Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Pfingstkonzert: Musik der Seidenstraße im Rittergut Besenhausen
Nachrichten Kultur Regional Pfingstkonzert: Musik der Seidenstraße im Rittergut Besenhausen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:17 10.06.2019
Pianist Shinnosuke Inugai, Guzheng-Spielerin Yuanfang Zhang und Violinist Lin Ye (von links) in Besenhausen. Quelle: Schäfer
Anzeige
Besenhausen

Der Pfingstsonntag ist ein fester Termin im Konzertkalender der Musikfreunde der Göttinger Region. Kaum ein Stuhl blieb frei beim Konzert „Oriental“ im Rittergut Besenhausen. Rund 250 Besucher füllten den ehemaligen Schafstall.

Verheißungsvoll der Titel: „Märchenhaften Klangzauber entlang der Seidenstraße“ sollte dieser Abend entfalten. Dafür sorgten drei Musiker aus Asien mit einem außergewöhnlichen Programm. Neben dem chinesischen Geiger Lin Ye und dem japanischen Pianisten Shinnosuke Inugai war es vor allem die chinesische Guzheng-Spielerin Yuanfang Zhang, die mit ihrem hierzulande selten zu hörenden Instrument das Publikum betörte.

Klangwolke

Nach europäischer Systematik handelt es sich bei der Guzheng um eine Wölbbrettzither. Hinter diesem etwas sperrigen Begriff verbirgt sich ein im Klang der Harfe ähnliches Instrument, dessen üblicherweise 21 Saiten waagerecht angeordnet sind. Für den vollen Ton ist der ansehnliche, gut anderthalb Meter lange Resonanzkörper verantwortlich. Zusätzliche Durchschlagskraft erhält der Ton durch den Anschlag der Saiten mit Plektren, die aber auch ganz sanft mit dem Handballen gestreichelt werden können: Dann entsteht eine Klangwolke, die den Melodieton sanft umrauscht. Auf der Guzheng ist außerdem ein Vibrato möglich, das durch den federnden Druck der Finger der linken Hand auf den nicht schwingenden Teil der Spielsaite erzeugt wird. Dabei kann die Tonhöhe um mehr als einen Halbton verändert werden.

So klingt das chinesische Instrument Guzheng:

Das führte Yuanfang Zhang in mehreren chinesischen Volksweisen ganz bezaubernd vor, etwa den Stücken „Jasminduft“ oder „Frühlingsflussblumen im Mondschein“. Es entsteht dabei eine eigentümlich schwebende, poetische Stimmung – eher mit Landschaftsmalerei vergleichbar, weniger mit der musikalischen Schilderung menschlicher Emotionen, worauf Lin Ye in seiner aufschlussreichen Moderation hingewiesen hatte. Der Violinist lebt seit Jahrzehnten in Deutschland und ist seit 1988 Mitglied des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, kann also ganz „westlich“ musizieren. Doch verändert er seine Spielweise in östlicher Musik ganz charakteristisch: Die Übergänge zwischen die Tönen gestaltet er flexibler, der Ton selbst wird mit besonders starkem Vibrato beseelt. Davon war das „Abendrot über dem Fischerdorf“ (mit Guzheng) ebenso bestimmt wie die gefühlvolle „Sehnsucht nach der Heimat“ (mit Klavier) des chinesischen Komponisten Sitson Ma (1912-1987), dem in der Zeit der Kulturrevolution die Flucht in die USA gelang. Spannend war in diesem Komposition der minimale europäische Einfluss: Einzelne Wendungen erinnerten auffällig an Motive aus Dvořáks „Symphonie aus der Neuen Welt“.

Mitreißendes Temperament

Auch Stationen der Seidenstraße weiter westlich wurden an diesem Abend angesteuert, etwa Musik der Uiguren im Westen Chinas, die durch mitreißendes Temperament gekennzeichnet war („Xinjiang Fantasie“ von Chen Gang). Mit Auszügen aus Rimski-Korsakows „Scheherazade“ und dem daran anknüpfenden „Arabischen Lied“ von Fritz Kreisler war schon der Nahe Osten erreicht, der auch in der orientalischen Fantasie „Islamey“ für Klavier solo des russischen Romantikers Mili Balakirew verortet ist. Hier konnte Pianist Shinnosuke Inugai seine erstaunlichen virtuosen Fähigkeiten eindrucksvoll zeigen. Ihm gleich tat es technisch furios der Geiger Lin Ye in seinem finalen Beitrag, dem Violinkonzert „Schmetterlingsliebe“ von Chen Gang (Jahrgang 1935).

Das Publikum ließ sich mit wachsender Begeisterung von den drei Musikern auf diese gut zweistündige musikalische Reise nach Osten mitnehmen, die thematisch in das Programm der 11. Göttinger Märchenwoche („Auf der Seidenstraße unterwegs“) eingebunden war. Am Ende erhielten die Zuhörer zum Dank für ihren von Trampeln untermischten brausenden Applaus mehrere Zugaben.

Von Michael Schäfer

Zweieinhalbtausend Besucher: Restlos ausverkauft war die Lokhalle am Freitag beim Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) unter Nicholas Milton. Am Ende gab es Bravorufe und Standing Ovations.

08.06.2019

Die Open Air-Saison hat begonnen – so auch auf der Hofbühne des Dots in Göttingen. Zu Gast waren am Freitag die britisch-niederländische Band Alcuna Wilds und Butler aus Kiel.

11.06.2019

Zunächst aus der Sicht eines Kindes erzählt Autor Wolfgang Bittner von einem Leben in Schlesien um 1942 und der Vertreibung aus diesem kleinen Kindheitsparadies.

08.06.2019