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Regional „Gewitter, 23 Grad“
Nachrichten Kultur Regional „Gewitter, 23 Grad“
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00:17 29.07.2016
Das Buchcover zu "Berlin 1936. Sechzehn Tage im August."
Das Buchcover zu "Berlin 1936. Sechzehn Tage im August." Quelle: R
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Göttingen

Und in den Tagesmeldungen der Staatspolizeistelle Berlin war am 9. August 1936 zu lesen: „In den Ausstellungshallen am Kaiserdamm wurden verschiedene Aborttüren mit staatsfeindlichen Aufschriften über die Rassenfrage beschmiert.“ Der Reichswetterdienst kündigt „schwache Winde wechselnder Richtung“ an. Und: „Vereinzelte Gewitter, 23 Grad.“

Übers Wetter und über Polizeimeldungen lässt sich Geschichte nacherzählen, lässt sich eine fremde Zeit anschaulich machen. Der Historiker Oliver Hilmes unternimmt das in seinem Buch „Berlin 1936“. Er hat sich die 16 Tage der Olympischen Spiele in Berlin vorgenommen. Er schreibt über sportliche Leistungen, über die Fassade der Freundlichkeit, die die Nationalsozialisten aufbauen, und über kleine Tragödien, in denen sich die große Tragödie schon andeutet - der Barbesitzer, der die Flucht vorbereitet, der Transvestit, der im Verborgenen lebt und einsam stirbt, die Häftlinge, die bei Oranienburg ein Waldgebiet roden, Straßen anlegen und Wachtürme bauen - denn hier wird das Konzentrationslager Sachsenhausen entstehen.

Das Buch:

Oliver Hilmes: „Berlin 1936. Sechzehn Tage im August“. Siedler, 19,99 Euro, 304 Seiten.

Das geschieht im Verborgenen. Vor der Welt geben sich die Nationalsozialisten freundlich und offen. Die Olympischen Spiele 1936 sind ein großer Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit. Hilmes arbeitet das Porträt einer Diktatur im Pausenmodus sehr gut heraus. Spannend aber wird seine Beschreibung der Zeit durch die vielen O-Töne aus dem Alltagsleben, durch die Schilderungen der Bars und Kneipen im vergnügungssüchtigen Berlin von damals.

Das Buch ist wie eine Zeitmaschine. Oliver Hilmes schafft es, den Leser in eine fremde Zeit eintauchen zu lassen. Manchmal aber weiß man gar nicht so recht, ob das wirklich so gut ist. Dann wirkt sein buntes Panorama eines Sommers wie eine Besichtigung einer Zeit, die man doch eigentlich vielmehr verstehen müsste. rom