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Regional Musikhochschule Hannover: Gastspiel in Stadthalle Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Musikhochschule Hannover: Gastspiel in Stadthalle Göttingen
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16:48 28.06.2013
Solistin am Klavier: Mayumi Sakamoto.
Solistin am Klavier: Mayumi Sakamoto. Quelle: EF
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Göttingen

Nun hat Dirigent Christoph-Mathias Mueller die drei Solisten einen Tag nach ihrem Examen zu einem Abonnementskonzert nach Göttingen verpflichtet. „Stars von morgen“ hieß das Motto des Abends in der sehr gut besuchten Stadthalle, mit dem die GSO-Saison 2012/13 zu Ende gegangen ist.

Der ungewöhnliche Anlass brachte ein ungewöhnliches Programm mit sich: gleich drei Instrumentalkonzerte statt, wie sonst üblich, ein einziges. Den Anfang machte die aus Moskau stammende Oboistin Maria Sournatcheva, Jahrgang 1988, die bereits als 14-Jährige das Institut zur Früh-Förderung musikalisch Hochbegabter (IFF) in Hannover besuchte.

Sie spielte ein (nach BWV 49 und 169 rekonstruiertes) Oboen­konzert von Johann Sebastian Bach. Ihr blühender, modulationsfähiger, in allen Registern ausgeglichener Ton, ihre stilsichere Phrasierung und ihre musikalisch ausgereifte Gestaltungskunst machte dieses Konzert zu einem Hochgenuss. Mueller hatte das GSO auf einen lockeren, durchsichtigen Bach-Klang eingeschworen, das Orchester erwies sich dabei als feinfühliger Partner der Solistin.

Das gilt ebenso für Griegs Klavierkonzert a-Moll, mit dem sich die japanische Pianistin Mayumi Sakamoto glänzend präsentieren konnte. Die 1983 geborene Musikerin, die als Elfjährige mit ihrem Heimatorchester debütierte, hat schon etliche Wettbewerbserfolge erzielt. Studiert hat sie in der Soloklasse von Einar Steen-Nøkleberg, ergänzend nahm sie an Meisterkursen bei Bernd Goetzke teil.

Griegs hochromantische Musik ist eine Spezialität der virtuosen Solistin: Sie kann den Anschlag wunderbar fein dosieren, ebenso das Rubato, also die kleinen Temposchwankungen, mit denen in dieser Stilrichtung der musikalische Ausdruck vertieft und belebt wird. Stahlhartes Zupacken in den donnernden Akkordpassagen gelingt ihr ebenso mühelos wie das zarte Aufblühen sanglicher Melodien

Tänzerisches Finale

Besonders erwähnenswert ist ihre Kunst, musikalische Entwicklungen mit großem Atem anzugehen und so für weit gespannte Bögen zu sorgen. Das gilt für den energisch profilierten Kopfsatz ebenso wie für das empfindsame Adagio und das tänzerische Finale.

Mit der aus Seoul stammenden koreanischen Violinistin Jung Yoon Yang, Jahrgang 1986, stand eine dritte Meisterin ihres Faches auf dem Podium. Die Schülerin von Krzysztof Wegrzyn zeigte am d-Moll-Violinkonzert von Jean Sibelius hochmusikalisches Format. Die technischen Schwierigkeiten dieses Konzerts bewältigte sie scheinbar mühelos, mit ihrem singenden, großen Ton kann sie sich ganz selbstverständlich auch gegen das voll besetzte Orchester behaupten.

Ihren Solopart gestaltete sie mit großer musikalischer Spannung, mitreißendem Temperament und federnder Eleganz. Dem Hörer machte sie es außerdem leicht, inhaltliche Zusammenhänge nachzuvollziehen: Mit viel Sinn für den notwendigen Nachdruck unterschied sie musikalisch Bedeutsames von schmückendem Beiwerk.

Allen drei Solisten war das Orchester unter Mueller nicht nur ein verlässlicher, sondern auch ein musikalisch angemessen selbstbewusster Partner, trat mit ihnen in lebendigen Dialog. Der Beifall war ausgesprochen begeistert. Dieser Abend hat die Konzertsaison mit einem besonderen finalen Glanzlicht beschenkt.

Das GSO und die Solisten treten mit diesem Programm am Montag, 1. Juli, um 19.30 Uhr in der Stadthalle auf. Dann allerdings exklusiv für Angehörige der Universität, Studierende und Alumni.

Von Michael Schäfer