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Regional „Youkali“ präsentieren im Alten Rathaus Lieder und Gedichte
Nachrichten Kultur Regional „Youkali“ präsentieren im Alten Rathaus Lieder und Gedichte
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16:01 12.07.2019
Youkalí im Alten Rathaus mit Tatjana Davis, Elena Schoychet, Marie Hänsel und Laura Härtel (von links). Quelle: Schäfer
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Göttingen

Aus Dresden kommen die vier Musikerinnen der Band „Youkalí“. Am Donnerstag haben sie das Publikum mit ihren melancholisch-unterhaltsamen Liedern nach Gedichten von Mascha Kaléko im Alten Rathaus nachhaltig begeistert.

Youkalí gibt es seit 2018. Ihren Namen hat sich die Band von einem Song von Kurt Weill aus dem Jahr 1934 entliehen, einem Tango Habanera. Genau das ist die Epoche, in die sich die Musikerinnen Marie Hänsel, Tatjana Davis, Laura Härtel und Elena Schoychet intensiv hineinversetzt haben – und auch die Zeit, in der die Dichterin Mascha Kaléko mit ihren ersten „lyrischen Stenogrammen“ in Berlin berühmt wurde.

Lieder aus Gedichten

Berühmt ist relativ. Die Dichterin, bald nach der Machtübernahme der Nazis in die USA emigriert, 1975 in Zürich gestorben, ist längst nicht mehr so populär wie 1934, aber seit vielen Jahren ein Geheimtipp. Ihre Gedichte sind in einfacher Sprache gehalten und absolut verständlich. Kaléko schreibt über die Befindlichkeiten der kleinen Leute, natürlich über Liebe, aber auch über Heimatlosigkeit, über Exil, über das Sterben: „Die Zeit steht still. Wir sind es, die enteilen.“

Wunderschöne Lieder hat Youkalí aus diesen Gedichten gemacht. Alle vier Frauen sind Profis: Sopranistin Marie Hänsel hat an den Musikhochschulen Karlsruhe und Dresden Gesang studiert, singt beispielsweise die Susanna in Mozarts „Figaro“ und macht in Dresden gerade ihren Master. Pianistin Elena Schoychet, Klarinettistin Tatjana Davis und Cellistin Laura Härtel sind ebenfalls an der Musikhochschule Dresden ausgebildet worden, Schoychet ist darüber hinaus Mitgründerin der „Babykonzerte Dresden“.

Musikalisch anspruchsvolle Kompositionen

Tatjana Davis, in der Band für Klarinette, Percussion, Piano und Gesang zuständig, hat die Lieder geschrieben. Ihre Kompositionen sind musikalisch sehr anspruchsvoll, gern mit mindestens dreistimmigem Gesang, auch a cappella, mit vielen leisen Zwischentönen, melodisch, harmonisch und rhythmisch geradezu gespickt mit immer neuen Einfällen. Youkalí hat es nicht nötig, die Lieder brüllend laut zu verstärken: Man lauscht besonders gern, wenn die vier Frauen etwas im Pianissimo mitteilen.

Leadsängerin Marie Hänsel erreicht auch die hohen Lagen ihrer hell timbrierten Stimme ohne jede Mühe. Sie artikuliert perfekt, sodass man auch in raschem Tempo jedes Wort versteht, und spiegelt mit ihrer ganz unangestrengten Stimme die Zartheit und Leichtigkeit der Texte musikalisch perfekt. Laura Härtel am Cello (plus Gesang plus Percussion) findet engen Kontakt zum Publikum mit ihrer lebendigen Mimik und ihrem perkussiven Spiel. Die präzise, farbenreiche pianistische Basis liefert Elena Schoychet am Flügel: rhythmisch immer scharf konturiert und dabei so sensibel im Anschlag, dass sie die Töne auch pianissimo wie einen Hauch entschwinden lassen kann.

Publikum gibt Liedreihenfolge vor

So ließen sich die zahlreichen Zuhörer gefangen nehmen vom Zauber der „Seiltänzerin ohne Netz“, wie die Musikerinnen ihr Kaléko-Programm getauft haben, von den poetisch-melancholischen Gedanken um einen fittichgestutzten, verdutzten Star, um das Kindsein, das wir nie gelernt haben, oder um den Schwan, „der sein Ende ahnt, das heißt, wenn ihm sein Sterben schwant“. Die Reihenfolge der Lieder ließen sich die Musikerinnen mit einer Lostrommel vom Publikum vorgeben – ein hübsche Idee, die allerdings den Ablauf des Abends bisweilen ins Stocken geraten ließ. Vielleicht hätte auch hier und da ein wenig mehr Moderation den Spannungsbogen verstärken können.

Die nächsten Kultursommer-Termine

„Quadro Nuevo“ lautet das Motto des Tango-Open-Air-Abends am Sonnabend, 13. Juli, um 20 Uhr im Innenhof von St. Michael, Kurze Straße. Die Kabarettistin Tina Teubner kommt mit ihrem neuen Programm „Wenn du mich verlässt, komm ich mit“ am Sonntag, 14. Juli, um 20 Uhr ins Alte Rathaus. Mit dem Andersen-Märchen „Die wilden Schwäne“ als Live-Hörspiel gastiert am Sonnabend, 20. Juli, das Theaterkollektiv „Candlelight Dynamite“ um 20 Uhr im Alten Rathaus. „Das Imperium schlägt was vor“ heißt das Programm der Rostocker Kabarettisten Christopher Dietrich und Erik Raab (kurz: Dietrich & Raab), mit dem sie am Sonntag, 21. Juli, um 20 Uhr ins Alte Rathaus kommen.

Doch wesentlich wichtiger ist das, was Youkalí an hoher musikalischer Qualität einbringt – derart schöne, fantasiereiche, anspruchsvolle Musik bekommt man in diesem Genre nicht alle Tage geboten. Diese Lieder sind beileibe nicht zum einmaligen Gebrauch bestimmt, man könnte sie wieder und wieder hören – allerdings jetzt noch nicht: Eine CD-Produktion wartet noch auf die Finanzierung. Drum gab’s als Zugabe eine Liebeslied-Wiederholung – und zum Abschluss ein Gute-Nacht-Lied, in das sich einer der beiden mitgereisten Musikerinnen-Säuglinge mit hörbarem Behagen einmischte.

Von Michael Schäfer

Zum Vormerken: Im September beginnt die Ausstellung „Natur – Mensch“. 62 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Installation, Videokunst und Bildhauerei/Skulpturen sind dann in St. Andreasberg zu sehen.

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