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Nachrichten Kultur Regional Diese Filme laufen diese Woche an
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13:59 30.08.2017
Besessen von seiner Kunst: Auguste Rodin ist ein schwieriges Genie. Der Schauspieler Vincent Lindon stellt sein Charisma aus. Quelle: WildBunch
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Göttingen


„Magical Mystery“ – Techno feiert Auferstehung: Ein gestrandeter Mann fährt im VW-Bus zurück zu den Wurzeln: Charly Hübner geht mit seinen DJ-Kumpels auf „Magical Mystery“-Tour (Kinostart am 31. August). Der Film von Arne Feldhusen ist deutlich langsamer als Techno, erzählt dafür vieles doppelt. Sehenswert ist allerdings der Hauptdarsteller.

Manchmal bewegt sich einer nicht, aber deshalb ist er noch lange nicht tot“, sagt Hobby-Zoologe Charlie. Da hat sein Alligator aus der Starre heraus gerade ganz plötzlich nach einem Fisch geschnappt. Aber eigentlich spricht Charlie hier über sich selbst. Charlie (Charly Hübner) hat sich seit fünf Jahren nicht mehr aus seiner klar umgrenzten Welt der therapeutisch betreuten Drogen-WG rausbewegt. Ab und zu riskiert er einen heimlichen Ausflug in die Eisdiele zwei Straßen weiter, und selbst dafür muss er sich beim Plenum rechtfertigen.

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Der große Absturz am Tag der Maueröffnung

Die Regeln sind streng. Und die Angstzustände, die mit Psychopharmaka gerade so unter Kontrolle gebracht wurden, sind eine stete Bedrohung. Man kann sich kaum vorstellen, dass der schwere, große Langsamsprecher in der aufkommenden Berliner Techno-Szene einmal ein Partytiger und vielversprechender Künstler war. Mit den Drogen kam ausgerechnet am Tag der Maueröffnung der Absturz. Seitdem lebt Charlie ein Leben in der Warteschleife. Aber dann taucht Raimund (Marc Hosemann) aus dem Nichts in der Eisdiele auf.

Magical Mystery Tour Quelle: dCM

Der Kumpel aus der Techno-Szene betreibt zusammen mit Freund Ferdi (Detlev Buck) einen Club und ein Plattenlabel, mit dem sie stinkreich geworden sind. Aber all der Erfolg, das viele Geld und das „Washington-Post-mäßige“ Firmenbüro langweilen die Techno-Pioniere. Sie wollen zurück zu den Wurzeln und mit einem Kleinbus voller befreundeter DJs auf „Magical Mystery“-Tour gehen. Ihnen fehlt nur noch ein Fahrer, der keine Drogen zu sich nimmt. Und so fährt Charlie statt zur Kur in die Lüneburger Heide zu den Freunden nach Berlin.

Wiederholung als dramaturgisches Problem

Kreuz und quer kurvt die Techno-Combo durch Deutschland – von der Behinderten-Disco in Schrankenhusen-Borstel bis zum Messehallen-Rave in Essen. Pünktlich um 8 Uhr morgens zieht Charlie den Stecker, schleppt die zugedröhnte DJ-Gang aus den Clubs, bringt sie ins Tourhotel und chauffiert sie nach ein paar Stunden Schlaf zum nächsten Gig.

„Ihr seid doch so Techno-Typen. Ihr steht doch drauf, wenn sich alles wiederholt. Macht ihr einfach noch einmal Hafenrundfahrt und Fischessen“, rät eine Hamburgerin den vergnügungssüchtigen Musikern. Damit wird selbstironisch nicht nur das musikalische Sujet charakterisiert, sondern auch das dramaturgische Problem des Films benannt. In „Magical Mystery“ setzt Regisseur Arne Feldhusen („Stromberg“, „Der Tatort-Reiniger“), der hier Roman und Drehbuch von Sven Regner („Herr Lehmann“) verfilmt, auf Redundanz als Erzählprinzip. Das ist anfangs noch komisch, wenn die DJ-Bande gleich dreimal hintereinander denselben Weg zum selben China-Nudel-Laden zurücklegt, führt aber im Verlauf der Tour von Stadt zu Stadt zunehmend zu Langatmigkeit. Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass es automatisch Spaß machen muss, anderen beim Spaßhaben zuzuschauen. Das gilt in besonderem Maße, wenn Drogen zu Hilfe genommen werden.

