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Regional Patrick Schlössers volle Dröhnung Shakespeare
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17:55 27.09.2012
Von Peter Krüger-Lenz
Nach dem Verwirrspiel müssen die Geschlechter geklärt werden: der Narr (Peter Elter) mit den Schauspielerkollegen.
Nach dem Verwirrspiel müssen die Geschlechter geklärt werden: der Narr (Peter Elter) mit den Schauspielerkollegen. Quelle: Ketz
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Kassel

Eine Begründung hat er auch für die Verquickung geliefert. Ihm sei aufgefallen, dass das Personal beider Stücke vergleichbar sei. Klar: Da gibt es Narren und Weise, Bösewichter und Ausgegrenzte, und die Liebe ist auch immer im Spiel. Das lässt sich über viele Stücke sagen, auch über jene von William Shakespeare. So richtig trägt die Idee also nicht. Und Schlössers Inszenierung macht das Ganze nicht besser.

Los geht es mit dem Kaufmann. Der heißt Antonio und eine Reihe seiner Schiffe segelt über die Meere. Ihre Rückkehr verspricht reichlich Gewinn. Sein Freund Bassanio ist klamm, will aber um die Hand der schönen Portia werben. Um ihm zu helfen, leiht sich Antonio Geld bei dem Juden Shylock – und unterschreibt einen fatalen Schuldschein. Shylock will die Gelegenheit nutzen, um sich an Antonio zu rächen. Denn der hatte ihn häufig geschmäht. Also fordert er bei Nichterfüllung des Vertrages, Antonio ein Pfund Fleisch bei lebendigem Leib herausschneiden zu dürfen. Gerade als er das Messer ansetzt, verfällt Antonio in einen Tagtraum. Oder eine Nahtoderfahrung? Das hat nicht Shakespeare so vorgesehen. Regisseur Schlösser wechselt so zu dem zweiten Stück „Was ihr wollt“ – das übrigens gerade im Deutschen Theater Göttingen Premiere hatte.

Peter Elter ist einfach immer ein Narr

Eben spielte Thomas Meczele noch den aufrechten Antonio, jetzt ist er der liebende Orsino, Herzog Illyriens. Gerade war Alexander Weise noch der hartherzige Shylock, zack, wird er als Kammerherr Malvolio nach Strich und Faden hereingelegt. Alina Rank muss zweimal lieben, zuerst als Portia, dann als Olivia. Christoph Förster wirbt als Bassanio um Portia, als Viola fliegt sein Herz Orsino zu. Und Peter Elter ist einfach immer ein Narr.

Im Venedig des Kaufmanns glitscht das Personal auf Schlamm herum, weil Bühnenbildner Daniel Roskamp die kapitalistische Metropole damit verbindet. Im zweiten Teil lässt er unablässig große Schaumflocken von der Decke rieseln, bis sie sich zu einem großen Berg türmen. Das könnte an die Traumwelt Illyriens erinnern, könnte aber auch als Schlummerhilfe fürs Publikum gedacht sein, so bedächtig meditativ senkt sich der Schaum.

Dass die Werkkombination schließlich ganz geschmeidig funktioniert, liegt vor allem am  Ensemble, das diese Rollenwechsel trägt. Doch zwangsläufig ist die Verbindung zweier Shakespeare-Stücke an einem Abend nicht. Eher ein Schnäppchen.
Die nächsten Vorstellungen:  28. September sowie am 6. und 12. Oktober um 19.45 Uhr im Staatstheater Kassel. Kartentelefon: 05 61 / 10 94 222.