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Regional Musical „Cabaret“ mit einem grandiosen Ensemble
Nachrichten Kultur Regional Musical „Cabaret“ mit einem grandiosen Ensemble
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17:44 12.12.2010
Starkes Team: Katharina Heyer als Sally Bowles, Karl Miller als Conférencier, Wojo van Brouwer als Ernst Ludwig und Philip Hagmann als Clifford Bradshaw (von links). Quelle: Wienarsch

Der junge US-amerikanische Schriftsteller Clifford Brad­shaw reist dorthin, weil die Stadt pulsiert. „Ich bin eine Kamera“, sagt er und saugt alle Bilder um sich herum auf. Ende des Jahres 1929 kommt er an in der Hauptstadt – und stürzt in turbulenten Zeiten. Joe Masteroff, Fred Ebb und John Kander haben das Musical „Cabaret“ geschrieben, das Bradshaws Erlebnisse zeigt und damit einen Welterfolg für Bühne und Kino geschaffen. Mit acht Oscars wurde die Verfilmung von Regisseur Bob Fosse aus dem Jahr 1972 ausgezeichnet, Liza Minelli spielte die Nachtclubsängerin Sally Bowles. Mark Zurmühle, Intendant des Deutschen Theaters (DT) Göttingen, hat das Musical jetzt inszeniert, Premiere in dem Haus am Wall war am Sonnabend, 12. Dezember. Das Publikum feierte die Produktion begeistert.

Im Wesentlichen sind es zwei Orte, an denen sich das Geschehen abspielt: der Kit Kat Klub als angesagteste Bar der Stadt und eine Wohnung am Nollendorfplatz. Zurmühle fasst beides an einem Ort zusammen, den Bühnenbildnerin Eleonore Bircher entworfen hat: eine schräg abfallende Fläche als Bild für eine Welt am Rande des Abgrunds. Im Zentrum der Rampe ist das Leben noch einigermaßen im Lot. Dort liegt die Wohnung, in der sich die Menschen in ihrer Privatheit treffen, dort ist auch der Club angesiedelt, in dem ausgelassen gefeiert wird. Mit beeindruckenden Lichteffekten charakterisiert Bircher diesen Ort. Eine grandiose Bühne.

Und hier agiert ein herausragendes Ensemble singstarker Schauspieler – ganz in der DT-Tradition. Katharina Heyer spielt die Nachtclubsängerin Sally Bowles mit einer zauberhaften Mischung aus Naivität und Durchtriebenheit. Sie ist temperamentvoll und entspannt, verrucht und verletzlich, getrieben und selbstbewusst. Philip Hagmann hat als Clifford Bradshaw die einzige Sprechrolle in dieser von Musik und großen Hits geprägten Produktion. Er bringt viel Bodenhaftung ein, die der Inszenierung gut tut. Karl Miller ist ein glamouröser Conférencier mit enormer Präsenz. Dass ihm das eine oder andere Lied an diesem Abend missrät, ist zu verschmerzen, weil er an anderer, wichtiger Stelle mit Wärme den richtigen Ton trifft. Dass Andrea Strube und Ronny Thalmeyer singen können, haben sie in zahlreichen DT-Inszenierungen bereits gezeigt. Als Vermieterin Fräulein Müller und Obsthändler Herr Schultz sind sie in ihrer Verliebtheit berührend, in ihrer Schamhaftigkeit zum in die Arme nehmen, in ihrem Scheitern erschütternd. Wojo van Brouwer bringt als aufstrebender Nationalsozialist auf erstaunliche Weise zusammen, was nicht zusammen gehört: Er ist sympathisch, hilfsbereit, aber konsequent antisemitisch und stramm national. Ein starker Schauspieler mit starker Stimme. Dieses Sextett trägt den Abend glänzend. Unterstützt wird es dabei von einem sehr gut aufgelegten Orchester unter der Leitung von Hans Kaul.

Die Vorlage gibt eine politische Ebene in einem unterhaltsamen Musical vor, Regisseur Zurmühle hat beides perfekt zusammengebracht. Seine Inszenierung unterhält, aber sie ist nicht flach. Sie zeigt nicht nur Figuren, sondern gerade für ein Musical ungewöhnlich facettenreiche Charaktere. Die Mischung stimmt. Und wenn es etwas zu bedauern gibt, dann nur, dass das trampelnde und johlende Premierenpublikum am Ende nicht noch mit einer Zugabe einer der Evergreens wie „Money, Money“ oder „Maybe this time“ belohnt wurde. Doch man muss kein Prophet sein, um dieser brillanten Produktion zahlreiche Vorstellung und viele begeisterte Zuschauer vorherzusagen.

Die nächsten Vorstellungen: 21., 23., 25., 30. und 31. Dezember um 19.45 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05    51   /    49    69    11.

Von Peter Krüger-Lenz

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