Ein sehenswerter Film ist „Magical Mystery“ einzig und allein wegen Charly Hübner. Er ist großartig in der Rolle des Psychiatriepatienten, der sich langsam ins Leben zurücktastet. Mit fein reduzierter Mimik spielt er die medikamentös abgedämpften Emotionen seiner Figur und hält eine Begräbnisrede für ein Meerschweinchen, die einem beinahe das Herz rausreißt. Gern hätte man mehr Zeit mit diesem Charlie verbracht und die zugedröhnten Freunde ins Bett geschickt.

Von Martin Schwickert

Die Doku zur Krise: „Als Paul übers Meer kam“: Das bewegende Porträt eines Flüchtlings und seiner langen Reise nach Berlin. In dem Dokumentarfilm „Als Paul über das Meer kam“ (Kinostart am 30. August) bietet der Regisseur Jakob Preuss Einsichten in das aktuelle Flüchtlingsdrama. Was vielen nur noch ein Achselzucken wert ist, geht hier direkt unter die Haut.

Eigentlich wollte Jakob Preuss eine Reportage über Grenzschutzbehörden und Grenzkontrollen rund um Melilla drehen, der spanischen Exklave an der marokkanischen Mittelmeerküste. Doch dann lernte der Berliner Paul kennen, einen Kameruner, der in einem Camp nahe dem Grenzzaun lebte und auf eine von Schleusern organisierte Überfahrt nach Spanien wartete. Diese Begegnung hatte für beide Männer einschneidende Folgen. Gut zwei Jahre lang begleitete der Regisseur Paul mit der Kamera auf der strapaziösen Reise bis nach Berlin.

Regisseur Preuss verlässt die Rolle des Beobachters

Entstanden ist kein klassischer Dokumentarfilm. Preuss verlässt schnell die Rolle des Beobachters und greift ins Geschehen ein. Diesen Vorgang thematisiert er in seinem Film, reflektiert dabei neben seinen Beobachtungen aber auch ausdrücklich seine Ängste als Freund Pauls. So ist „Als Paul über das Meer kam“ nicht nur der gelungene Versuch, den zahllosen anonymen Migranten am Beispiel eines Einzelschicksals ein Gesicht zu geben, sondern ebenso ein interessanter Film über das dokumentarische Arbeiten.

Erstaunliche Reflektionen des eigenen Schicksals

Für einen Filmemacher ist der Kameruner ein Glücksfall: Pauls Offenheit, sein freundliches Wesen und sein Gottvertrauen sind ansteckend. Zudem verfügt Paul über die intellektuelle Fähigkeit, sein Schicksal zu reflektieren – mit erstaunlichen Ergebnissen. So entpuppt er sich als Verteidiger einer restriktiven Einwanderungspolitik der EU und nennt Argumente, die man sonst von konservativen europäischen Politikern hört. Was Preuss nicht nur überrascht, sondern auch verärgert.

Bei Ende der Dreharbeiten lebt Paul in Berlin. Er arbeitet als Altenpfleger und hofft auf seine Anerkennung als Asylsuchender. Und die wird ihm jeder Zuschauer von Herzen gönnen.

Von Ernst Corinth

„Limehouse Golem“ – Bill Nighy ermittelt in London: Juan Carlos Medina erzählt einen düsteren Krimi aus dem viktorianischen London. In „The Limehouse Golem“ (Kinostart am 31. August) macht sich Bill Nighy auf die Suche nach einem Mörder, um eine schöne Sängerin vor der Hinrichtung zu retten.

Limehouse Golem Quelle: Concorde Filmverleih GmbH

Das viktorianische London im Jahr 1880, eine Stadt der Gegensätze. Während Königin Viktoria für das Beharren auf bürgerliche Traditionen steht, hält das Volk in Londons Gassen wenig von Sittenstrenge. Im East End blüht die Prostitution, ein Sündenpfuhl von Bordellen und Opiumhöhlen. Jack the Ripper treibt sein Unwesen – und auch in Juan Carlos Medinas Thriller sorgt ein Serienkiller für Angst und Schrecken.

Ein Mörder à la Jack the Ripper geht um

Im Theaterbezirk, dem Limehouse, hinterlässt er am Tatort mit dem Blut der Opfer geschriebene Botschaften. Gleichzeitig droht der verführerischen Sängerin Lizzie (Olivia Cooke) Tod durch den Strang, soll sie doch ihren Mann vergiftet haben. Scotland-Yard-Inspektor John Kildare (Bill Nighy) will sie retten, indem er eine Verbindung zwischen dem Verblichenen und dem Mörder konstruiert.

