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Regional Nessi Tausendschön, Reiner Kröhnert und Arnulf Rating zu Gast im Alten Rathaus Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Nessi Tausendschön, Reiner Kröhnert und Arnulf Rating zu Gast im Alten Rathaus Göttingen
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18:20 14.07.2018
Nessi Tausendschön ist mit ihrer frechen Art prädestiniert dafür, durch den Abend zu führen. Quelle: Michaeli
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Göttingen

Wer mit dem Namen Arnulf Rating nichts anfangen kann, sollte sich ein Bild von ihm heraussuchen: unverkennbar, der Mann ist ein kabarettistisches Urgestein, dessen Antlitz einem im heutigen Bilderdschungel sicherlich schon einmal untergekommen ist. Seine Selbstbeschreibung: „Kim aus Nordkorea hat so eine Frisur wie ich, nur umgekehrt.“

Aber eigentlich steht Rating, wieder eine Selbstbeschreibung, kurz davor, alles hinzuschmeißen. „Ich mache kein Kabarett mehr, das lohnt sich gar nicht mehr“ – will sagen: Die Realität hat die Satire mittlerweile überholt. Zum Beweis hat der Kabarettist für seinen Auftritt vor 270 Zuschauern im voll besetzten Alten Rathaus jede Menge Zeitungen mitgebracht - Rating hat sich im Gegensatz zu Donald Trump gut auf den Gipfel vorbereitet, immerhin ist man zur Premiere des sogenannten „Ersten Göttinger Kabarettgipfels“ zusammengekommen.

Grandseigneur des deutschen Kabaretts

Heiß ist es beim Kabarettgipfel im Alten Rathaus, und der Klimawandel lässt auch bei Rating grüßen: „Das Wetter ist schön, wir freuen uns. Wir sind dafür jahrelang Auto gefahren.“ Der Grandseigneur des deutschen Kabaretts knallt bei tropischen Temperaturen eiskalt jede Pointe ab, die ihm vor die Flinte kommt.

Das könnte langweilig sein, ist es aber nicht, weil die Rohrkrepierer inmitten von vielen Klasse-Pointen fast untergehen. Außerdem sind die Göttinger gut drauf – auch das ist wichtig bei einem Gipfel...

Thema Fußball: „Schon wieder sind wir in Russland gescheitert“ (ein Witz, den wohl jeder Kabarettist in diesen Tagen im Programm haben muss). Thema SPD-Schwäche: „Man kann keine Faust machen, wenn man überall die Finger drin hat.“ Thema SPD-Führungspersonal: Andrea Nahles, sei ihm zu Ohren gekommen, sei wohl „die Stradivari unter den Arschgeigen“. Thema Rechtspopulismus: „Auch die Österreicher sind durch die Wahl zu Kurz gekommen“ – woraufhin ein Mann im Publikum flüstert: „Das hat nicht jeder verstanden.“

Auch das gehört zu den schönen Seiten des Kabaretts: Man fühlt sich danach immer ein bisschen besser, weil man sich immer ein bisschen schlauer als die anderen fühlt.

Fahrensmann der Satire mit Schwerpunkt Parodie

Zu den schönen Seiten des Kabaretts gehört auch Reiner Kröhnert, ebenfalls ein alter Fahrensmann der Satire mit Schwerpunkt Parodie. Kröhnert fängt etwas dröge mit seiner Paraderolle Angela „Mutti“ Merkel an - die Perücke sitzt, die Pointen lassen sich Zeit. Dann aber wird er immer besser, und am Ende stiehlt er den beiden Mitstreitern fast ein bisschen die Show.

Spitze sein Gerhard Schröder, der über Martin Schulz sagt: „Zu meiner Zeit hat man die Versager noch nach Brüssel abgeschoben, und seit einiger Zeit holt man diese Grützgurken wieder zurück.“ Absolute Klasse seine Friedman-Talkshow „Der Intellekt hat viele Gesichter“ mit Rüdiger Safranski und wechselnden Gästen - Boris Becker und Daniela Katzenberger. „Schlagen Sie uns die Asse Ihres Geistes um die Ohren“, fordert Friedman den Ex-Tennisstar auf. Becker: „Keiner ist Erleuchteter, als der, der wo mit nix mehr als genug hat“ – das Publikum kreischt vor Lachen.

Kabarett ist live viel lustiger als im Fernsehen

Wäre da noch Nessi Tausendschön, die mit ihrer frechen Art prädestiniert dafür ist, durch den Abend zu führen. Eine große Stärke der selbstbewussten Tausendschön ist ihre Improvisationsfähigkeit, und die kommt beim Auftaktlied sehr schön zum Ausdruck: „Was gucken Sie so? Jetzt habe ich den Faden verloren! Das ist immer peinlich, wenn das am Anfang passiert“, singt sie ungerührt weiter. Dann beginnt sie zu tanzen und ungestüm jazzig zu variieren, dass es nur so eine Art ist. Resultat: Eine vor lachen glucksende Zuschauerin fällt beinahe vom Stuhl. „Ja, dafür haben sie gezahlt“, reibt das irrlichternde Wesen den Göttingern unter die Nase.

Fazit: Kabarett ist live viel lustiger als im Fernsehen (vor allem dann, wenn Kröhnert als Honecker besser ist als das Original). Und deshalb gilt der Dank der Künstler und des Publikums auch der Kultursommer-Organisatorin und Gipfel-Initiatorin Margot Blotevogel, die nach einem Unfall mit einem Radfahrer mit Schulterverletzung im Krankenhaus liegt. Honecker ist es, der am Schluss Grüße ins Krankenhaus ausrichten lässt. An seine Margot...

Von Eduard Warda

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