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Regional Neues Leitungsteam im Jungen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Neues Leitungsteam im Jungen Theater Göttingen
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18:47 28.07.2014
Angekommen in ihrem künftigen Haus: der künstlerische Leiter Tobias Sosinka (links) und Intendant Nico Dietrich. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Dietrich und sein Haus starten am 19., 20. und 21. September mit einem Wochenendprogramm in die Spielzeit.

Zum Auftakt legt das künftige Spitzenduo Dietrich und Sosinka selbst Hand an. Aus Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ zum Start des Ersten Weltkriegs schreiben sie eine Bühnenfassung, die Dietrich inszeniert. Der Stoff ist 2015 Abiturthema. Am Freitag, 19. September, ist Premiere. 

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Sonnabend ist das Haus dann von morgens bis abends für alle Menschen geöffnet, die dann einen Blick hinter die Kulissen werfen können. Auch alle Regieteams werden anwesend sein, kündigt Dietrich an. Mit denen können Interessierte über ihre Arbeitsansätze sprechen.

„Flügelfrauen und Flügelmänner“

Am Sonntag, 21. September, kommen die ersten „Flügelfrauen und Flügelmänner“ zum Einsatz, wie Dietrich jene Schauspieler nennt, die nicht zum Ensemble gehören, sondern als Gäste engagiert sind. Zum Auftakt hat der Intendant mit bekannten Gesichtern ein neues Modell abgesprochen.

Norman Grüß und Kathrin Müller-Grüß, bislang am Deutschen Theater, inszenieren und spielen gemeinsam „Der kleine König“ von Hedwig Munck. Die Absprache sieht vor, dass die Akteure nach einer vorher festgelegten Anzahl von Vorstellungen im JT frei über die Produktion verfügen können.

Auch eine Klassenzimmerproduktion wird es geben: „Helden wie wir“, ein halbdokumentarisches Schauspiel nach Texten von Thomas Brussig. Gastschauspieler Steffen Roll übernimmt darin zwei Rollen. Er spielt einen Stasioffizier und einen Mann, der zum Zeitpunkt des Mauerfalls elf Jahre alt war und mit seinen Eltern noch kurz vorher eine Flucht­odyssee erlebte.

Dietrich inszeniert, Premiere ist am 3. Oktober. Natürlich steht diese Produktion auch am 9. November, dem Tag der Maueröffnung auf dem Programm.

„Die Ziege oder Wer ist Sylvia“

Sosinka steigt mit den Probewochen für eine bitterböse Komödie in die künstlerische Arbeit ein. Er führt Regie bei der „Die Ziege oder Wer ist Sylvia“. Darin erzählt Altmeister Edward Albee von einem Architekten, der glücklich verheiratet ist, auch einen Sohn hat, sich dann aber in eine Ziege verliebt (Premiere: 18. Oktober).

Eine weitere Kooperation plant das JT mit dem Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Göttinger Universität. Studierende tragen Material über das Grenzdurchgangslager Friedland zusammen und entwickeln gemeinsam mit dem JT-Ensemble ein Dokumentartheaterstück. Die Produktion leite Kai Tuchmann, laut Dietrich „ein weit gereister Theatermacher“ (Premiere: 25. Oktober).

Seine eigene Inszenierung „Verrücktes Blut“, entwickelt am DT, nimmt Dietrich mit ans JT, eine weitere Kooperation. Mit wenigen Umbesetzungen kann er die Produktion wieder aufnehmen (15. November). Auch mit der Hochschule, die ihn selbst als Regisseur ausbildete, arbeitet Dietrich zusammen.

Studenten der Abteilung Puppenspiel der „Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin“ erarbeiten das Grimmsche Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ (Premiere: 21. November).

„Crash Kids“

Die letzte Produktion des Jahres geht am 5. Dezember an den Start: „Crash Kids“, ein Jugendstück von Marcus Romer, das sich zu einem wilden Road Trip mit gestohlenen Autos entwickelt. Regie führt Sebastian Stolz.

Fünf Premieren sind schließlich für 2015 geplant: Jörg Martin Wagners Uraufführung von „Forever 27 Club“, ein Musikspektakel mit Band, das sich um jene legendären Musiker dreht, die alle im Alter von 27 Jahren gestorben sind (31. Januar); die Uraufführung von „Mut“, einer Kooperation mit dem DT, inszeniert von Theo Fransz (5. März); die Komödie „Drei Mal Leben“ von Yasmina Reza, eingerichtet von Christine Hofer (13. März) und schließlich „Die Nacht dazwischen“ von Jan Neumann, wiederum inszeniert von Sosinka (24. April).

Eine knappe Million Euro hat der Intendant für die Spielzeit zur Verfügung, erklärt Geschäftsführer Ernst Gottwald. Relativ wenig Geld für den Betrieb eines professionellen Theaters, vor allem, wenn mit einem durch Ticketverkäufe eingespielten Anteil von 25 Prozent kalkuliert wird.

Dennoch will das Leitungsteam „keine neuen prekären Arbeitsverhältnisse schaffen“, erklären Dietrich und Sosinka, weder für Praktikanten noch für Schauspieler. Die alten wie die neuen Schauspieler werden das gerne hören. Mit Agnes Giese und Jan Reinartz bleiben zwei der Schauspieler im Ensemble, vier neue kommen hinzu: Ali Berber, Linda Elsner, Eva Anastasia Marie-Theres Schröer und Karsten Zinser.