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Regional Musikalische Hochspannung zum Abschluss der Nikolausberger Musiktage
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14:33 10.09.2019
Quicklebendig: das Göttinger Barockorchester mit Hans-Henning Vater (links). Quelle: Schäfer
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Göttingen

Auf den ersten Blick wirkte das Programm des Abends ein wenig konventionell: Vivaldis Wunschkonzert-Stück „Vier Jahreszeiten“, Telemanns fast ebenso populäre Suite „Hamburger Ebb und Fluth“, dazwischen ein eher unbekannter französischer Barockkomponist namens Jean-Féry Rebel.

Doch wenn sich das Göttinger Barockorchester mit solcher Musik befasst, plätschert nichts sanft dahin. Nein, da gibt es immer wieder Passagen, die aufhorchen lassen, in denen die Instrumente miteinander quicklebendig zu sprechen scheinen, seufzen, drohende Gefahren anklingen lassen, ja dem Zuhörer einen kleinen Schrecken versetzen. Man wird hineingezogen ins musikalische Geschehen, nimmt daran teil, kann nicht etwa eigenen Gedanken nachhängen und in der Ferne hübsche Harmonien an sich vorüberziehen lassen.

Jahreszeiten in Zeiten des Klimawandels

Zumindest in Vivaldis „Jahreszeiten“ war dieser Überraschungseffekt auch penibel vorausgeplant. Dem Titel war in eckigen Klammern die ganz unbarocke Bemerkung beigefügt „in Zeiten des Klimawandels“. Wenn heute in Mitteleuropa der Winter kein richtiger Winter mehr ist, wochenlang Regen ausbleibt und mancher Sommer mit tropischen Temperaturen aufwartet, gerät die seit Menschengedenken gewohnte Folge der Jahreszeiten durcheinander. Genau dies haben Intendant Antonius Adamske und Konzertmeister Hans-Henning Vater Vivaldis Stücken in gemeinsamer Arbeit angetan: Sie verwirbelten die Sätze, hier ein Stück Sommer mitten im Herbst, dort nicht etwa ein Vogelchor, sondern nur ein einsames Piepsen, zwischen den Vivaldi-Schnipseln kleine überleitende Solokadenzen.

Das war tatsächlich aufregend zu verfolgen, die Überraschungen waren keine billigen Effekte, sondern setzten Deutungs-Gedanken in Gang, ein spannendes Erlebnis. Die Fassung dieses Abends – ein „Appetizer“, so Adamske – war noch nicht die endgültige: Zwei Concerti erklangen in ihrer Originalgestalt. Am Sonnabend, 12. Oktober, wird der fertige Klimawandel-Mix in zwei Konzerten in Göttingen aufgeführt, um 16 Uhr im Parthenon-Saal und um 20 Uhr im Alten Rathaus.

Wildes Stück

Und auch die Suite „Les Élémens“ des Vivaldi-Zeitgenossen Jean-Féry Rebel war für Überraschungen gut. Die Vertonungen der vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft sind von etlichen weiteren Suitensätzen umgeben. Vor allem der erste Satz „Le Cahos“ – barocke französische Schreibung für Chaos – ist ein wildes Stück, in dem sich ein kakophonischer Halbtoncluster allmählich in etwas Harmonisches verwandelt. Diese hochbarock aufschäumenden musikalischen Wogen glätteten sich am Ende in Telemanns „Hamburger Ebb und Fluth“ zugunsten eines kultiviert-galanten Tons, den das Göttinger Barockorchester ebenso präzise traf wie zuvor den Gestus messerscharfer Kontraste.

Sehr lebendig, virtuos und bis auf kleine Ungenauigkeiten stets intonationssicher gestaltete Hans-Henning Vater seine strapazierende Solopartie in Vivaldis „Jahreszeiten“, in einer weiteren Violin-Solopartie bestach Iris Maron mit ihrem weichen, geschmeidigen Ton. Von den weiteren Instrumentalisten seien stellvertretend Georg Fritz und Annette Berryman hervorgehoben, die beide sowohl auf verschiedenen Blockflöten als auch auf der Barockoboe glänzten.

Abschied vom Intendanten

Antonius Adamske verlässt Nikolausberg

Mit den 5. Nikolausberger Musiktagen beendet der Musiker Antonius Adamske die künstlerische Leitung dieses Festivals, um sich künftig intensiver seinen anderen Aufgaben widmen zu können. Als er 2015 den Landesjugendchor Niedersachsen und das Collegium vocale Hannover zu Konzerten nach Nikolausberg einlud, ahnte er noch nicht, dass sich daraus ein veritables Musikfest entwickeln würde. Und zwar steil nach oben: Sowohl die Zahl der Konzerte als auch die der Zuhörer stieg stetig. Nachdem die Besucherzahl 2018 knapp 1000 erreicht hatte, sind zu den zehn Konzerten der 5. Musiktage 2019 bereits deutlich mehr als 1000 Hörer gekommen, wie der 27-jährige Musiker stolz berichtet. Dabei sei das Konzept der Musiktage für das Publikum nicht eben einfach: die Verknüpfung eines durchaus hohen wissenschaftlichen Anspruchs mit Kirchenmusik, der Anspruch, auch zeitgenössischer Musik in Nikolausberg ein Forum bieten zu wollen. Umso mehr freut sich der scheidende Intendant über den Zuspruch, den die Musiktage inzwischen genießen.

Zu den Aufgaben, auf die sich Adamske künftig konzentrieren möchte, gehört die Leitung des traditionsreichen Hamburger Monteverdi-Chores, die er im Oktober 2018 übernommen hat, und des consortium vocale berlin. Daneben ist er ständiger Projektleiter des Göttinger Barockorchesters, mit dem er zwei CDs herausgebracht hat (Bach-Kantaten und Göttinger Stadtmusik), und leitet den Chor der Technischen Universität Clausthal-Zellerfeld. Von diesem Amt wird sich Adamske, der seinen Wohnort inzwischen nach Potsdam verlegt hat, bald zurückziehen. Über seine Nachfolge bei den Nikolausberger Musiktagen werden, so Adamske im Gespräch nach dem Schlusskonzert, derzeit Gespräche geführt. „Noch in diesem Jahr wird es feststehen.“

Von Michael Schäfer

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