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Regional Nur „nicht schüchtern“ in den Bewegungen
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18:38 16.09.2011
Von Christiane Böhm
Mit Dirigent geht es besser: Der musikalische Leiter Albrecht Ziepert (vorn) gibt die Einsätze. Quelle: Hinzmann
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Er zeigt den Dirigenten, der mit seinem Orchester im Hintergrund der Bühne spielt. Probezeit im Deutschen Theater (DT). In gut einer Woche, am 24. September, hat die „West Side Story“ im Göttinger Haus Premiere. In den Proben wird jetzt zusammengeführt, was Tänzer und Schauspieler bislang getrennt einstudiert haben.

Eine außergewöhnliche Produktion für das DT: Mit einem großen Ensemble aus jungen Schauspielern, Profitänzern und jugendlichen Göttinger Tänzern kommt Bernsteins Musical auf die Bühne. Mit dabei unter anderem Dinah Faull-Steen und Hannah Semm vom Tuspo Weende (Jazz-Dance), Johny Pham, Hip Hop-Tänzer der Göttinger Dance Company, Dario Gödecke und Olena Steshenko vom TSC im ASC und die 15-jährige Deutsche Meisterin im Hip Hop, Michèle Müller (GDC). Durch die Zusammenarbeit von Profis und Laien – Laien passe eigentlich nicht, „die können schließlich alle was“ – habe sich ein Produktionsklima ergeben, „das wir sonst nie haben“, schwärmt Intendant Mark Zurmühle, der die „West Side Story“ inszeniert.

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Die Szene wird noch einmal durchgespielt, nun aber mit dem musikalischen Leiter Albrecht Ziepert am Bühnenrand. Zu diesem Probenzeitpunkt ist er dann doch da vorn gefragt. Schließlich gibt es noch genug anderes, auf das die Truppe achten muss. „Shark Ladies“, ruft der Choreograph Ayman Harper. Die haben gerade nicht so recht zugehört, sind aber ganz fix wieder bei der Sache. „Circle the other way“, wünscht Harper, wenn die Frauen in dieser Szene auf die Bühne kommen. Zuerst in Richtung Publikum soll es gehen. Und bei den Herren fehlt noch Bewegung. „A little more with the body“, nur „nicht schüchtern“. Zwischen Englisch und Deutsch geht es hin und her. Als es dann „noch mal“ heißt, entschlüpft einer jungen Darstellerin ein leicht genervtes „again?“.

Seit etwa sechs Wochen wird geprobt. Viele Nachmittage verbringen die Jugendlichen hier mit den Profis. Erst in der nächsten Woche werden sie von der Schule freigestellt. Auch für Choreograph Harper, der Stücke für das Nederlands Dans Theatre und die Hubbard Street Dance Chicago choreografiert hat, war das manchmal schwierig: „Wir mussten lernen, damit umzugehen, dass immer einer nicht da war.“ Aber die Arbeit mit so einem bunt gemischten Ensemble sei toll, so Harper. Die Profis haben den Göttinger Schülern und Tänzern viel geholfen. In der vergangenen Woche aber habe es einen spannenden Wechsel gegeben. Es komme der Punkt, „da möchten sie sich nicht mehr helfen lassen, da fühlen sie, sie haben es kapiert.“ Es wachse das Selbstbewusstsein. Und dann sei auch für ihn der Punkt gekommen, wo er sich zurücknehmen müsse.

Es gibt auch so noch genug zu feilen. Einsatz, Tanz, Ausdruck. Und so viele Details. „Wir müssen immer sehr weit raus, damit wir nicht gesehen werden“, wenn es dann an anderer Stelle wieder auf die Bühne geht, „kommen wir immer zu spät“, erklärt Michael Meichßner, der den Riff spielt. „Ok, da finden wir einen besseren Weg“, Zurmühle ist sich sicher. „Ich fühl mich hier so statisch, soll ich mich nicht mehr bewegen?“, will Wojo van Brouwer (Tony) wissen. „Nein, um dich herum ist schon genug los.“ „Tonight...“ klingt es leise aus einer anderen Ecke der Bühne. Noch ein bisschen üben, bevor die Szene dann zum dritten Mal durchgespielt wird. Heute Abend gibt es die erste Probe mit Kostümen und Licht. Eine schöne Aussicht nach so viel harter Arbeit.