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Regional Verleger Steidl blickt in die Zukunft
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13:52 20.10.2019
Begehbares Buch: „Futuring Human Mobility“ ist aus Anlass von 100 Jahre Ottobock entstanden. Quelle: Neumann
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Göttingen

„Futuring Human Mobility“ heißt die aktuelle Ausstellung im Universitätsklinikum. Bei ihrer Eröffnung am Donnerstag berichtete der Göttinger Verleger Gerhard Steidl, wie das Buch „Futuring“ für das Duderstädter Unternehmen Ottobock zustande gekommen ist und wie die Ausstellung mit 90 Bannern folgte.

Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl (links) im Gespräch mit Mark C. Schneider von Ottobock. Gespräch zur Eröffnung der Ausstellung "Futuring Human Mobility" im Universitätsklinikum Göttingen am 17.10. 2019 Quelle: jes

Die Auftragsanfrage war keine nach dem Gusto von Gerhard Steidl: Ein Buch zum Jubiläum des Duderstädter Unternehmens Ottobock. „Es hat mich eher gelangweilt, mir vorzustellen, 100 Jahre zurückzublicken“, erklärte Steidl im Gespräch mit Mark Schneider auf der Bühne im Klinikum. Schneider, Leiter der Ottobock-Abteilung Kommunikation, interviewte den Verleger, der über sein Handwerk und seine Leidenschaft, besondere Bücher zu produzieren, Auskunft gab.

Cyborgs und Robotik

Das Buch „Futuring“ kam doch zustande, denn „der Blick in die Zukunft hat mich gereizt“, so Steidl. Zum 100-jährigen Bestehen hatte Ottobock-Chef Hans Georg Näder keinen Rückblick, sondern einen Ausblick im Sinn. Und so liegt seit Jahresbeginn ein Buch vor, das in 40 Beiträgen in Wort und Bild das Spannungsfeld zwischen Mensch, Maschine und Mobilität thematisiert. Es geht um Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Cyborgs und Robotik, und was diese mit der Zukunft des Menschen, seines Körpers und seiner Umwelt zu tun haben?

Unter dem Titel „Futuring“ wurde die Arbeit dazu begonnen. Der Kunstbegriff, erfunden vom Künstlerpaar Eva und Adele, habe ihn fasziniert: „Das Wort regt die Fantasie an“, so Steidl. Mit dem Texter Thomas Huber und dem Fotografen Christoph Neumann nahm das Projekt seinen Lauf.

Auch wenn Steidl im Gespräch mit Schneider vor mehr als 100 Gästen zugab, er habe auch mal „auf den Tisch gehauen“, um den Wettbewerb von Huber und Neumann, um jeweils mehr Platz für Texte oder Photografien, zu beenden, sei er beeindruckt von deren Arbeit. „Ich habe selten so gute Portraitfotos gesehen – Neumann ist herausragend“, urteilte Steidl. Und beim Aufbau der Ausstellung habe er sich immer wieder „festgelesen“ in den Huber-Texten: „Ihm ist ein gut lesbares Buch gelungen.“

Kunstobjekt auf Sommerset-Bookpaper

Das Werk ist auch als Multiple erschienen. In einer Auflage von 1001 Exemplaren hat Steidl ein Kunstobjekt geschaffen im Aluminium-Schuber und mit einem Titeletikett aus Material der Ottobock-Produktion. Diese Exemplare, gedruckt auf besonderem Papier aus dem englischen Sommerset, seien „zu schade, um in einem Regal zu verschwinden.“

„Futuring“ ist als reguläre Ausgabe in höherer Auflage erschienen. Für Steidl, der seit einigen Jahren auch Ausstellungen macht, „weil die Arbeit an einem schönen Buch damit noch fortgesetzt werden kann“, ging somit die Arbeit weiter. Sein Vorschlag, das Buchthema zur Ausstellung zu machen, kam beim Auftraggeber an. Während der Leipziger Buchmesse und in Berlin war die Ausstellung „Futuring Human Mobility“ mit 90, an zirka zwei Meter hohen Holzgestellen aufgehängten Bannern mit Bildern des Berliner Fotografen Christoph Neumann, in diesem Jahr bereits zu sehen.

Auf Zeitungspapier wurde gedruckt mit „der besten Inkjet-Druckmaschine der Welt“ im Verlagshaus Steidl. „Die Maschine kann alles bedrucken“, schwärmte Steidl und empfahl, in der Ausstellung den Farbauftrag auf den Bögen zu ertasten und den Geruch des Papieres wahrzunehmen. „Wie bei einem Ölbild“, so kündigte Steidl das Ertasten der Struktur an, fühle sich die Oberfläche der Banner an.

Die Ausstellung „Futuring Human Mobility – Visionen der menschlichen Mobilität“ ist Teil des Programms des 28. Göttinger Literaturherbstes. Sie ist in der Westhalle des Universitätsklinikums Göttingen, Robert-Koch-Straße 40, täglich von 5 bis 22 Uhr zu sehen (bis 28. Oktober).

Das Buch „Futuring“

An dem Blick in die Zukunft in dem Buch „Futuring Human Mobility“ sind 40 Experten und Persönlichkeiten beteiligt. Sie erklären, was die Zukunft erfordert oder was aus ihrer Sicht Voraussetzungen sind, um die Herausforderungen zu meistern. In Interviews, Essays, literarischen und künstlerischen Beiträgen kommen Künstler zu Wort wie Eva & Adele oder Neo Rauch, Forscher wie Stefan W. Hell oder Yuval Noah Harari, der Schriftsteller Hiroshi Ishiguro, der Arzt Dietrich Grönemeyer oder der Journalist Ranga Yogeshwar. Sie alle antworten auf die Frage, welche Rolle spielen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Cyborgs und Robotik für die Zukunft des Menschen und seines Körpers? Dabei geht es auch um den Aspekt, ob es dem Menschen gelingt, die Künstliche Intelligenz immer zu beherrschen.

Hans Georg Näder: „Futuring Human Mobilty“. Mit Texten von Thomas Huber und Fotografien von Christoph Neumann. Steidl Verlag, 261 Seiten, 25 Euro.

Von Angela Brünjes

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