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Regional „Othello“ bei den Gandersheimer Domfestspielen
Nachrichten Kultur Regional „Othello“ bei den Gandersheimer Domfestspielen
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12:51 26.06.2013
Von Angela Brünjes
Der Liebling des Generals ist ein Meister der Intrige: Othello (Gunter Heun) mit Jago (Mario Gremlich).
Der Liebling des Generals ist ein Meister der Intrige: Othello (Gunter Heun) mit Jago (Mario Gremlich). Quelle: Hillebrecht
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Bad Gandersheim

Der Rachefeldzug des intriganten Jago ist in dieser Inszenierung erfolgreich wie immer. Sie versucht aber auch,  die Eiseskälte politischer Entscheidungen damals wie heute ins Blickfeld zu rücken.   

Kein Zweifel

Keiner hegt Zweifel gegen Jago. Er ist hilfsbereit und jovial. Aber der gute Mann ist böse. Mario Gremlich überzeugt als zweigesichtiger Fähnrich, der sich skrupellos und brutal für seine Nicht-Beförderung rächt.  Dass er mit seinen Kameraden im Kriegsdienst über Leichen geht, ist kein Geheimnis.

Deshalb ist General Othello mit seiner Einheit nach Zypern geschickt worden. Der Doge von Venedig (Christine Dorner) und die Senatoren haben kurzerhand entschieden, dass die Frauen auch in den Krieg ziehen. Das Lamento von Desdemonas Vater Brabantio (Andreas Thorwesten), der die heimliche Hochzeit seiner Tochter mit dem fremden und nicht standesgemäßen Othello beklagt, interessiert nicht, wenn Zypern verteidigt werden muss. In der Politik wie im dienstlichen Abhängigkeitsverhältnis sind Interessenkonflikte zu klären.

Schlichte Bühne

Die Bühne vor dem Domportal hat Cornelia Brey schlicht wie einen Kasernenhof gestaltet. Einfache Requisiten unterstreichen die Kargheit des Soldatenlebens. Ein schwarzes Bassin mit niedrigem Wasserspiegel ist multifunktional mal das Mittelmeer, mal das Liebesnest. Nur die Gemächer von Desdemona scheinen mehr zu bieten, sind aber von nur leicht transparenten Trennwänden verborgen.

Mit Resten von Tarnfarbe im Gesicht

Dort ist Othello zufrieden. Dem Krieg ist er entkommen, aber dem Ränkespiel seines Untergebenen nicht. Gunter Heun beginnt das Spiel als Othello in Soldatenuniform und mit Resten von Tarnfarbe im Gesicht mit  jungenhafter Verliebtheit: Er herzt seine Desdemona, genießt die Zeit ohne Kampfhandlungen bis die Eifersucht ihn rasend macht.  Er wird zum mordenden Ungeheuer, ohne seiner Ehefrau eine Chance zur Erklärung zu geben.

Während Gremlich mit starker Präsenz den Jago durchgehend intrigant geben kann, muss Heun sich wandeln. Der selbstbewusste Krieger wird zum  leichtgläubigen Gefolgsmann von Jago; nun ist Othello der Befehlsempfänger. Und der kennt nur die Mittel des Krieges.

Aufs Wesentliche reduziert

Desdemona (verzweifelt liebend: Lea Willkowsky) nimmt die Kriegserklärung an: beide in Uniform, beide bewaffnet. Dort, wo einst das Liebesnest war, wird Desdemona von Othello  erwürgt. Festspielintendant Christian Doll hat als Regisseur das Trauerspiel aufs Wesentliche reduziert. So betont er die Rach und Eifersucht, die auf den verschiedenen Ebenen von Politik, Krieg und Zweierbeziehung immer gleich wirken – vernichtend. Diese Othello-Inszenierung und deren Darsteller haben das Publikum bei der nicht ausverkauften Premiere überzeugt.

Vorstellungen von „Othello“ bis zum 3. August bei den Gandersheimer Domfestspielen (gandersheimer-domfestspiele.de). Kartentelefon 05382/73-777.