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Regional Nervige Liebeserklärungen und junge Liebhaber
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18:50 20.11.2011
Rauchige Stimmgewalt: Ina Müller (Mitte) gibt Vollgas auf der Lokhallenbühne. Quelle: Heller
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Ina Müller steht neben Barack Obama. Der amerikanische Präsidente und die deutsche Musik-Kabarettistin scheinen sich zu amüsieren. Das Bild wechselt. Die grinsende Kabarettistin posiert als US-Pop-Sängerin Britney Spears und rasiert sich gerade eine Glatze. Die große Leinwand hinter der Band zeigt Müllers Gesicht in den unterschiedlichsten Lebenssituationen, bis sie durch eine Tür in der Leinwand auf die Bühne kommt.

Dortmund führt eins zu null“, sagt Müller und kassiert bei den Männern gleich die ersten Sympathiepunkte. Mit humorvoll sarkastischen Texten aus ihrem Album erzählt die Sängerin von ständig nervigen Liebeserklärungen in dem Lied „Ja ich will“.

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In „Mitte 20“ zählt die Sängerin Vorteile eines jüngeren Liebhabers auf und gesteht im Lied „Gleichberechtigung“, dass sie sich in bestimmten Fällen lieber auf Männer als auf Frauen verlässt. Die seien manchmal einfach viel zu gefühlsgesteuert, da spreche sie aus Erfahrung. Ihre rauchige Stimmgewalt stellt sie mit einem mal eben opernhaft angestimmten „The winner takes it all“ (Abba) unter Beweis und singt im Laufe des Abends nicht einen schiefen Ton.

Mit lustigen Erzählungen aus ihrem Alltag ist Müller zwischen den Liedern ganz Kabarettistin. Von den schrecklichen Begleiterscheinungen des Alterns („ … man wird dick und alt und dick und alt“) und dem lästig schleichenden Prozess der Gewichtszunahme („Laut Miracoli bin ich vier Personen“ ) bis zu Geschichten aus der Kindheit („Bei uns auf’m Dorf hieß das Gülle. In der Stadt nennen sie es Red Bull“).

Mit schlüpfrigen Sprüchen über Frauenproblemchen, die so mancher Frau aus der Seele sprechen dürften, unterhält Müller das Publikum. „Man muss es halt mal so sagen, wenn es so ist.“ Auch ihre hervorragende Band verdient Lob. Mit Cover-Solos steht jeder Künstler einmal im Rampenlicht. Ob der Gitarrist die Anfangsmelodie von AC/DCs „Highway to Hell“ spielt oder die Backround-Sängerinnen „Don’t stop the music“ von R’-n’-B-Sängerin Rihanna anstimmen, die Stimmung wird noch einmal richtig angereizt. Auch Müller kann dann nicht still halten und läuft bei den letzten Stücken von einer Seite der Bühne zur anderen. Musste sie zu Beginn des Konzerts noch auf das Klavier geschoben werden und hat sich beim Treppensteigen helfen lassen, (da das Hüpfen und Gehen mit zunehmendem Alter ja immer schwerer wird) hüpft sie nun auf den Flügel, tanzt darauf herum oder läuft durch die Zuschauerreihen.

Fazit nach zweieinhalb Stunden Vollgas auf der Bühne mit witzigen Songtexten und Anekdoten: Man ist das ’ne tolle Frau.

Von Sandra Rittner