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Regional Premiere: „Im Weißen Rößl“
Nachrichten Kultur Regional Premiere: „Im Weißen Rößl“
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18:38 10.07.2009
Urlaub am Wolfgangsee vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim: das „Rößl“-Ensemble mit Ingrid Domann (2. von rechts) .
Urlaub am Wolfgangsee vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim: das „Rößl“-Ensemble mit Ingrid Domann (2. von rechts) . Quelle: EF
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Was für eine Idylle: Am zauberhaften Wolfgangsee im österreichischen Salzkammergut steht das Gasthaus „Zum Weißen Rößl“. Majestätische Berge bilden eine eindrucksvolle Kulisse, Kühe muhen, Hähne krähen, Hunde bellen. Bis auf die Tierstimmen müssen sich die Besucher der Operette „Im Weißen Rößl“ alles andere vorstellen. Gewohnt sparsam hat Birgitta Weiß das Bühnenbild entworfen. Zwei Biertisch-Garnituren, ein Balkon, fertig. Hier tummelt sich die Bagage, die auf operettenhafte Weise an diesen Ort verschlagen wurde, meist schon irgendwie miteinander in Beziehung steht und am Ende pärchenweise wahrscheinlich endgültig zueinander gefunden hat.

Das Singspiel von Ralph Benatzky, uraufgeführt 1930 am Großen Schauspielhaus in Berlin, geht zurück auf einen Schwank. Dementsprechend überschaubar ist der Plott. Wirtin heiratet Zahlkellner, die Fabrikantentochter den cleveren Rechtsanwalt, das unscheinbare Professorentöchterchen den Sohn des anderen Fabrikanten und die Prozesshansel mit ihren Bekleidungsmanufakturen legen ihren Streit bei. Schöne heile Welt.

Natürlich ist Open-Air-Festivaltheater nicht dafür da, das Genre neu zu erfinden. Doch wenn sich die kreativen Verantwortlichen wie Regisseur Martin Höfermann auf die Verwaltung einer solchen Vorlage und die Schunkelseligkeit von immergrünen Operettenhits beschränken, kommt eben ein allzu vorhersehbarer Abend heraus.

Hübsch berlinernd

Da hilft es auch nur bedingt, dass Thomas Neumann auf hohem komödiantischen Niveau hübsch berlinernd den granteligen Fabrikanten Wilhelm Giesecke spielt oder Dirk Weiler als Rechtsanwalt Dr. Otto Siedler sangesstark souverän Strippen zieht. Andere bleiben dagegen allzu blass und stereotyp.

Mit offensichtlichem Vergnügen spielt Ingrid Domann, Schauspielerin am Deutschen Theater Göttingen, grundsolide eine der wenigen Nebenrollen – ihr erster Operetteneinsatz. Farbe bringt Peter Anger als jovialer Kaiser Franz Joseph II. ins Spiel. Wo andere Figuren auf die Bühne bringen, verleiht Anger dem Monarchen tatsächlich Charakter und Profil.

Dem Publikum in der längst nicht ausverkauften Premierenvorstellung schien das wenig auszumachen. Es erfreute sich an Gassenhauern wie „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“, klatschte gerne mit und amüsierte sich, als sei die Verliebe- und Verlobegeschichte brandneu.

Zahlreiche weitere Vorstellungen bis zum 9. August vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim. Karten gibt es unter der Telefonnummer 05382/ 73777.

Von Peter Krüger-Lenz

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