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Regional Orffs „Carmina Burana“ mit dem Göttinger Universitätschor
Nachrichten Kultur Regional Orffs „Carmina Burana“ mit dem Göttinger Universitätschor
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11:53 29.07.2014
Stampfende Rhythmen und kultische Klänge: Göttinger Universitätschor singt „Carmina Burana“. Quelle: Heller
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Göttingen

Ein Phänomen? Der Göttinger Universitätschor machte unter Leitung von Ingolf Helm deutlich, warum das Werk bis heute zu den Klassikern der Moderne zählt.

Man tut den Gesängen kein Unrecht, wenn man sie als schmucklos, ja schlicht bezeichnet. Die Kargheit ist bei Orff Programm: Jenseits des überfeinerten Sensualismus eines Richard Strauss und der Zwölftonmusik Arnold Schönbergs findet der Komponist eine Klangsprache, die auf Reduktion basiert, auf starker Rhythmik und diatonischer Melodieführung.

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Seine Musik spricht den Hörer unmittelbar an, ohne Umwege über den Intellekt. So riss am Sonntag gleich der Eröffnungschor „O Fortuna“ die Besucher in der voll besetzten Aula der Universität in einen wirbelnden Strudel aus stampfenden Rhythmen und kultischen Klängen hinein.

Ingolf Helm führte den aus rund hundert Sängern bestehenden Chor der Universität sowie die sieben Instrumentalisten souverän durch die 25 Nummern des Werks. Im Interesse der Deutlichkeit setzte er auf gemäßigte Tempi, achtete auf korrekte Aussprache des Latein und Mittelhochdeutsch und auf exaktes Timing.

So machte der Chor in den heiteren Frühlingsgesängen wie auch in den derben Saufliedern eine hervorragende Figur. Die drei Gesangssolisten taten es ihm nach, wobei Theresa Sommer mit ihrem warmen, dunkel abgetönten Sopran in den Liebesliedern für besonders schöne lyrische Momente sorgte.

In geschmeidigen vokalen Linien weckte Bariton Daniel Schäfer Frühlingsgefühle und überzeugte als bigotter Abt „von den Saufbrüdern“. Tenor Friedrich von Mansberg schließlich zeigte als am Bratspieß und im Falsett sterbender Schwan beispielhaft den mitunter beißenden Sarkasmus der Lieder.

Aufgeführt wurde die Version für zwei Klaviere anstelle des Orchesters – eine sinnvolle Entscheidung angesichts der Akustik des Saals. Die Pianisten Valentin Blomer und Michael Schäfer unterstrichen die perkussive Struktur des Werks, legten überdies im einzigen instrumentalen Satz einen bezaubernden, federnden „Tanz“ hin.

Einen großen Anteil an der treibenden Motorik hatte schließlich auch die von Bernd Nawothnig angeführte Rhythmusgruppe. Mit Pauken, Trommeln, Glockenspiel, Triangel, Tamtam und vielen anderen Instrumenten sorgten sie für fulminante Steigerungen und ein Klangbild von archaischer Wucht. Für den begeisterten, tosenden Schlussapplaus erhob sich das Publikum von den Stühlen.

Von Matthias Körber