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Regional „Oil on Water“: Helon Habila im Literarischen Zentrum Göttingen
Nachrichten Kultur Regional „Oil on Water“: Helon Habila im Literarischen Zentrum Göttingen
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18:18 18.09.2013
Vielfach ausgezeichneter Schriftsteller: Helon Habila im Literarischen Zentrum. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

„Oil on Water“, so der Originaltitel, ist der erste von Habilas Romanen, der ins Deutsche übersetzt wurde. Vier Werke hat er bisher veröffentlicht (zwei Kurzgeschichten, zwei Romane), jedes wurde ausgezeichnet. Und nach Veröffentlichung des jüngsten Romans in Deutschland überhäuften auch die hiesigen Kritiker den 1967 geborenen Autor und Literaturdozenten mit Lob.

Habila, ein ruhiger, wacher Mann mit legerem Jackett, verschmitztem Lächeln, klugen Augen, kleinem Bart, klärt im Literarischen Zentrum eines gleich zu Beginn: Ein Krimi – das sei sein Roman nur der Struktur nach. Ihm gehe es darum, Leser zum Nachdenken zu bringen.

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Die Frau eines Mitarbeiters in einem Ölunternehmen, das in Nigeria bohrt, wird entführt, zwei Journalisten machen sich auf den Weg, um nach ihr zu suchen.

Wahre Begebenheiten

Die Entführer, eine Gruppe Rebellen, fordern Lösegeld, vor allem aber Aufmerksamkeit für das, was in Nigeria passiert: dafür, dass ausländische Unternehmer ihr Land ausbeuten, dass sie das Leben der Bauern und Fischer zerstören, weil das Öl die Flüsse vergiftet und die Menschen krank macht.

Der Handlung rund um die Rebellengruppe liegen wahre Begebenheiten zugrunde, erzählt Habila. Man habe ihn gebeten, über die Vorfälle ein Filmskript zu schreiben. Aber Habilas Version gefiel den Auftraggebern nicht.

Er schrieb am Ende einen düsteren, beklemmenden Roman. Bilder des Todes und der Dunkelheit durchziehen das Buch. Und die Orientierung – in der Zeit, im Raum – wird dem Leser erschwert. „Bewusst?“, fragt Moderatorin Antje te Brake aus Frankfurt am Main. Habila bejaht.

Erschöpft, aber dankbar

Die Besucher – knapp 30 sind es – bekommen fünf Passagen zu hören, mal liest Habila aus der englischen Originalfassung, mal stellt sich Benjamin Krüger, Schauspieler am Deutschen Theater Göttingen, mit der Übersetzung hinters Lesepult.

Und immer sind es Momente, in denen das Publikum ganz ruhig wird und jeder den Atem anzuhalten scheint. Der Klang ist im Englischen wie im Deutschen intensiv, die Bildsprache dicht gewebt. „Heart of Darkness“ (Herz der Finsternis), den bekanntesten Roman von Joseph Conrad, spricht an diesem Abend niemand an.

Vielleicht weil es zu offensichtlich ist, dass Habila in vielfacher Hinsicht an das Werk des Briten anknüpft. Am Ende des eineinhalbstündigen Abends wirken alle ein wenig erschöpft, aber dankbar.

Von Telse Wenzel