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Regional Premiere im Studio des Deutschen Theaters: „Geheim“
Nachrichten Kultur Regional Premiere im Studio des Deutschen Theaters: „Geheim“
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20:31 30.03.2014
Tochter Lotte oder Ehefrau Lilly (Imme Beccard): Für Dieter (Karl Miller) sind beide lebendig. Quelle: Winarsch
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Göttingen

So ähnlich geht es Opa Dieter im Stück „Geheim“, das am Sonnabend im Studio des Deutschen Theaters in einer Inszenierung von Joachim von Burchard Premiere gefeiert hat.

Autor Theo Franzs thematisiert in diesem kleinen, feinen Stück den Umgang mit Demenzkranken. Im Mittelpunkt stehen drei Generationen einer Familie mit dem an Alzheimer erkrankten Opa Dieter im Zentrum. Karl Miller mimt Dieter einfühlsam und vielschichtig.

Mit feinen Details charakterisiert er die unterschiedlichen Ebenen in Dieters Welt, die sich seiner Familie nur langsam und auf verschlungenen Wegen eröffnet.

Drei Doppelrollen verdeutlichen die ineinandergreifenden Facetten: Die bereits verstorbene Ehefrau Lilly ist für Dieter zu unterschiedlichen Zeitpunkten ebenso lebendig wie Tochter Lotte (beide Imme Beccard).

Große Herausforderungen

Der Teenager-Enkel Jonathan (schön genervt dargestellt von Norman Grüß) erweckt Dieters Freund Fritz aus Jugendtagen zu neuem Leben – und mit ihm eine unschöne Geschichte, die beide verbindet.

Dabei spielte seinerzeit die Außenseiterin Sophie eine wichtige Rolle. Und die sieht zufällig Jonathans Freundin Meike (beide Anja Schreiber) ähnlich.

Was ist Realität, was Erinnerung, was Fantasie? Opa Dieter durch die verschwimmenden Ebenen zu folgen, stellt seine Familie vor große Herausforderungen. Trauer und Ärger, Unverständnis aber auch fröhliches Miteinander und Spaß kommen in der Inszenierung nicht zu kurz.

Sehr gelungene Inszenierung

Kunstgriffe wie die aus den Schränken erscheinenden Erinnerungs-Figuren erlauben dem Publikum ein Lachen und auch eine verdrückte Träne.

Die sehr gelungene Inszenierung macht einem breiten Publikum – von Jugendlichen bis Senioren – sehr feinfühlig klar: Eine Patentlösung für den Umgang mit einer eigenen Demenzerkrankung und der eines Angehörigen gibt es nicht.

Was alleine hilft sind Geduld, Liebe und das Sich-Einlassen auf den Spagat zwischen den vielfältigen Ebenen in der (manchmal geheimen) Welt der Betroffenen.

Von Isabel Trzeciok

Nächste Termine: Sonntag, 6. April, 16 Uhr, Donnerstag, 10. April, 18 Uhr. Karten unter Telefon  05 51 / 49 69 11.