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Regional Niedersächsische Musiktage: Akkordeonist Richard Galliano
Nachrichten Kultur Regional Niedersächsische Musiktage: Akkordeonist Richard Galliano
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17:43 22.09.2013
Tanzende Finger auf perlmuttfarbenen Knöpfen: der Akkordeonist Richard Galliano. Quelle: Pförtner
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Nörten-Hardenberg

Leichter, luftiger als die Musik zu „La Strada“ ist der zweite Teil des Konzerts „Fellini und Rota – eine Künstlerfreundschaft“. Im Rahmen der Niedersächsischen Musiktage stand der Jazz-Akkordeonist Richard Galliano mit dem Trompeter Nicolas Folmer dem Klarinettisten Mauro Negri, Sylvain Le Provost am Kontrabass und Schlagzeuger Mattia Barbieri auf der Bühne – im Atrium auf dem Gräflichen Landsitz Hardenberg.

Sie spielten eine Auswahl von Nino Rotas Kompositionen zu Fellini-Filmen. So wie Gallianos Finger auf den perlmuttfarbenen Knöpfen des chromatischen Akkordeons tanzten, hätte der volle Saal tosen müssen. Doch die Zuhörer bremsten ihre Emotionen. Fast schon im Widerspruch zum Rausch der Klänge stand die Caféhaus-Atmosphäre. Rar blieben die Bravo-Rufe.

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Bei den Prügeleien sitzt jeder Ton

Dabei mangelte es nicht an Gelegenheiten. Faszinierend erzählend ist Rotas Musik zu Fellinis Film „La Strada“, wunderbar ausdrucksstark setzt die Gruppe um Galliano sie am Abend zu den gezeigten Filmszenen um. Mit seinen Tremolos bringt Galliano fast die Welt zum Erzittern.

Wenn der Wind aus dem Balg seines Akkordeons bläst, ist es, als zöge ein Sturm über die Bühne. Die Musiker spielen „Essen und Trinken“, sie begleiten den Zampano beim Zirkus auf der Straße, der Trompeter Nicolas Folmer bringt mit den Bildern Gelsominas Trompete zum Klingen.

Bei den Prügeleien sitzt jeder Ton. Komplett ist die Verzweiflung in der Musik, als der Zampano von Gelsominas Tod erfährt.

Eine Art Rausch

Rotas Musik wird zu Bildern, die Bilder werden zu Musik. Mit den Klängen entsteht eine ganze Gefühlswelt, die sich in Gallianos Mimik, in seinem ganzen Körper widerspiegeln. 

Da wird es ein Leichtes, sich vorzustellen, wie Rota seine musikalischen Ideen im Zug vom Konservatorium in Bari nach Rom zu den Filmstudios hatte. Er habe sie aus dem Lärm des Volkes, der Händler und Studenten herausgehört, wurde erzählt.

„Du konntest seine Kreativität so intensiv spüren, dass sie dich in eine Art Rausch versetzte und du zuletzt das Gefühl hattest, du selbst machst die Musik“, beschrieb Rotas Freund Fellini. Dieser Rausch war auch im Atrium zu spüren.

Von Ute Lawrenz