Bis zur überraschenden Lösung des spektakulären Falls legt das auf Peter Ackroyds Roman „Der Golem von Limehouse“ basierende makabre Drama viele falsche Fährten und erzählt gefühlvoll die Saga vom naiven Mädchen, das zum Star aufstieg. Das Whodunit entpuppt sich als rätselhaftes Spiel zwischen Fantasy und Realität. Der wundervolle Bill Nighy verleiht der brüchigen Figur des Polizisten die nötige Eleganz und Melancholie. Gern taucht man mit ihm ein ins düstere London.

Von Margret Köhler

Auguste Rodin“ – Vom Ringen um die Kunst: Streifzug durchs Leben eines Bildhauers: Jacques Doillon erzählt in „Auguste Rodin“ (Kinostart am 31. August) Dramatisches aus dem Leben des Wegbereiters der modenen Skulptur. Eine längst fällige Würdigung, die allerdings nicht in allen Aspekten gelungen ist.

Auguste Rodin (Vincent Lindon) ist bereits 40, als er 1880 seinen ersten Staatsauftrag erhält. Und der hat es in sich. Das von Dantes „Göttlicher Komödie“ inspirierte „Höllentor“, vorgesehen als Bronzeportal für den Eingang zum neuen Kunstmuseum im Louvre, soll zu Rodins Hauptwerk werden. Mit einer schnellen Fertigstellung ist nicht zu rechnen. Eine Zeit rastlosen Schaffens beginnt.

Das Genie und die Frauen

Rodin arbeitet parallel auch noch an anderen Aufträgen. Zudem tritt seine Schülerin und spätere Geliebte Camille Claudel (Izïa Higelin) in sein Atelier und sein Leben, für die er seine langjährige Partnerin Rose Beuret (Séverine Caneele) nicht aufgeben will. Da bleibt privater, aber auch künstlerischer Stress kaum aus.

Auguste Rodin Quelle: WildBunch

Das Biopic von Jacques Doillon präsentiert sich als impressionistischer Streifzug durch das Leben und Wirken des Bildhauers, der als Wegbereiter der modernen Skulptur gilt. Dabei nimmt der Regisseur den Zuschauer nicht immer mit. Es ist oft schwer einzuschätzen, wie viel Zeit zwischen den einzelnen Episoden vergangen ist.

Für diesen Film ist Vorwissen von Vorteil

Manches ist ohne einschlägige Vorkenntnisse kaum einzuordnen. Häufig knetet der Meister an Tonfiguren herum und vernascht ihm Modell liegende Frauen nach Feierabend. Schwerpunkte bilden die problematische Beziehung zu seiner Muse und Kollegin Camille Claudel, die sich in seinem Schatten künstlerisch nicht wahrgenommen fühlt, sowie das von Selbstzweifeln begleitete Ringen um eine Balzac-Statue.

Immerhin gelingt es Charakterkopf Vincent Lindon („Der Wert des Menschen“), Rodin physische Präsenz zu verleihen. Auch der nicht einfache Charakter des Genies wird erkennbar. Rodin arbeitete bis zu seinem Ende am „Höllentor“. Der erste Bronzeguss aber entstand erst nach dem Tod des am 17. November 1917 gestorbenen Meisters.

Von Jörg Brandes

„Killer’s Bodyguard“ – Action in Amsterdam: Ein Personenschützer bekommt eine zweite Chance. Er soll einen Auftragsmörder lebendig beim Europäischen Gerichtshof abliefern. Regisseur Patrick Hughes macht Samuel L. Jackson und Ryan Reynolds in „Killer’s Bodyguard“ (Kinostart am 31. August) zu unfreiwilligen Buddys und brennt ein respektables Actionfeuerwerk ab.

Bodyguards haben gefälligst unfehlbar zu sein. Denn wenn sie Fehler machen, sind nicht etwa für einen Tag mal die Brötchen kleiner oder die Wurst schmeckt ein bisschen mehr nach Majoran. Sondern jemand ist tot.

