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Regional Musik – dem Vergessen entrissen
Nachrichten Kultur Regional Musik – dem Vergessen entrissen
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19:01 04.03.2010
Ausdrucksstark: Cellist Stephan Heber. Quelle: Hinzmann
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1941 wird der in Warschau geborene Laks verhaftet und 1942 nach Auschwitz-Birkenau gebracht, wo er als Leiter des Männerorchesters den Lagerhorror überlebte. Warum? Weil auch die Nazis Musik liebten. Jeden Morgen und jeden Abend, ungeachtet des Wetters, mussten die Orchester spielen, während die Häftlinge aus- und einmarschierten. Die Aufgabe an diesem Abend ist klar formuliert: Die Komponisten mögen tot sein, die Tragödie ist geschehen, aber ihre Musik soll nicht dem Vergessen anheimfallen. Sie lebt, wenn sie gespielt wird.

In Amsterdam, dem Zuhause des Leo Smit Ensembles, gibt es deshalb jeden Monat ein Konzert mit jüdischen Komponisten. Gerade hat man das 100. absolviert, so die Flötisten Eleonore Pameijer. Göttingen ist die zweite Station in Deutschland überhaupt, in der das Ensemble mit dieser Musik auftritt. „Zwischen Ravel und Strawinsky“ seien Komponisten wie Laks (1901-1983), Leo Smit (1900-1943) und Dick Kattenburg (1919-1944) anzusiedeln, so Pameijer. Es sei ungerecht, dass sie bis heute so unbekannt seien.

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Virtuos intoniert sie nach ihrer Einleitung Leo Smits Sonate für Flöte und Klavier, begleitet von Marcel Worms am Flügel. Auf dem Programm stehen außerdem zahlreiche Lieder in jiddischer Sprache. Kraftvoll interpretiert Irene Maessen die Volksgesänge über Arbeit, Glauben und unglückliche Liebe, denen sowohl eine große Melancholie als auch eine nicht zu überhörende Vitalität zu eigen ist.

Zahlreiche Zuschauer schließen die Augen oder verfolgen die Übersetzung mit, die in der Kirche ausgelegt worden ist. Ergriffen ist man bei „Nuit calme“ für Violoncello und Klavier von Henriette Bosmans, die an die Traumverlorenheit von Debussys „Clair de lune“ erinnert.

Der Abend schließt mit der Komposition eines Lebenden, dem Ehemann Pameijers, Jeff Hamburg, 1956 in Philadelphia geboren. Sein Werk „Yamlid“ erzählt vom kulturellen Aufblühen der osteuropäisch-jiddischen Kultur in Amerika nach dem zweiten Weltkrieg.

Von Marie Varela