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Regional Pianist Jentsch begleitet im Apex Stummfilm
Nachrichten Kultur Regional Pianist Jentsch begleitet im Apex Stummfilm
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14:03 05.01.2019
Björn Jentsch Quelle: Jörg Linnhoff
Göttingen

Erstaunlich, dass ein fast 100 Jahre alter Film immer noch die Massen bewegt. Das Apex ist jedenfalls komplett besetzt. Björn Jentsch ist hier regelmäßiger Gast und „Safety Last“ von Hal Roach aus dem Jahr 1923 nicht seine erste Live-Stummfilm-Vertonung dort. Bewegungssynchron, unterhaltsam und fantasievoll legt er dem Film ein musikalisches Gewand an. Dazu hat er rund um das Klavier ein kleines zusätzliches Instrumentarium wie ein Schlagzeug, eine Melodica, Kastagnetten oder ein Minipiano angebracht. Letzteres habe er seinem Neffen stibitzt, sagt Jentsch schmunzelnd.

Angeregt von Sandra Kirchner

Der in Göttingen geborene und in Bremen lebende Jazzpianist, Theatermusiker und Musikpädagoge studierte in Hamburg Tontechnik und widmet sich seit mehr als 15 Jahren dem Metier der Stummfilmvertonung. Dazu angeregt habe ihn vor vielen Jahren die Inhaberin des damaligen Kinos Cinema, Sandra Kirchner, erzählt Jentsch. Daraus sei dann eine Leidenschaft vor allem für Buster-Keaton-Filme geworden. „Ausgerechnet Wolkenkratzer! (Der Luftikus)“ heißt der wohl bekannteste Film Harold Lloyds in der deutschen Fassung. Er gilt als Komödienklassiker und Meisterwerk der Stummfilmgeschichte.

Harold verschlägt es vom Land in die große Stadt, wo er sich auf der Suche nach dem ersehnten großen Geld mehr schlecht als recht als kleiner Verkäufer durchwurstelt. Seiner Freundin gaukelt er in täglichen Briefen eine Karriere als Durchstarter vor, bis dieser Schwindel durch ihren Besuch aufzufliegen droht. Aber Harold wächst an dieser Herausforderung über sich hinaus, obwohl unerwartete Hindernisse wie hungrige Tauben, ein herabfallendes Tennisnetz, eine Holzbohle und ein bissiger Hund sich ihm bei einer werbewirksamen Klettertour an der Fassade eines zwölfstöckigen Hochhauses in den Weg stellen.

Konzentrations- und Energieleistung

Die Begleitung des Films über durchgehend fast 90 Minuten setzt eine große Konzentrations- und Energieleistung voraus, für deren Grundlage Jentsch laut eigener Aussage sehr viel Sport treibt. Aber er kenne natürlich jede Szene der Filme sehr genau. So wird ein Klopfen an der Tür auf einer Trommel oder ein Klingeln mit dem Minipiano imitiert. Herrlich ist die Szene, wenn Harold, an der Fassade hängend, von einer Schar hungriger Tauben attackiert wird und Jentsch das Flattern mit einem Stück Papier lautmalerisch echt unterlegt, während er parallel dazu einhändig dem Klavier dramatische Töne entlockt.

Seine Musik ist sehr vom Jazz geprägt, und passend zu der damaligen Zeit blitzt auch ganz viel Ragtime durch. Bei der Begleitung improvisiere er viel, so Jentsch, und überrasche sich dabei mit neuen spontanen Ideen immer wieder selbst. Dramatische, stakkatoartige Klavieranschläge leiten das große Finale ein, wenn Harold den letzten Sims überwindet und zu fast zärtlichen Klängen seine Freundin auf dem Dach des Hochhauses zum Happy End in die Arme schließt, während sein Freund, der eigentlich die Klettertour machen sollte, im Hintergrund immer noch von einem hartnäckigen Polizisten gejagt wird. Großes Kino im wahrsten Sinne des Wortes.

Am Freitag, 15. Februar, um 19.30 Uhr ist Jentsch erneut im Apex, Burgstraße 46 in Göttingen, mit der Vertonung des Buster Keaton Films „Go West“ zu erleben. Kartentelefon: 0551/46886.

Von Jörg Linnhoff

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