Samuel L. Jackson spielt den fluchtbereiten Auftragsmörder

Der bislang brillante Personenschützer Michael Bryce (Ryan Reynolds) wird nach einem dieser schwerstwiegenden Fehler suspendiert, seine Welt bricht zusammen. Rettung respektive Rehabilitation bietet ausgerechnet sein alter Gegenspieler, der Auftragsmörder Darius Kincaid (Samuel L. Jackson). Der ist Kronzeuge im Prozess gegen einen Balkandiktator (Gary Oldman) und möchte die Reise vom Gefängnis zum Europäischen Gerichtshof in Den Haag gern überleben.

Wobei emsige Assassinen Kincaids Aussage um jeden Preis verhindern möchten.Widerwillig begleitet Bryce den Killer, der die gitterlose Risikoreise gern zur Flucht nützen würde. Um mit seiner Liebsten (Salma Hayek) zusammen zu sein.

Die Stimmung erinnert an die „Lethal Weapon“-Filmserie

Antagonisten werden hier zwangsweise zu Buddys gemacht und ab geht „Killer’s Bodyguard“, der von der Lust seiner Hauptdarsteller lebt, die Sau rauszulassen. Sprüche werden geklopft, Gegner verklopft oder Schlimmeres, dass es einen an die „Lethal Weapon“-Filme mit Mel Gibson und Danny Glover (jüngst als Fernseserie wiederbelebt) erinnert. Ist das hart? Sehr hart. Ist das witzig? Einigermaßen.

Dazu aber kommt ein Actiongewitter wie man es von den jüngeren „007“- und „Mission: Impossible“-Streifen gewohnt ist. Um Amsterdam hat man richtig Angst, Regisseur Patrick Hughes lässts richtig in den Grachten krachen.

Von Matthias Halbig

Robert De Niro als alternder Witzbold: „The Comedian“: Ein Mann, sein Publikum und die Bühne. Als früherer TV-Star Jackie Burke schwankt Robert De Niro“ in Taylor Hackfords „The Comedian“ zwischen Komik und Tragik. Was nach einem möglichen Comeback klang, wirkt ziemlich konstruiert. Und erheitert viel zu selten.

Der Mann war mal ein Gigant des Kinos, unter seinen Filmen ist Ewigliches wie Bertoluccis „1900“ und Coppolas „Der Pate 2“, zudem das Vietnamdrama „Die durch die Hölle gehen“ und die Boxertragödie „Wie ein wilder Stier“. Seit nunmehr fast 20 Jahren aber spielt Robert De Niro gefühlt überall mit, wo ein Drehbuch und eine Kamera vorhanden sind. Regisseur Taylor Hackford hat vor langer ansehnliche Filme wie die Stephen-King-Verfilmung „Dolores“ (1995) und das Ray-Charles-Biopic „Ray“ (2004) gedreht. Und nun kommt ein gemeinsames Werk: „The Comedian“, die Geschichte eines „insult comics“, eines Spaß- und Spottmachers, der von der Bühne herab sein Publikum beleidigt. Vorbild war der berühmte Don Rickles, der im April im Alter von 90 Jahren starb. Könnte was werden, denkt man sich.

Eine Geschichte der „gucken & vergessen“-Sorte

Der alternde Bühnenkomödiant und frühere TV-Star Jackie Burke (De Niro) muss nach einem Auftritt, bei dem er einen Gast verletzt hat, erst hinter Gitter, dann zum Sozialdienst in ein Obdachlosenheim. Dort trifft er die rabiate Harmony (Leslie Mann), die ihn auf die Hochzeit seiner lesbischen Nichte begleiten soll. Was im Chaos endet. Eine Geschichte der „gucken & vergessen“-Sorte, die die Rede von der Konstrukthaftigkeit heutiger Hollywoodkomödien aufs Kantigste bestätigt. De-Niro-Fans hofften - vom Titel her – zwar auf einen Nachfolger seines Scorsese-Klassikers „The King of Comedy“. Stzattdessen bekamen sie „The Comedian“, wo De Niro mit seinen Bühnenwitzen nie richtig zündet. Zielt die Story auf zweiten Künstlerfrühling ab oder auf tragisches Scheitern, fragt man sich die meiste Zeit.

The Comedian Quelle: Warner

Die Antwort gibt’s zuletzt. Bis dahin treten viele gute Leute auf: Cloris Leachman, Harvey Keitel, Danny DeVito und Billy Crystal (einer der besten Stand-up-Comedians) als er selbst. De Niro-Fans warten auf den 20. Oktober, dann kommt „Der Krieg mit Opa“ heraus. Klingt allerdings auch nicht gerade nach einem Comeback. RND

„Jugend ohne Gott“ – Horváth für Heutige: Die Elite ist degeneriert, der Leistungswahn frisst seine Kinder. Der Roman „Jugend ohne Gott“ (Kinostart am 31. August) von Ödön von Horváth wird fürs Kino in die nahe Zukunft verlegt. Regisseur Alain Gsponer findet seinen Stoff so brisant, dass er vieles gleich doppelt erzählt. Sein Ensemble aber ist fantastisch.

