Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Premiere: „Büchner, Wissen, Macht, Kunst“ im Jungen Theater Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Premiere: „Büchner, Wissen, Macht, Kunst“ im Jungen Theater Göttingen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:57 22.09.2013
Von Peter Krüger-Lenz
Zurück aus der Wunschmaschine: Elisabeth-Marie Leistikow als Büchner-Frauenfigur. Quelle: Eulig
Anzeige
Göttingen

So liegt es also nahe, die Beschäftigung mit seinen Werken auf den Lehrplan deutscher Oberstufenschüler zu setzen.

In schöner Tradition befasst sich das Junge Theater (JT) Göttingen mit dem Stoff, um den angehenden Abiturienten denZugang zu erleichtern. Das hat das Haus auch schon in den vergangenen Jahren getan. Diesmal allerdings geht man am Wochenmarktplatz noch einen Schritt weiter, denn man spezialisiert.

Anzeige

In „Büchner, Wissen, Macht, Kunst“ geht es nicht um ein Büchner-Werk, sondern um das Frauenbild im Werk Büchners. So könnte auch eine Abituraufgaben aussehen. Premiere der Ein-Frauen-Produktion war am Sonnabend im nur mäßig besuchten JT.

„Zitadelle der Vernunft“

Regie führte die 29-jährige Lily Sykes, die auch an großen Häusern wie dem Schauspiel Frankfurt und dem Deutschen Theater in Berlin inszeniert. Sie zeichnet gemeinsam mit Dramaturg Udo Eidinger auch verantwortlich für den Text.

Der Blick auf die Hinterbühne wird verstellt von einer Wand. Ein Schriftzug weist das Gebäude als „Zitadelle der Vernunft“ aus. Hier öffnen sich Türen und Fenster, davor steht eine Wunschmaschine, die als Mischung aus Fotoautomat und WC-Raum angelegt ist (Bühne: Friederike Meisel). Hier überall tummelt sich über 80 Minuten Spielzeit Elisabeth-Marie Leistikow.

Sie spielt Rosetta und Lena aus „Leonce und Lena“, Julie und Marion aus „Dantons Tod“, und Marie aus „Woyzeck“. Thema dieser Frauen ist immer wieder die Liebe, ob als verlassene Geliebte, als Traumfrau, als getriebene Pragmatikerin oder als selbstbewusste Frau, die ihr Recht einfordert.

Berührendes Theater

Leistikow gibt ihnen Stimme und Gestalt. Sie ist intellektuell und emotional, hochjauchzend, desillusioniert, kämpferisch und verzweifelt. Und sie ist sehr rhythmisch. Denn Regisseurin Sykes hat Leistikow eine Loop-Maschine zur Verfügung gestellt. Damit nimmt sie live Text- und Liedzeilen oder einfach nur Rhythmen auf, die sie dann abspielt und mit weiteren Stimmen ergänzt. Ein sehr schöner Kunstgriff.

Unterstützung – soweit man von Unterstützung sprechen kann – bekommt Leistikow von Figuren aus geknülltem Papier und Klebeband. Gefährten, Gegenspieler sind das und Kinder, die sie als Figurenspielerin bewegt. Bei all dem ist sie von der ersten bis zur letzten Minute beeindruckend präsent.

Das ist einerseits berührendes Theater, andererseits aber auch sehr intellektuell. Wer die Büchner-Werke nicht kennt, dem bleibt an diesem Abend einiges verborgen. Das Premierenpublikum allerdings war wohl belesen, denn es bedachte die Premierenvorstellung mit begeistertem und sehr ausdauerndem Applaus.

Die nächsten Vorstellungen: 24. September, 3., 11. und 31. Oktober um 20 Uhr und am 21. Oktober um 19 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.