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Neujahrskonzert des Göttinger Symphonie Orchesters: Musik aus der guten alten Zeit 

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13:22 09.01.2022
Am 8. Januar wurde das abgesagte GSO-Silvesterkonzert in der Lokhalle 3 unter der Leitung des früheren GSO-Chefdirigenten Christian Simonis als Neujahrskonzert nachgeholt.
Am 8. Januar wurde das abgesagte GSO-Silvesterkonzert in der Lokhalle 3 unter der Leitung des früheren GSO-Chefdirigenten Christian Simonis als Neujahrskonzert nachgeholt. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Vor einem Jahr hatte die Pandemie das Neujahrskonzert des Göttinger Symphonie-Orchesters geschluckt. Doch 2022 konnte es stattfinden, wenn auch mit acht Tagen Verspätung. Die Leitung hatte der frühere GSO-Chefdirigent Christian Simonis, der 1998 die Tradition der GSO-Neujahrskonzerte eingeführt hat.

Johann Strauß war im Programm nur zweimal vertreten, nämlich mit den „Rosen aus dem Süden“ des Sohnes und dem „Cachucha Galopp“ des Vaters. Ansonsten schmeichelten die weiteren Mitglieder der Strauß-Familie – Josef und Eduard – sowie viele andere, vor allem Wiener Komponisten dieses Genres den Ohren der Zuhörerinnen und Zuhörer im abstandsgerecht vollbesetzten Saal. Den Einstand gab Oscar Straus mit seiner Ouvertüre zur Operette „Ein Walzertraum“, komplettiert durch zwei weitere Operettenouvertüren von Franz von Suppè („Banditenstreiche“ mit klangschönem Cello-Solo) und Emmerich Kálmán („Gräfin Mariza“).

Ein bisserl mehr Zeit

Fröhlich klingelte Richard Eilenbergs „Petersburger Schlittenfahrt“, zart zupften die Streicher im Pizzicato-Walzer von Carl Millöcker. Und glanzvoll klang der Abend aus mit Franz Lehárs schwungvoll-elegantem Walzer „Gold und Silber“.

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Der gebürtige Wiener Simonis kennt sich in diesem Repertoire bestens aus, weiß genau, wo man dem Tempo ein wenig Einhalt gebieten sollte, wo ein kleines Luftloch hinpasst und wann es an der Zeit ist, die Zügel anzuziehen und in frischem Tempo zum Schlussakkord zu eilen. Er weiß aber auch, welchen Reiz die zarten, gemütvollen Klänge dieser Musik besitzen, wenn sie halt ein bisserl mehr Zeit zur Entfaltung bekommen. So waren seine Tempi keinesfalls rasant oder auf Effekt bedacht, sondern schienen von nostalgischen Gedanken an die gute alte Zeit geprägt.

Sanfter Glanz

Das ist sicher ein Wiener Charakterzug – und auch die Eigenart des Dirigenten, eher auf das gelöste, selbstverständliche Strömen der Musik als auf konturenscharfe Genauigkeit Wert zu legen. Dieses Neujahrskonzert verströmte eine heiter-freundliche Stimmung, die Musik hatte etwas vom sanften Glanz des Kerzenlichts. Die präzise musizierenden Instrumentalisten des GSO folgten ihrem Dirigenten mit großer Konzentration und viel Engagement.

In seiner Moderation bot Simonis manch überraschenden Einblick in die Welt der Wiener Musik, machte historische Zusammenhänge deutlich und zeigte sich dabei als profunder Kenner der Materie. Ihm ging es nicht um den Effekt von Pointen, sondern um unterhaltsame Information.

Zum Schluss bedankte sich GSO-Chefdirigent Nicholas Milton herzlich bei seinem Vorgänger für den Abend, den er „zauberhaft“ nannte, und gab den Startschuss für die drei Zugaben: die „Feuerfest“-Polka von Josef Strauß, den „Narrengalopp“ von Joseph Gung’l und, wie es nun mal sein muss, den Radetzkymarsch mit Mitklatschen. Den Gung’l-Galopp hat Simonis übrigens in der Bayerischen Staatsbibliothek entdeckt und mit den Reichenhaller Philharmonikern auf CD eingespielt.

Von Michael Schäfer