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16:25 23.03.2018
„Wir müssen weiter reden": Podiumsdiskussion im Literarischen Zentrum mit Per Leo, Kristin Harney, Moderatorin Doris Akrap und Thomas Wagner (von links). Quelle: Christoph Mischke
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Göttingen

Wie mit der Neuen Rechten umgehen? Eine ungebrochen aktuelle Frage. Kristin Harney, Per Leo und Thomas Wagner diskutierten unter der Moderation von taz-Journalistin Doris Akrap über die Provokationsstrategien der Rechten und wie man am besten damit umgeht – als Einzelner oder als Institution.

Thomas Wagner, Soziologe und Autor des Buches „Die Angstmacher: 1968 und die Neuen Rechten“, sieht bei der Neuen Rechten inzwischen eine durchaus ernstzunehmende intellektuelle Fundierung. Wichtig sei der Neuen Rechten, sich nicht auf den Nationalsozialismus zu beziehen, sondern sich als Nationalkonservative zu verstehen.

Junge Rechte, traditionell linke Themen

Die Neue Rechte sei heute zwar noch von wirtschaftsliberalen Positionen durchsetzt, teilweise auch von anti-staatlichen, doch inzwischen griffen junge Rechte auch soziale Themen auf – und besetzen somit Themen, die von traditionell linken Parteien zunehmend aufgegeben werden. „Das sind intelligente Leute, die sich auch intensiv mit linker Kapitalismuskritik befassen“, so Wagner. „Das Ziel der AfD ist, sich als rechte Volkspartei dauerhaft zu etablieren.“ Das Entstehen eines sozialen Flügels würde ihr dabei helfen.

Diesem Befund stimmte Per Leo, Historiker und Mit-Autor des Buches „Mit Rechten reden“, zu. Er lenkte den Fokus jedoch hin zu den Provokationsmustern der Rechten. „Die Neue Rechte ist ein Meister darin, bestimmte Überreaktionen zu provozieren, die ihnen bei der Rechtfertigung ihrer eigenen Existenz helfen“, so Leo. Und dies mit einem sehr geringen Aufwand. Indem man ihnen diese erwartete Reaktion gibt, erspare man ihnen die inhaltliche Auseinandersetzung. Es gehe entsprechend darum, die eigenen Reaktionsmuster auf die Rechten zu hinterfragen.

Leo: Je plausibler die Opfererzählung der Rechten ist, desto mehr gewinnen sie Menschen.

Mit Rechten zu sprechen, meine dabei nicht nur von Angesicht zu Angesicht, sondern auch, wie man auf ihre Reden und Texte angemessen reagiert – bis dahin, nicht über sie zu sprechen. „In der Diskussion mit Rechten geht es nicht darum, sie davon zu überzeugen, dass sie sich als Opfer stilisieren“, so Leo. „Die Gruppe, um die es geht, ist das Publikum. Je plausibler die Opfererzählung der Rechten ist, desto mehr gewinnen sie Menschen.“

Als Beispiel bemühten Wagner und Leo immer wieder die Buchmessen, auf denen die Rechten für sich viel Resonanz im Feuilleton erzeugten. „Die Messe ist ein Gastgeber der Pluralität“, so Wagner. „Man kann selbstverständlich rechte Autoren zulassen, aber ebenso selbstverständlich kann man auch Demonstrationen dagegen erlauben.“ Doch zuletzt auf der Leipziger Buchmesse sei man sich nicht einig gewesen, wie man mit den Rechten umgeht. „Vor diesem Versagen der Institutionen habe ich mehr Angst als vor den Rechten.“

Argumente gegen Rechtsextremismus

Der eher abstrakte Podiums-Diskurs bekam durch Kristin Harney eine sehr praxisnahe Komponente. Harney macht unter anderem Argumentationstrainings gegen Rechtsextremismus und hat viel mit Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe zu tun, die in ihrem Alltag – sei es im Familienumfeld, auf der Straße oder am Arbeitsplatz – etwa eine „latenten Alltagsrassismus, der inzwischen salonfähig geworden ist“, erleben. Für die Betroffenen sei damit eine große Unsicherheit verbunden, was sie hinnehmen müssen oder wo sie eine Grenze ziehen sollten.

„Wie man richtig reagiert, ist schwierig zu beantworten“, so Harney. „Wichtig ist aber, dass man reagiert.“ Wichtig sei vor allem, eine eigene Haltung in den angesprochenen Fragen zu entwickeln und dann authentisch und entsprechend der eigenen Überzeugungen zu handeln. Man müsse nicht um jeden Preis diskutieren, manchmal reiche auch schon zu sagen, dass man die Bemerkung sehr wohl gehört hat, aber anderer Ansicht ist. Auch sich einfach zu empören und zu zeigen, was eine solche Bemerkung mit einem selbst macht, kann helfen.

Gegen die Hilflosigkeit helfe auch, wenn namhafte Akteure aufstehen, denn das zeige, dass Widerstand normal ist. Dabei erlebe Harney, dass sich Sportvereine oft deutlicher positionieren als beispielsweise das Feuilleton. Und Per Leo ergänzt: „Ich glaube, dass genau da in den Dörfern und Vereinen die Diskussion geführt werden muss, weil dort die Demokratie entschieden wird.“

Weiteres zum Programm im Literarischen Zentrum lesen Sie hier.

Von Sven Grünewald

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