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Regional Oliver Steller als alter Hexenmeister
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16:05 20.03.2012
Oliver Steller
Oliver Steller Quelle: Pförtner
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Göttingen

Von der Weimarer Klassik bis in die Gegenwart; von Goethe über Tucholsky bis hin zu Peter Maiwald; romantisch, sozialkritisch oder amüsant – die Bandbreite der Verse ist groß. Besonders angetan haben es Steller – der sein zehnjähriges Rezitator-Jubiläum feiert – bei diesem Programm aber die humoristischen Gedichte, die das gemischte Publikum zum Lachen bringen, etwa von Christian Morgenstern oder Wilhelm Busch.

Auch bei Goethes „Zauberlehrling“ beweist er schauspielerische Ansätze. Auf einem Stuhl sitzend gestikuliert er wild mit den Händen in der Luft, um den fiktiven Besen zu dirigieren, und verstellt seine Stimme vom verängstigten Lehrling zum alten Hexenmeister.
Auch die Liebe darf an diesem Abend nicht zu kurz kommen. Ob Erich Frieds „Was es ist“, das Steller sanft zu seinem Gitarrenspiel ins Mikrofon haucht oder „Ein alter Tibetteppich“ von Else Lasker-Schüler, das diese Gottfried Benn widmete und das der Rezitator zum besseren Verständnis gleich zweimal vorträgt.

Außerordentlich ergreifend und zur Abwechslung auch sehr ernst ist hingegen seine Interpretation des Chanson-Gedichts „Der Graben“ (1926) von Kurt Tucholsky, das den Ersten Weltkrieg thematisiert. Zu ruhigen Gitarrenklängen singt Steller: „Mutter, wozu hast du deinen aufgezogen? Hast dich zwanzig Jahr mit ihm gequält? Wozu ist er dir in deinen Arm geflogen, und du hast ihm leise was erzählt? Bis sie ihn dir weggenommen haben. Für den Graben, Mutter, für den Graben.“ Das Publikum lauscht gebannt seiner warmen Stimme.

Oliver Steller wird mit viel Applaus belohnt. Er verspricht, auch zukünftig gern wieder nach Göttingen zu kommen.

Von Noreen Hirschfeld