,99 Euro.

Von Jonas Rhode