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Regional Superhelden und eine Rentner-Gang
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10:50 24.04.2019
„Avengers 4: Endgame“: Black Widow (Scarlett Johansson), Captain America (Chris Evans), Bruce Banner (Mark Ruffalo) und War Machine (Don Cheadle) (v. li. n. re.). Quelle: Marvel Studios/Walt Disney Germany
Göttingen/Duderstadt/Herzberg/Osterode/Northeim/Hann. Münden

Superhelden tragen Trauer: Nur ein kurzes Fingerschnipsen reichte dem Bösewicht Thanos im letzten „Avengers“-Film aus, um die Hälfte der Menschheit zu Staub zerfallen zu lassen. Darunter waren auch verdiente Helden aus dem Marvel-Universum, die in den letzten zehn Jahren mitgeholfen hatten, Milliardengewinne in die Konzernkasse zu spülen. Es war ein Filmende, das nicht nur unter eingefleischten Comicfilmfans als größter Cliffhanger der Filmgeschichte gilt.

Große Depression

Und so herrscht zu Beginn der finalen Fortsetzung „Avengers 4: Endgame“ auf dem Planeten Erde zunächst große Depression. Die Reihen im Superheldenlager sind gelichtet und die Trauer um die verlorenen Kollegen groß. Captain America (Chris Evans) leitet eine Selbsthilfegruppe, Iron Man (Robert Downey jr.) hat sich ins Familienleben zurückgezogen, während Black Widow (Scarlett Johansson) müde die Zentrale zur Verbrechensbekämpfung leitet. Und der omnipotente Thor hat sich frustriert dem Suff ergeben, wofür die Pixelmeister Chris Hemsworth eine Bierwampe auf den Astralleib geschnürt haben.

In die Vergangenheit reisen

Die rettende Idee kommt ausgerechnet vom kleinsten Mitglied im Superheldenteam. Ant-Man (Paul Rudd) hat die Halbierung der Menschheit irgendwo im Zeittunnel verbracht, dessen quantentheoretische Erklärung schon in „Ant-Man and the Wasp“ keiner verstanden hat. Er will die Technik dazu nutzen, um zurück in die Vergangenheit zu reisen, wo Geschehenes ungeschehen gemacht werden soll.

Selbstironische Verweise

Dass das Instrument der Zeitmaschine ein äußerst abgegriffenes Hilfsmittel ist, dessen sind sich auch die Regisseure Anthony und Joe Russo bewusst. Durch selbstironische Verweise auf so ziemlich alle einschlägigen Zeitreisefilme versuchen sie, diese erzählerische Schwäche unschädlich zu machen. Es wird tapfer gekämpft, noch tapferer gestorben und der Mythos superheroischer Unbesiegbarkeit zur Steigerung der Spannung teilweise unterminiert. Auf schlappe drei Kinostunden haben die Russos den letzten Akt der „Avengers“-Reihe gestreckt und rekrutieren im finalen Gemetzel so ziemlich jeden Superhelden, der in den letzten Jahren unter dem Marvel-Siegel das Licht der Leinwand erblickt hat.

Momente superheroischer Selbstbesinnung

Langweilig wird es bei der Betriebsfeier nicht, weil das Regieduo die epische Breite immer wieder durch Humor und Momente superheroischer Selbstbesinnung auflockert. Ob es nach diesem rauschenden Finale in naher Zukunft ein Relaunch der „Avengers“-Filme geben wird, darüber darf munter spekuliert werden. Das wird vor allem in neuen Vertragsverhandlungen mit den Schauspielern entschieden, von denen einige den Ausstieg suchen, andere wie Brie Larsons „Captain Marvel“ und Chadwick Bosemans „Black Panther“ sich gerade erst warmgelaufen haben. Wiederauferstehungen gehören im Hause Marvel zur Konzernstrategie: „Spider-Man“ wurde innerhalb von nur 16 Jahren schon viermal zu neuem Leben erweckt.

„Avengers 4: Endgame“, Regie: Anthony und Joe Russo, mit Robert Downey Jr., Chris Hemsworth , 181 Minuten, FSK 12

Im Cinemaxx in Göttingen, in Duderstadt, Osterode, Herzberg, Hann. Münden und Northeim.

Bis in alle Ewigkeit: Die Komödie „Ein letzter Job“

Ob es ihm schwerfalle, nur mehr alte Leute auf der Leinwand zur verkörpern, wurde Michael Caine beim Filmfestival in Cannes mal gefragt. Den putzigen Einwurf konterte der Brite trocken: „Die einzig mögliche Alternative wäre es, tote Leute zu spielen. Da ziehe ich alte Leute vor.“

Michael Caine (M.) als Brian Reader. Quelle: Studiocanal

So spielt der 86-jährige Caine nun immer ältere Leute, genau wie manch anderer Kollege, etwa Michael Gambon (78), Tom Courtenay (82) oder Jim Broadbent (beinahe ein Jüngling: 69). Mit diesen dreien ist Caine jetzt in „Ein letzter Job“ zu sehen, einer Komödie über einen Juwelenraubzug in England. Regisseur James Marsh beruft sich auf einen authentischen Fall, der vor vier Jahren für Aufsehen sorgte: Ein Trupp Rentner räumte die Londoner Hatton Garden Safe Deposit Company aus. Mit schwerem Gerät drangen sie in stillen Ostertagen durch eine Kellerwand zu den Klunkern vor. Ein paar reifere Fachkräfte bewiesen, dass ihnen Bastelrunden und Busausflüge zu langweilig sind.

Illustres Personal

Bei dieser Besetzung müsste die Komödie ein Freudenfest sein. Doch weiß der Regisseur mit seinem illustren Personal wenig anzufangen. Es gehört zu den witzigeren Momenten, wenn die Ganoven ihrer Konstitution Tribut zollen: Da wird der Raub unterbrochen, um einem Räuber eine Insulinspritze in den nackten Hintern zu jagen.

Wenig Esprit und viel zu viel Routine

Den letzten Job wickelt der Regisseur (Oscarsieger mit der Doku „Man on Wire“) mit wenig Esprit und viel zu viel Routine ab. Dabei ist Routine gerade das, was die Protagonisten hinter sich lassen wollen.

Ergraute Köpfe

Die hier versammelten Herrschaften hätten mehr draufgehabt, wie man beinahe im Wochenrhythmus sehen kann. Das Kino setzt verstärkt auf Senioren – und trägt dem Umstand Rechnung, dass auch das Publikum älter wird, zumindest im Arthouse-Bereich. Man mache den Test in einem x-beliebigen Programmkino: Ergraute Köpfe recken sich über die Sessellehnen.

In Göttingen im Cinemaxx.

Von Martin Schwickert und Stefan Stosch

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