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Regional Musikalische Comedy im Alten Rathaus mit „Bidla Buh“
Nachrichten Kultur Regional Musikalische Comedy im Alten Rathaus mit „Bidla Buh“
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18:53 07.08.2011
Drei Prachtkerle aus Hamburg: „Bidla Buh“ mit Olaf Klindtwort, Jan-Frederick Behrend und Hans Torge Bollert (von links).
Drei Prachtkerle aus Hamburg: „Bidla Buh“ mit Olaf Klindtwort, Jan-Frederick Behrend und Hans Torge Bollert (von links). Quelle: Heller
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Doch niemand regt sich darüber auf. Denn dafür gibt es keine freien Kapazitäten – alle Sinne sind gefesselt von dem, was Hans mit seinen beiden Kollegen, dem Gitarristen Olaf Klindtwort und dem Schlagzeuger Jan-Frederick Behrend, in ihrem neuen Programm „Prachtkerle – Wer angibt, hat mehr vom Leben“ präsentieren. Schlag auf Schlag folgen die musikalischen Pointen, die kleinen virtuosen Soli auf diversen Trompeten, Mini-Saxophonen, Gitarren, einem Banjo, aber auch auf Kuhglocken, Akkordeon, einer Schreibmaschine oder auf Essgeschirren und Bestecken. Schon das Hin- und Herräumen der Instrumente und Requisiten ist eine logistische Meisterleistung.

Bunt wie das Instrumentarium ist auch das inhaltliche Spektrum des Trios. Hier die überhaupt nicht peinliche, sondern real charmante Publikums-Anmache, dort ein Grimm-Märchen mit Mouth-Percussion, hier ein tödlich endendes maritimes Gutenachtlied, dort Pfeif-Arien, an denen Ilse Werner ihre helle Freude gehabt hätte. In seiner Kunstlied-Parodie – „Wasserglück“ aus den „Leiden des jungen Dieskaus“ – besingt Hans die Wasserleichen, so friedlich und weich. Eine plattdeutsche Fassung von „Rock around the Clock“ leitet über zu einer einfallsreichen Melodienfolge, in der die musikalischen Verbindungen von Beethovens „Für Elise“ zu „Spiel mir das Lied vom Tod“ einleuchtend nachgewiesen werden. Dabei spielt Hans das Beethoven-Stück auf seinem Akkordeon sogar in der Originaltonart und verirrt sich später zu den Schlümpfen, einem Brahmsschen Ungarischen Tanz und dem „Hummelflug“, die alle ebenfalls im Wilden Westen beheimatet sind.

Alles, was die drei Jungs von „Bidla Buh“ musikalisch anfassen, besitzt gleichermaßen hohe musikalische Qualität und hohen Unterhaltungswert. Vielleicht haben sie etwas weniger Glamour als die Kollegen vom Palastorchester. Aber ihr „Kleiner grüner Kaktus“ ist mindestens so sympathisch wie der ihrer Kollegen. Und dafür brauchen „Bidla Buh“ eben nur drei Leute, die ins Wohnzimmer passen würden. Das ist kein kleines Kunststück.

Von Michael Schäfer