Betroffene könnten diese Verfilmung durchaus als Provokation auffassen, denn sie kommen ziemlich schlecht weg. Und betroffen sind alle, die sich auf dem Weg ins Erwachsensein befinden und noch ihren Platz im Leben suchen. Die Vorlage, der Roman „Jugend ohne Gott“, handelt schließlich von einer verblendeten Jugend im nationalsozialistischen Deutschland. Der österreichische Autor Ödön von Horváth erzählte 1937 von Mitläufern und Duckmäusern, von Gedanken- und Lieblosigkeit. Und nun kommen der Schweizer Regisseur Alain Gsponer („Heidi“) und seine beiden Drehbuchautoren (Alexander Buresch, Matthias Pacht) daher und verpflanzen diese Geschichte mal eben in eine nahe Zukunft, die sich schon in unserem Alltag abzuzeichnen scheint – Mikrochips unter der Haut und Minidrohnen zu Überwachungszwecken gibt es schließlich schon heute. Futuristisch sieht in diesem Film wenig aus.

Solidarisches Verhalten gibt es nur gegen Punkte

Tatsächlich bietet sich die Aktualisierung des Romans geradezu an, dieses Kino-Update erscheint logisch: Der verschlossene Zach (Jannis Niewöhner), die übereifrige Nadesch (Alicia von Rittberg), der hinterfotzige Titus (Jannik Schümann) und all die anderen Schüler ziehen ja auch nicht ins abgeschiedene Waldcamp, um Exerzieren und Schießen für den nächsten Weltkrieg zu üben, so wie sie es bei Horváth tun.

Jugend ohne Gott Quelle: Constantin Film Verleih GmbH

Sie alle sind Teilnehmer eines psychologisch ausgeklügelten Ausleseverfahrens für eine Elite-Uni. Wenn sie Flüsse überwinden oder Felsen erklimmen, dann haben sie nur ein Ziel: Sie wollen besser sein als die anderen. Solidarisches Verhalten ziehen sie nur dann in Betracht, wenn dies Punkte für die individuelle Gesamtwertung bringt. Denn Uni-Plätze sind knapp.

Die Abgehängten werden in ein Ghetto gesperrt

Das dürfte heutigen Jugendlichen womöglich bekannt vorkommen. Schließlich ähnelt ihr Alltag einem nimmer endenden Wettbewerb. Irgendein nächstes Stipendium oder ein nächstes Praktikum muss immer ergattert werden. Der Weg ins Erwachsensein gerät leicht zu einer permanenten Castingshow, bei der man sich selbst möglichst teuer verkaufen muss.

Es gibt allerdings auch jene, die sich diesem Ausleseprozess verweigern. Der sensible Zach gehört dazu. Er leidet unter dem Selbstmord seines geschäftlich erfolgreichen Vaters, über den wir im Film nichts weiter erfahren. Immer verbissener verteidigt Zach seinen jugendlichen Idealismus gegen den um sich greifenden Konkurrenzzwang. Seine Träume von einer gerechten Welt vertraut er einem Tagebuch an. Auch die weniger Perfekten sollen eine Chance haben, die Übergewichtigen oder die nicht ganz so Intelligenten. In seiner Gegenwart werden die Abgehängten in Ghetto-ähnlichen Sektoren weggesperrt.

Eine Waldfee im Zottel-Look taucht auf

Aber dann ist das Tagebuch weg, und eine besonders strebsame Mitschülerin liegt tot im Wald. Des Mordes verdächtigt wird erst Zach und dann Ewa (Emilia Schüle), eine „Illegale“, wie es hier heißt, eine Herumtreiberin, die nicht der künftigen Elite angehört. Zach ist mehrfach auf diese Waldfee im Zottel-Look gestoßen, und weil dies ein Film über und für Jugendliche ist, kommt es auch zu nächtlichem Sex im Mondenschein.

