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Regional Petri-Chor Weende singt Händels „Messiah“
Nachrichten Kultur Regional Petri-Chor Weende singt Händels „Messiah“
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13:20 04.12.2017
Mit Enthusiasmus und Einsatz: Petri-Chor Weende unter seinem Dirigenten Martin Kohlmann.
Mit Enthusiasmus und Einsatz: Petri-Chor Weende unter seinem Dirigenten Martin Kohlmann. Quelle: Schäfer
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Göttingen

Mit leichten Kürzungen, die aber den musikalischen Kern unangetastet ließen, hatte Kohlmann die Aufführungsdauer auf gut verträgliche zwei Stunden beschränkt und möglicherweise dadurch die Anziehungskraft dieses populären Oratoriums noch erhöht. So war am Sonntag die St.-Petri-Kirche in Weende nahezu ausverkauft.

Die Zuhörer erlebten eine in Details immer wieder fesselnde, bewegende Aufführung. Mit viel Enthusiasmus und Einsatz sangen die Choristen ihren nicht immer einfachen Part. Zwar hatten sie hier und da Schwierigkeiten mit den von Händel geforderten raschen Koloraturen, das bremste bisweilen das Tempo. Und wäre die Zahl stimmkräftiger Tenöre größer gewesen, hätte auch mancher Themeneinsatz in fugierten Passagen schärfere Konturen gewonnen. Doch das wurde immer wieder wettgemacht durch die inbrünstige Freude der Sängerinnen und Sänger an dieser Musik. Fraglos steckt ein solches Gefühl das Publikum an.

Die instrumentale Basis lieferte das Göttinger Barockorchester, das man allerdings schon deutlich inspirierter und spritziger erlebt hat. Möglicherweise trug auch die vergleichsweise trockene Akustik in der vollbesetzten Kirche zu dem ein wenig spröden Klang bei, der mit einem kleinen Nachhall wärmer und voller gewirkt hätte. Gleichwohl konnten die Instrumentalisten mit ihrem transparenten, nirgends harten Spiel – das gilt besonders für die angenehm weichen Trompeteneinwürfe im „Halleluja“ – sehr wohl überzeugen.

Für die Solopartien hatte Kohlmann ein ausgewogenes Ensemble zusammengestellt. Bis auf den Bass sind die Solisten noch im Studium. Die Sopranistin Charlotte Diekmann – zugleich Stimmbildnerin des Petri-Chores – hat einen schönen, hellen Stimmklang, ist nur in raschen Koloraturen nicht ganz intonationssicher. Die Alt-Partie in diesem Werk reicht ungewöhnlich tief. Dafür zeigte Svenja Rissiek beachtliche Reserven und gefiel zugleich auch mit ihren ganz unangestrengt erreichten hohen Lagen. Über viel stimmliches Durchsetzungsvermögen verfügt der Tenor Simon Jass, dem man nur mehr Weichheit für dynamisch zurückgenommene Passagen wünschen möchte. Michael Humann lieferte mit großem Stimmvolumen die solide Bass-Basis, wobei er mit einer beweglicheren Stimmführung seinen Part noch lebendiger hätte gestalten können.

Kohlmann sorgte am Dirigentenpult für klare Impulse. Mit seinen eher zurückhaltenden Tempi wollte er wohl die Ausführenden nicht überfordern – allzu viel Mut kann sich da manchmal rächen. Die begeisterten Zuhörer klatschten so lange, bis sie die ersehnte Zugabe erhielten, die Wiederholung des „Halleluja“, auf das sie beim ersten Mal bereits mit spontanem Szenenapplaus reagiert hatten.

Von Michael Schäfer

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