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Regional Öffentliche Probe des Club Göttingen am Jungen Theater in Göttingen
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18:00 05.05.2019
Hält Ausschau nach dem Mann im Mond: „Vater“ Dietmar Schmitz. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Eine Gruppe von Künstlern hat vor einigen Jahren auf der Biennale Fragen gesammelt. Daraus ist laut Dramaturg Christian Vilmar ein Buch entstanden, aus dem nun die Teilnehmer des Club Göttingen ihre Fragen zum Thema „Sucht mich das Glück am falschen Ort?“ wählen konnten. Dazu entwarfen sie in einer Art Selbstrecherche eigene Texte und Choreografien zu jeweils drei Szenen.

Seit Oktober wird geprobt. Einige der Teilnehmer stehen zum ersten Mal auf der Bühne, andere haben schon Erfahrungen in ähnlichen Projekten gewonnen. Im ersten Teil werden in Monologen Räume im ganzen Otfried-Müller-Haus bespielt. So wolle man den Besuchern vor der anstehenden Sanierung des Hauses noch mal die Möglichkeit geben, Orte des Theaters kennenzulernen, die ihnen sonst nicht zugänglich sind, so Vilmar.

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Wechselnde Spielorte

„Worüber haben wir uns eigentlich früher Sorgen gemacht, wo sind wir hier und wie können wir die Leere mit neuen Geschichten füllen?“ Erste Fragen werden schon im Foyer des Theaters aufgeworfen, bevor die Zuschauer, in drei Gruppen aufgeteilt, an die wechselnden Spielorte geführt werden.

Es geht hinauf in den Probenraum des JT. Dort macht sich eine Kellnerin, gespielt von Sheila Floer, Gedanken über ihren Beruf, in dem sie immer freundlich sein muss. Eine Dame (Gudrun Voss) ist wütend auf den Kerl, der immer zu spät kommt, und über die Waschmaschine, die nicht funktioniert. Aber eigentlich sei sie ein friedlicher Mensch. Ein syrischer Flüchtling (Homam Zarkan Alfarkh) kommt durch ein Fenster herein und zitiert auf Arabisch ein Gedicht über Frauen und Alkohol.

Personen ohne Namen

Szenenwechsel ins Treppenhaus. Es geht um das Verlassen. Ein Mann (Dietmar Schmitz), fragt sich immer wieder, warum sie nicht anruft? Auf einem Balkon sinniert eine Frau (Caro Frank) über die Verletzbarkeit von Bäumen. Und ein Golfer (Arne Sailer), der mitten im Spiel von seiner Mutter angerufen wird, muss sich deren unangenehmen Fragen stellen. Die Personen tragen keine Namen.

In einem tristen, klaustrophobisch anmutenden Kellerraum macht sich eine Frau (Christel Hühne) Gedanken über ihre Schönheit und stellt sich die Frage, ob man heute noch bei einem fremden Menschen in einer Höhle wohnen könnte. Ein Mann (Winfried Binder) sucht an einer scheinbar endlosen Wand vergeblich nach einem Ausweg.

Das Stück braucht Aufmerksamkeit

Von den Besuchern wird wegen der sehr intensiven Textdichte durchweg große Aufmerksamkeit gefordert. Eine weitere Station führt nach draußen, wo einzelne Protagonisten durch sich öffnende Fluchttüren in Erscheinung treten, während im Eingangsbereich eine junge Obdachlose (Laura Kohlhoff) sich die Frage stellt, ob wohl auch sie das Glück finden kann.

Zu dem Volkslied „Üb immer Treu und Redlichkeit“ findet sich im zweiten Teil das gesamte Ensemble im Theatersaal zusammen. Führe ich ein modernes Leben? Muss man Dinge nüchtern betrachten? War es falsch von zu Hause wegzulaufen? Was ist, wenn man sich pausenlos die Wahrheit sagt? Wechselweise getragen von Zweifeln, Verführbarkeit, Willensstärke, Wünschen, Absurditäten oder Träumen versuchen sie, mit offensichtlichem Spaß an der Improvisation paarweise in emotionalen Dialogen Antworten zu finden. Dabei zeigen die Teilnehmenden beeindruckende schauspielerische Leistungen.

Info

Nach der Premiere am Sonntag, 5. Mai, um 20 Uhr gibt es zwei weitere Vorstellungen am Montag, 6., und Dienstag, 7. Mai, ebenfalls jeweils um 20 Uhr im Jungen Theater, Hospitalstraße 6, in Göttingen.

Von Jörg Linnhoff