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Regional Niedersächsischer Filmpreis für Göttinger Jugendliche
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17:57 23.11.2010
Beim Dreh des Metal-Videos: Jasper Linke.
Beim Dreh des Metal-Videos: Jasper Linke. Quelle: Christian Reinhard
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„Das Haus im Wald“ heißt der Film, den die beiden für die Debütsingle der ebenfalls aus Göttingen stammenden Metal-Band Pellagra drehten. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass der Wettbewerbsbeitrag „alle notwendigen und dabei genretypischen Register der Filmgestaltung zieht“. Weiterhin hob das Gremium die rhythmischen Schnittfolgen, den durchdachten Einsatz von Licht und Schatten sowie die geschickte Kameraführung hervor, „die den Spannungsbogen bis zum Schluss hält“. Auf den Inhalt geht die Jury nicht ein.

Das Lied handelt von einem Massenmörder. Nachdem er sein letztes Opfer in einer Gewaltorgie erstochen hat, bedrängt eine lynchbereite Menge sein Haus. Der Mann nimmt sich das Leben – „der Schuss reißt den Kopf entzwei“, heißt es in dem Lied. Der Text gehe auf eine schulische Facharbeit von Sänger Florian Linthe zurück, erklärt die Band. Pellagra übrigens ist der Name einer Erkrankung, die durch einen Mangel des Vitamins Niacin verursacht wird. Die Folgen sind Juckreiz, Entzündung der Schleimhäute des Verdauungstraktes bis hin zu einer Schädigung des zentralen Nervensystems. Das Werk eines weiteren Göttingers bedachte die Jury mit einer „lobenden Erwähnung“: Nikolas Schwenk, Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums. Er habe in „Playground Story“ einen „simplen Inhalt handwerklich gut dargestellt“, urteilte das Gremium. Die Szene beschreibe einen alltäglichen Konflikt, bei dem sich die Zuschauer angesprochen fühlten.

Von Peter Krüger-Lenz

Kommentar von Peter Krüger-Lenz

Ist doch schön, wenn Jugendliche sich mit etwas Vernünftigem beschäftigen. Ein Bandprojekt zu starten oder einen Film zu drehen, eignen sich doch prächtig, dem Leben eines Heranwachsenden Sinn zu verleihen. Und wenn die Band in ihrem Profil ­Death-Metal als einen musikalischen Einfluss nennt, dann sind die Liedtexte eben düster, die Posen wilder, das Video zum Lied blutiger. Echte Rock’n’Roller posen herum und neigen zum Tabubruch – nicht so schön für die Eltern. Aber meist ist die Show ja durchschaubar und eher unfreiwillig komisch. Dass allerdings eine ernsthafte Jury ein solches Mord- und Totschlag-Video – ohne auf den Inhalt einzugehen – mit einem Landespreis für filmende Jugendliche auch noch würdigt, ist dann doch ausgesprochen fragwürdig. pek