Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Niemandsland der Gefühle
Nachrichten Kultur Regional Niemandsland der Gefühle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:10 28.07.2016
Von Udo Hinz
Antonín Dvořák
Antonín Dvořák Quelle: Antonín Dvořák
Anzeige
Göttingen

Mit Antonín Dvořáks Klaviertrio f-Moll haben sich Violinist David Marquard, sein Bruder Janis Marquard am Cello und der Pianist Julius Asal eines der bedeutendsten Werke für diese Besetzung aber auch eines der Meisterwerke des Komponisten ausgesucht. Das viersätzige Werk schwankt zwischen düsterer Verzweiflung und erhebender Strahlkraft.

Die Musiker gehen das Werk von Anfang an frisch und energiegeladen an: Dramatisch steigern sie aufwühlende Passagen, verzaubern mit Lyrismen und bewegen sich in der zerbrechlichen Atmosphäre zwischen Dur und Moll. Sie meistern den großen emotionalen Spannungsbogen des 40-minütigen Werkes. Dadurch, dass der historische Steinweg-Flügel von 1898 vergleichsweise leise klingt, sind die Streicher sehr präsent.

Die Musiker spielen virtuos, präzise und in ihren Solopassagen mit erstaunlicher Gefühlstiefe. Als Trio agieren sie als verschmolzene Einheit – insbesondere bei den gemeinsamen temperamentvollen Ausbrüchen. Das 2012 gegründete Ensemble positioniert sich bereits als kommendes Spitzen-Klaviertrio.

Mit Robert Schumanns Klaviertrio d-Moll – seinem bedeutendsten Klaviertrio – interpretiert das Trio nach der Pause ein weiteres Werk zwischen Leidenschaft und Verzweiflung. Die vier Sätze wandeln sich von rasantem, aufwühlendem Spiel hin zu strahlenden  Träumereien. Dabei verleihen die Musiker dem Werk mit ihrem lustvollen Spiel etwas zeitlos Modernes.

Die Zuhörer bedanken sich mit stürmischem Applaus für ein furioses Konzert. Dafür erhalten sie als Zugabe den zweiten Satz aus Dvořáks experimentellem Dumky-Trio – ebenfalls schwermütig bis schwärmerische Musik aus einem Niemandsland der Gefühle.