Allein Zachs Lehrer (Fahri Yardim) ahnt mehr von den Zusammenhängen. Er ist die heimliche Hauptfigur, eigentlich ein Idealist wie Zach, doch hat er beinahe schon kapituliert vor dem System. Der – namenlose – Lehrer muss für sich entscheiden, ob er sich weiter verbiegen lassen will oder doch noch den Mut aufbringt, zu seinen humanistischen Überzeugungen zu stehen. So liest sich das bei Romanautor Horváth, und so ist es auch im Film zu sehen.

Engagierte Jungschauspieler gegen Doppelgemoppel

Dramaturgisch hapert es allerdings bei der Umsetzung: Regisseur Gsponer erzählt die Ereignisse im Bergcamp gleich zweimal, zunächst mit einigen entscheidenden Auslassungen und dann noch einmal rund um die fehlenden Puzzleteile. Das soll elegant erscheinen, birgt aber keinerlei innere Notwendigkeit und bringt auch keine überraschenden Erkenntnisse. Dieses Doppelgemoppel geht klar auf Kosten der Spannung. Generall wird in diesem Film die Botschaft allzu eindeutig rübergebracht.

Sie alle sind Teilnehmer eines psychologisch ausgeklügelten Ausleseverfahrens für eine Elite-Uni. Wenn sie Flüsse überwinden oder Felsen erklimmen, dann haben sie nur ein Ziel: Sie wollen besser sein als die anderen. Solidarisches Verhalten ziehen sie nur dann in Betracht, wenn dies Punkte für die individuelle Gesamtwertung bringt. Denn Uni-Plätze sind knapp.

Die Abgehängten werden in ein Ghetto gesperrt

Das dürfte heutigen Jugendlichen womöglich bekannt vorkommen. Schließlich ähnelt ihr Alltag einem nimmer endenden Wettbewerb. Irgendein nächstes Stipendium oder ein nächstes Praktikum muss immer ergattert werden. Der Weg ins Erwachsensein gerät leicht zu einer permanenten Castingshow, bei der man sich selbst möglichst teuer verkaufen muss.

Es gibt allerdings auch jene, die sich diesem Ausleseprozess verweigern. Der sensible Zach gehört dazu. Er leidet unter dem Selbstmord seines geschäftlich erfolgreichen Vaters, über den wir im Film nichts weiter erfahren. Immer verbissener verteidigt Zach seinen jugendlichen Idealismus gegen den um sich greifenden Konkurrenzzwang. Seine Träume von einer gerechten Welt vertraut er einem Tagebuch an. Auch die weniger Perfekten sollen eine Chance haben, die Übergewichtigen oder die nicht ganz so Intelligenten. In seiner Gegenwart werden die Abgehängten in Ghetto-ähnlichen Sektoren weggesperrt.

Eine Waldfee im Zottel-Look taucht auf

Aber dann ist das Tagebuch weg, und eine besonders strebsame Mitschülerin liegt tot im Wald. Des Mordes verdächtigt wird erst Zach und dann Ewa (Emilia Schüle), eine „Illegale“, wie es hier heißt, eine Herumtreiberin, die nicht der künftigen Elite angehört. Zach ist mehrfach auf diese Waldfee im Zottel-Look gestoßen, und weil dies ein Film über und für Jugendliche ist, kommt es auch zu nächtlichem Sex im Mondenschein.

Allein Zachs Lehrer (Fahri Yardim) ahnt mehr von den Zusammenhängen. Er ist die heimliche Hauptfigur, eigentlich ein Idealist wie Zach, doch hat er beinahe schon kapituliert vor dem System. Der – namenlose – Lehrer muss für sich entscheiden, ob er sich weiter verbiegen lassen will oder doch noch den Mut aufbringt, zu seinen humanistischen Überzeugungen zu stehen. So liest sich das bei Romanautor Horváth, und so ist es auch im Film zu sehen.

Engagierte Jungschauspieler gegen Doppelgemoppel

Dramaturgisch hapert es allerdings bei der Umsetzung: Regisseur Gsponer erzählt die Ereignisse im Bergcamp gleich zweimal, zunächst mit einigen entscheidenden Auslassungen und dann noch einmal rund um die fehlenden Puzzleteile. Das soll elegant erscheinen, birgt aber keinerlei innere Notwendigkeit und bringt auch keine überraschenden Erkenntnisse. Dieses Doppelgemoppel geht klar auf Kosten der Spannung. Generall wird in diesem Film die Botschaft allzu eindeutig rübergebracht.

Von Stefan Stosch

Von RND

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