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Regional Musikalische Zeitreise durch die Nachkriegszeit
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18:43 30.08.2011
Zu Gast in Geismar: das Kasseler Kabarettisten-Quartett „Pömps“.
Zu Gast in Geismar: das Kasseler Kabarettisten-Quartett „Pömps“. Quelle: Heller
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Zunächst übernimmt jedoch Brigitta Wagener-Brandt, Mitglied des Kulturvereins Geismar, das Wort. Sie ist sich sicher, dass „die Kleinkunstbühne in eine positive Zukunft blickt,“ und stolz darauf, die baldige Fertigstellung des neuen Anbaus verkünden zu können. Laut Wagener-Brandt will der Kulturverein „auf der Kleinkunstbühne ein vielfältiges, regionales Programm für sämtliche Altersklassen etablieren, welches bereits jetzt von Lesungen bis hin zu Kabarett reicht“. Ziel sei es, den Bürgern in Geismar eine ortsnahe Alternative zum Apex bieten.

Dann überlässt sie „Pömps“ die von roten Scheinwerfern in schummriges Licht getauchte Bühne. Drei Frauen und ein Mann in zerschlissenen, notdürftig geflickten Kleidern betreten die Bühne. Ein Klavier erklingt, und die Frauen erheben pflichtbewusst, aber keinesfalls enthusiastisch, ihre Stimmen zur Nationalhymne der DDR. Sogleich fühlen sich viele Zuschauer in die Vergangenheit zurückversetzt.

Es ist der Auftakt zu einer musikalischen Zeitreise. Unter dem Motto „Wir sind wieder … wer?“ führt sie von der Nachkriegszeit bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Marlene Dietrichs sentimentales Stück „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ scheint den meisten bekannt zu sein und animiert viele der im Saal zum Mitsingen. Auch die pantomimische Einlage, die das Treiben auf Schwarzmärkten und das entbehrungsreiche Leben im Nachkriegs-Deutschland widerspiegelt, spricht die Zeitzeugen unter den Anwesenden an.

Die Zeiten des Mangels und der Schattenwirtschaft werden überwunden, das Wirtschaftswunder folgt. Die drei Sängerinnen präsentieren sich nun kokett in eleganten Kleidern. Als nach einer parodierten Persil-Werbung Caterina Valentes „Komm ein bisschen mit nach Italien“ erklingt, schwelgen nicht wenige Zuschauer in alten Erinnerungen. Sie wirken heiter und unterstützen die Akteure auf der Bühne durch rhythmisches Klatschen tatkräftig.

Doch die Ernüchterung des Mauerbaus und Kalten Krieges stimmt offensichtlich auch das Publikum nachdenklicher, denn zu Nicoles „Ein bisschen Frieden“ lässt sich mancher gemächlich treiben oder singt nun etwas leiser mit. Beim Trabant, der „viel Raum für Gepäck und bis zu vier Personen bietet“, bleiben jedoch die wenigsten Augen trocken. Die Wiedervereinigung bedeutet auch für die musikalische Zeitreise den Endpunkt, der vom Publikum mit stürmischen Applaus bedacht wird. Das Quartett bedankt sich mit drei Zugaben.

Von Nils Wortberg