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Regional Preisträgerkonzert mit dem Ensemble Caladrius
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14:23 23.05.2019
Preisträgerkonzert in der St.-Johannis-Kirche in Rosdorf. Das Ensemble Caladrius mit Sophia Schambeck, Mariona Matteu Carles, Jacopo Sabina und Georg Staudacher. Quelle: Alciro Theodoro da Silva
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Rosdorf

Das junge Ensemble Caladrius hat eine Glückssträhne. Im März dieses Jahres erhielt es das Stipendium des Deutschen Musikwettbewerbs und den Sonderpreis der Marie-Luise Imbusch-Stiftung. Jetzt konnte die Gruppe auch beim Nachwuchswettbewerb der Händel-Festspiele überzeugen: Das Ensemble gewann den 1. Preis – und gleichzeitig auch den Bärenreiter Urtext-Preis sowie den Publikumspreis.

Beim Preisträgerkonzert am Donnerstag in der St.-Johannis-Kirche in Rosdorf zeigte das Ensemble eindrucksvoll den Grund ihres Erfolges: hohe Musikalität, eine interessante Instrumentierung und Geschmack beim gespielten Repertoire. 

Mariona Matteu Carles und Georg Staudacher. Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Bei dem Ensemble, das an der Hochschule für Musik und Theater München zusammenfand, fällt als erstes die unkonventionelle Instrumentierung auf: Außer Sophia Schambeck an der Blockflöte gibt es einen dreiköpfig besetzten Generalbass mit Mariona Mateu Carles an der tiefklingenden G-Violone, Jacopo Sabina an Theorbe, Laute und Barockgitarre sowie dem Cembalisten Georg Staudacher. Dadurch erlangt der Basso Contiuno eine kraftvolle Tiefe, klingt sehr abwechslungsreich und changiert zwischen Fülle und Luftigkeit. Das Ensemble hat so einen ganz eigenen Klang.

Jacopo Sabina, Sophia Schambeck Quelle: Alciro Theodoro da Silva

Georg Friedrich Händel (1685-1759) würdigt das Ensemble mit drei Werken. Mit „Come la rondinella“ aus „Clori, Trisi e Fileno“ eröffnen die Musiker den Abend und beleben das Werk sofort mit der Frische und dem federleichten Schwung ihres Zusammenspiels. Das „Sulla ruota di fortuna“ aus Rinaldo glänzt durch die Dynamik zwischen zartem und druckvollem Basso Continuo. In der Sonate Opus 1 Nr. 4 in a-Moll schafft es insbesondere die Flötistin, Händels Gespür für Melodien ins Hier und Jetzt zu holen. Durch den kreativ arrangierten Generalbass geben die Musiker Händels Werken eine sehr große Lebendigkeit und beleuchten sie mit immer neuen Klangkombinationen und rhythmischen Akzenten.

Den späten Barock feiert das Ensemble mit zwei Zeitgenossen von Händel: In François Couperins (1668-1733) 3. Konzert in A-Dur berührt insbesondere Mariona Mateu Carles mit ihren Soli auf der bassähnlichen G-Violone. Georg Philipp Telemanns (1681-1767) Triosonate Nr. 8 B-Dur verleiht das Quartett eine erhabene Schönheit.

Eine gute Hand hat das Ensemble bei der Auswahl selten gespielter Werke nahezu unbekannter Komponisten. Voller Spielfreude interpretieren sie ein Werk des Spaniers José Herrando Yago (1720-1763), das mit fröhlichen Vogelstimmen-Imitationen der Flötistin begeistert. Die frühbarocke Sonate g-Moll des Italieners Giovanni Paolo Cima (1575-1630) wird zum Glanzstück von Sophia Schambeck: Mit einem warmen und leicht rauen Ton auf der Blockflöte meistert sie die virtuosen Melodielinien. In drei Miniaturen des Italieners Andrea Falconieri (1585-1656) beweisen die Musiker in welch ergreifende Gefühlstiefen sie gelangen können.

Preisträgerkonzert in der St.-Johannis-Kirche in Rosdorf: Das Ensemble Caladrius mit Sophia Schambeck, Mariona Matteu Carles, Jacopo Sabina und Georg Staudacher. Quelle: Alciro Theodoro da Silva

 

Zur Barock-Musik gehört die Kunst der Improvisation: In „Division on a Ground“ des Engländers Simon Eccles (1618-1683) wechseln sich die Musiker mit Stegreif-Soli ab und verleihen dem Werk eine mitreißenden, tänzerischen Schwung.

Eine neue Perspektive eröffnet das Ensemble dem zeitgenössischen Werk „Tierkreis“ von Karlheinz Stockhausen (1928-2007): Dem sperrigen Duktus setzen sie etwas Zartes entgegen, das Vergeistigte bereichern sie mit der Sinnlichkeit der Klänge ihrer historischen Instrumente.

Das Publikum bedankt sich für das großartige Konzert mit stürmischem Applaus für das frische und emotionale Spiel des Ensembles. Die jungen Musiker haben das Ziel erreicht, um das es bei Interpretationen von Musik stets geht: Sie hoben die historischen Werke in die Sphären zeitloser Schönheit.

Karten zu gewinnen

Für „Lieder ohne Worte“ bei den Händel-Festspiele Göttingen verlost das Tageblatt dreimal zwei Karten. Wer für das Jubiläumsstiftungskonzert am 26. Mai, 11 Uhr, in der Aula der Universität, Karten gewinnen möchte, kann am Freitag, 24. Mai, von 8 bis 12 Uhr, unter Telefon 0137/8600273 anrufen und deutlich seinen Namen, Anschrift und Telefonnummer sowie das Stichwort "Lieder ohne Worte" auf Band sprechen. (0,50 Euro pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, Preise aus dem Mobilfunknetz können abweichen). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden informiert, ihre Namen können im Tageblatt veröffentlicht werden.

Eintrittskarten für die Veranstaltungen der Internationalen Händel-Festspiele sind auch in den Geschäftsstellen des Göttinger Tageblattes, Weender Straße 44, und des Eichsfelder Tageblattes, Marktstraße 9, Duderstadt, erhältlich. spi

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