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Regional „Begegnungen“: Pianistin Julia Bartha spielt Forkel und Debussy
Nachrichten Kultur Regional „Begegnungen“: Pianistin Julia Bartha spielt Forkel und Debussy
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16:25 27.03.2018
Mit energischem Schritt: die Göttinger Pianistin Julia Bartha.
Mit energischem Schritt: die Göttinger Pianistin Julia Bartha. Quelle: Lukas Beck
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Göttingen

Forkel und Debussy haben nichts miteinander zu tun. Dennoch kommt es zu „Begegnungen“, wie das Motto dieses Abends heißt. Im ersten Teil sind Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Forkel zu hören, im zweiten Teil steht Musik von Désiré Magnus, Debussy und Thorsten Encke auf dem Programm. Veranstalter ist das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Göttingen – das hat nichts mit Debussy, aber viel mit Forkel zu tun. Der nämlich war der Begründer der Musikwissenschaft als einer modernen Hochschuldisziplin, und zwar in Göttingen, wo er seit 1777 öffentliche Vorlesungen über Theorie und Geschichte der Musik hielt. Zu Forkels Schriften gehören eine „Allgemeine Geschichte der Musik“ und vor allem ein schmales, dennoch gewichtiges Büchlein mit dem Titel „Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke“ – die erste musikhistorisch fundierte Monografie über Bach.

Forkel starb am 20. März 1818 in Göttingen. Er war nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Komponist. Julia Bartha wird in dem Konzert seine 24 Variationen über „God save the King“ vorstellen, die Forkel in einem Konzert anlässlich der Verabschiedung zweier hannoverscher Prinzen nach London spielte. Um an Forkels bedeutendsten Forschungsgegenstand zu erinnern, eröffnet sie das Konzert mit der fünften Französischen Suite von Johann Sebastian Bach, BWV 816. Diese beiden Werke wird sie auf einem Hammerflügel aus der Sammlung des Göttinger Pianisten Gerrit Zitterbart spielen.

Bach und Forkel ist die erste „Begegnung“ an diesem Abend gewidmet. Eine weitere Begegnung findet im zweiten Teil statt: Bartha spielt das erste Heft der Préludes von Debussy (gestorben am 25. März 1918) und dazu als Uraufführung sechs „Aprèsludes“ für Klavier, die der 1966 in Göttingen geborene, in Hannover und Los Angeles ausgebildete Komponist, Cellist und Dirigent Thorsten Encke geschrieben hat. „Debussy war hierbei Einflüsterer und Informationsquelle zugleich“, sagt Encke über seine Stücke. Weitere „Einflüsterer“ Enckes sind die Lyriker Gottfried Benn, der 1955 den Gedichtband „Aprèslude“ veröffentlicht hat, und Arthur Rimbaud, auf dessen berühmtes Gedicht „Le bateau ivre“ (Das trunkene Schiff) sich Encke im Schlussstück seines Zyklus’ bezieht. Komplettiert wird das Programm durch das Klavierstück des belgischen Komponisten Désiré Magnus „Souvenir de l’Exposition“, eine virtuose Fantasie über Nationalhymnen, eine davon das von Forkel variierte Lied „God save the King“.

Schon seit Jugendtagen sind Bartha und Encke miteinander befreundet. Die Pianistin beschreibt ihn als „Quergeist gegen den Mainstream“. Eines der sechs Stücke („Un beau brin de fille“) habe Encke schon 2008 komponiert. Vor zwei, drei Jahren habe er ihr seinen Plan vorgestellt, zum 100. Todestag Debussys einen Zyklus zu schreiben. Endgültig fertig geworden sei Encke damit allerdings ziemlich spät. Das erste Stück erhielt Bartha im Juli 2017, das letzte per Mail am 6. Dezember. Da hieß es schon sehr konzentriert arbeiten: Die Produktion der CD-Aufnahme lief vom 5. bis 7. Januar 2018 – übrigens in jenem Saal der Alten Mensa, in dem auch das Konzert stattfinden wird. Kurz nach dem Konzert wird Julia Bartha Göttingen kurzfristig verlassen. Vom 10. bis 23. April unternimmt sie eine China-Tournee, sechs Klavierabende mit Werken von Brahms, Liszt sowie Clara und Robert Schumann in sechs Großstädten einschließlich Peking.

Das Konzert „Begegnungen“ mit Julia Bartha (Klavier), Thorsten Encke (Komposition) und Andreas Waczkat (Moderation) am Sonnabend, 24. März, beginnt um 19.30 Uhr im Adam-von-Trott-Saal der Alten Mensa, Wilhelmsplatz 1. Karten: 20 Euro, ermäßigt 12 Euro, Studierende 6 Euro.

CD: Debussy, Préludes, premier livre, und Encke, Aprèsludes: Coviello COV 91805, etwa 20 Euro, Veröffentlichungstermin 6. April.

Von Michael Schäfer

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