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Regional „Peter Pan und die Insel der verlorenen Jungs“ im DT
Nachrichten Kultur Regional „Peter Pan und die Insel der verlorenen Jungs“ im DT
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21:01 27.11.2011
Wirbel im Piratenschiff: Imme Beccard als Tinkerbell, Kathrin Müller-Grüß als Wendy und Michael Meißner als Peter Pan (v.l.). Quelle: Winarsch
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Besonders Ausstatterin Jeannine Simon hat ganze Arbeit geleistet. Ein Ozean erstreckt sich per Videoinstallation über die gesamte Bühnenbreite, in Nimmerland angekommen, lernt Wendy das Piratenschiff Captain Hooks kennen. Dort fängt Peter Pan Kanonenkugeln, aus der Luft verstreut Tinkerbell (Imme Beccard) im funkelnden Kleid goldenen Feenstaub. Die kleinen Theaterbesucher verfolgen aufmerksam und sehr gespannt, was da auf der Bühne geschieht. Eineinhalb Stunden könnten für Kinder lang werden, aber die Schauspieler lassen keine Langeweile zu. Carolin Böttgers Favorit ist die Fee. Die Zehnjährige meint: „Tinkerbell ist immer so lustig und die Schauspielerin hat das gut gemacht.“

Große Spielfreude ist auch Paula Hans in der Rolle des Piraten Smees anzumerken. Sie singt und tanzt wie ein leibhaftiger Bilderbuchpirat über die Bühne. Kein Wunder, dass sich die Kinder da in den Dialog einmischen. Hans lässt sich zu einer Improvisation hinreißen, ergänzt spontan ihren Text und muss selbst ein wenig lachen. Vanessa Czapla stiehlt als Tootles den beiden Hauptdarstellern Michael Meißner (als Peter Pan) und Kathrin Müller Grüß (als Wendy) die Show. Tootles hat immer mehrere Partner dabei – in der Jackeninnentasche sitzt einer, zwei weitere an der einen und der anderen Hand, noch einer hängt am Hals. Demokratische Abstimmungen sind da nicht einfach. Und weil jeder mit anderem Dialekt oder Akzent spricht – Czapla vollzieht rasante Wechsel – entsteht Chaos.

Karl Miller, selbst in England geboren, gibt Captain Hook als manierlichen englischen Herrn mit einem androgynen Zug. Einzig Michael Meißner und Kathrin Müller hätten ihre Figuren mit ein wenig mehr Persönlichkeit ausstatten können, zwischen den anderen Figuren wirken Peter Pan und Wendy fast blass. Stimmungsvolle Musik (Leitung: Jan Exner) tritt aus dem Off hinzu.

Miller spielt auch den Vater, Anja Schreiber sowohl die Mutter als auch den zweiten Smeer in Hooks Gefolge. So entstehen subtile Verweise auf psychologische Zusammenhänge von Wendys Nimmerland-Abenteuern. Sie arbeitet das Stück auch an anderen Stellen präzise heraus. Der erwachsene Theaterbesucher findet sich wahlweise auf psychologischer Spurenlese oder in der verlorenen Kindheit wieder. „Ein temporeiches, fantasievolles Familienstück“, findet Carolins Mutter. Sie durfte auch mit. Der Abend gehörte aber den jungen Besuchern. Und manche von ihnen stimmten draußen nochmal das Piratenlied an, von Müdigkeit keine Spur.

Die nächsten Termine: 28. November um 9 und 11.30 Uhr, 4. Dezember um 16 Uhr, 8. Dezember um 11 Uhr sowie zahlreiche weitere Termine bis 12. März 2012 im Großen Haus des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11, Göttingen. Karten­telefon: 05 51 / 49 69 11.

Von Telse Wenzel