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Regional Drei einsame Herzen aus Paris zu Gast in der Gartetal Spinnerei
Nachrichten Kultur Regional Drei einsame Herzen aus Paris zu Gast in der Gartetal Spinnerei
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15:11 12.09.2019
Sabine Mariß und Jan Reinartz stellen gemeinsam den Roman "Zusammen ist man weniger allein" in der Gartetal Spinnerei vor. Quelle: Hinz
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Klein Lendgen

„Dies wird ein Live-Hörspiel nach den Gesetzen des Jazz – wir wissen was wir vorhaben, aber es wird viel improvisiert“, sagt Jan Reinartz zur Eröffnung des Abends. Der Schauspieler ist erwartungsvoll. Der Abend ist für ihn eine Premiere – in mehrfacher Hinsicht.

Ihm zur Seite sitzt auf der Bühne der Historischen Spinnerei Gartetal in Klein Lendgen die Improvisationskünstlerin Sabine Mariß. Gemeinsam stellen sie bei der „Kulturkneipe“ am Mittwochabend in einer musikalischen Lesung den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ der französischen Autorin Anna Gavalda vor – eine unterhaltsame und feinfühlige Geschichte über drei eigenwillige Menschen und einsame Herzen, die sich langsam näher kommen.

Vorschlag eines gemeinsamen Projektes

„Ich habe Jan bei der ‚Judas’-Aufführung erlebt und war begeistert“, berichtet Sabine Mariß. Die Musikerin konnte sich ein gemeinsames Projekt vorstellen und gab ihm ihre Solo-CD. Die gefiel dem Schauspieler vom Jungen Theater Göttingen so gut, dass sie eine gemeinsame Idee entwickelten: ein Live-Hörspiel auf die Bühne zu bringen. Der Wunsch der Musikerin war, dass sie bei einer Lesung auch improvisieren kann. Mariß schlug das Buch der Autorin Anna Gavalda vor. Reinartz: „Ich habe das Buch ich in wenigen Tagen Zeit verschlungen, es ist so geerdet und zugleich poetisch.“ Dann begannen die Proben. Die Künstler legten fest, welche Passagen der Schauspieler liest und an welchen Stellen die Musikerin improvisiert oder vorbereitete Musik einspielt.

Reinartz und Mariß als Dialogpartner

Der Roma handelt vom verarmten und unsicher stammelnden Aristokraten Philibert, der in Paris in eine Wohnung seiner Adelsfamilie zieht, und die freien Zimmer an zwei Personen vermietet. Zu ihm ziehen die hochtalentierte Zeichnerin Camille, die nachts in einer Putzkolonne arbeitet sowie der mürrische Koch Franck. Alle drei Protagonisten haben ihre Lebenswunden, ihre Unsicherheiten, ihre verschrobene ganz eigne Art. Doch so sehr sie sich auch aneinander reiben, so sehr ihre Ängste sie von einander fern halten, so kommen sie sich doch immer näher – und bilden schließlich ein vertrautes Freundschaftstrio als wären sie Geschwister.

Der Roman lebt von lebhaften und emotionalen Dialogen. Genau darauf setzen Reinartz und Mariß bei ihrer Lesung. Sie agieren wie Dialogpartner. Der Schauspieler macht aus der Lesung eine Performance: Mit seiner wandelbaren Stimme lässt er die drei Personen des Buches lebendig werden, sie bekommen eine individuelle Persönlichkeit. Er stottert, spricht mit leiser und schüchterner Stimme oder flucht laut. Dies illustriert er mit seiner Gesichtsmimik. Lesend schlüpft der Schauspieler in die Rollen der literarischen Figuren, verkörpert sie, erweckt sie zum Leben. Die Musikerin schmückt die Textpassagen mit ihrer Stimme, auf der Klarinette oder der indischen Doppelflöte atmosphärisch aus. Mal sind es kleine Soli, mal umgarnen die Improvisationen gelesene Sätze, mal kommentieren oder illustrieren sie die Handlung. Die Klangkünstlerin schichtet mit ihrer Loop-Station Sounds aufeinander, die wie ein (Klang-)Raum wirken in dem die Personen aus dem Roman agieren.

Kulturkneipe bei Bier und Käseplatte

Rund fünfzig Personen sind an diesem Abend in dieHistorische Spinnereigekommen. Die Atmosphäre ist ungezwungen: An den Tischen unterhalten sich die Besucher bei Bier, Wein oder Bowle mit Wurstbrot oder Käseplatte – man kennt sich oder man lernt sich kennen. Damit die Besucher in Kontakt kommen und im Gespräch bleiben, gibt es zwei Pausen bei dieser Lesung. Diese Form der Kulturkneipe mit Lesungen und Konzerten gibt es in dem Industriedenkmal seit Mai 2019. Der Eintritt ist frei, finanziert werden die monatlichen Kultur-Events über Spenden. „Mit fünfzig bis sechzig Besuchern sind unsere Veranstaltungen immer gut besucht“, resümiert Jürgen Haese vom Vorstand des Verein Historische Spinnerei Gartetal. „Wir haben ein wechselndes Publikum und sprechen so einen großen Kreis an Kulturinteressierten an – doch ein Viertel der Besucher sind bereits Stammpublikum.“

Reinartz und Mariß bekommen viel Applaus an diesem Abend. In jeder Sekunde spürt man bei diesem Live-Hörspiel die Einmaligkeit des Augenblicks. Eines steht für den Schauspieler und die Musikerin schon fest: Diese musikalische Lesung wollen und werden sie noch öfters aufführen.

Weitere Aufführungstermine

Nächste Aufführung der Lesung von Reinartz und Mariß: Sonntag 3. November 2019 im Studio Klawunn, An der Mühle 13, Göttingen-Herberhausen. Kommende Kulturkneipe in der Historischen Spinnerei Gartetal: Mittwoch 9. Oktober 2019 ab 18 Uhr mit Spirited Ireland Ladies und Irish Folk.

Von Udo Hinz

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