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Regional Premiere nur für Erwachsene im Göttinger ThOP
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14:05 11.08.2019
Treffen sich in einem Motel: Mark Tsiolis als Max und Laura Apel als Jayne Quelle: Dirk Opitz
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Göttingen

Rund 70 Zuschauer haben am Sonnabend die Premiere von „Nur für Erwachsene“ im ThOP gesehen. Das Stück gehört zum sechsteiligen Zyklus „Suburban Motel“ des kanadischen Autors George F. Walker.

Ein dunkles Motelzimmer, spartanisch eingerichtet: Ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle, ein Fernseher und ein Telefon. Ein Paar betritt die Szene. Eng umschlungen, küssend suchen die Staatsanwältin Jayne und der Cop Max den Weg zum Bett – sechs Monate, nachdem sie eigentlich nichts mehr miteinander zu tun haben wollten. Doch ihre Leidenschaft ist nicht von langer Dauer. Jäh zerstört das laute Klingeln des Telefons den Moment. Der Anrufer ist Donny, der Partner von Max, der Spaß daran findet, die beiden zu stören.

Beziehungsanalyse

Ein Blick durch die Jalousie verrät: Donny sitzt draußen im Auto. Er hat Max zum Motel gefahren, wie dieser gesteht. Donny ist auch für Jayne kein Unbekannter. Er ist der Noch-Ehemann ihrer Freundin Pam, die vor zwei Monaten mit Tochter bei ihr einzog. Jayne ist die Lust vergangen. Sie beginnt ihre Beziehung zu analysieren. „Ich dachte, guten verschwitzten Sex zu haben“, beschwert sich Max, „und stattdessen bekomme ich ...“

„... die Wahrheit“

„... die Wahrheit“, vollendet Jayne den Satz. Doch was ist wirklich wahr? War es wirklich wiederaufkeimende Leidenschaft, die beide in das Motel geführt hat? Eher nicht. Beide wollen eigentlich nur einen Gefallen vom anderen. Max die Adresse eines gesuchten jungen Mannes, Jayne ein erzwungenes Geständnis des Ehemannes einer Klientin. „Das sollte was professionelles werden“, sagt sie, „ein Austausch von Gefälligkeiten.“

Die beiden Cops: Mark Tsiolis (links) als Max und Thomas Rühling als Donny Quelle: Dirk Opitz

Akteure im Strudel

Vier scheiternde Existenzen, die in verschiedenen Konstellationen im Motelzimmer aufeinandertreffen. Doch je mehr die Akteure versuchen, ihre Situation zu verbessern, desto tiefer rutschen sie hinein. Ein Strudel, der unweigerlich nach unten führt und seine Opfer mit sich zieht. Dramatik, zwischendurch unterbrochen durch kurze Komik in den Gesprächen. Dialoge wie „Am Telefon hast Du gesagt, Du wärst in Schwierigkeiten.“ „Ich bin in Schwierigkeiten. Ich bin nicht im Entferntesten der Tänzer, der ich dachte zu sein.“ lassen dem Publikum Raum zum Lachen. Das ist auch nötig, denn auf die Zuschauer wartet viel Arbeit. Sie müssen selbst entscheiden, was ist wahr und was nicht. Und auch das Ende bleibt der Fantasie überlassen.

Einfachheit als Auflockerung

„Das Ende ist ein ziemlich offenes“, sagte dann auch Zuschauerin Erika Poppe. Das erinnere ein bisschen an das Prinzip in Soap Operas. Auch wenn sie sich an manchen Stellen mehr Informationen gewünscht hätte, habe das Stück Spaß gemacht. Besonders Thomas Rühling in der Rolle als Donny sei herausragend gewesen. „Er hat es mit seiner Einfachheit ein bisschen aufgelockert.“

Lustig und tragisch zugleich

„An diesem Stück gefällt mir besonders“, erklärte Regisseur Peter Schubert, „dass es lustig ist und tragisch zugleich.“ Es sei sehr reizvoll, die Zuschauer zwischendurch zum Lachen zu bringen. „Es ist genau die Mischung aus Komödie und Drama, die mir Spaß macht zu spielen“, erzählt auch Laura Apel, welche die Rolle der Jayne spielt. „Wenn sich die Lacher im Hals umdrehen ...“, ergänzt Schubert. Er finde aber auch, dass das Stück recht anspruchsvoll für die Zuschauer sei, „denn sie müssen ziemlich genau zuhören, was die Schauspieler sagen“. Alles beziehe sich aufeinander. „Wenn man das Stück ein zweites Mal sieht, gehen einem noch mehr Lampen auf“, so Schubert.

Eheprobleme: Julia Ruge als Pam und Thomas Rühling als Donny Quelle: Dirk Opitz

Rosinen rausgepickt

„Nur für Erwachsene“ ist nach „Problemkind“ die zweite Aufführung aus Walkers Zyklus „Suburban Motel“. Das einzige, was die einzelnen Stücke miteinander verbinde, sei das Motelzimmer, so der Regisseur. Die Figuren seien immer andere, „bis auf einen Motelangestellten aus Problemkind, der in einer späteren Geschichte noch einmal auftaucht“. Ob Schubert noch weitere Stücke aus dem Zyklus inszeniert, weiß er noch nicht. „Ich hab mir schon ein bisschen die Rosinen rausgepickt.“ Und die zweite Rosine honorierte das Publikum am Sonnabend mit viel Applaus. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Schubert. „Besser kann ein Abend nicht laufen.“

Noch zwölf Aufführungen

„Nur für Erwachsene“ ist nach „Problemkind“, das im September 2018 im ThOP aufgeführt wurde, das zweite Stück der Reihe „Suburban Motel“. Regie führt wie schon bei „Problemkind“ wieder Peter Schubert. Als Schauspieler wirken mit: Laura Apel (Staatsanwältin Jayne), Mark Tsiolis (Cop Max), Thomas Rühling (Cop Donny) und Julia Ruge (Donnys Frau Pam). Nach der erfolgreichen Premiere sind noch zwölf weitere Aufführungstermine für „Suburban Motel II *Nur für Erwachsene“ angesetzt. Gespielt wird das Stück am Dienstag, 13., Mittwoch, 14., Freitag, 16., Sonnabend, 17., Dienstag, 20. Donnerstag, 22., Freitag, 23., Sonnabend, 24., Dienstag, 27., Mittwoch, 28., Freitag, 30. und Sonnabend, 31. August, im ThOP. Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Das Stück dauert etwa 90 Minuten.

Von Rüdiger Franke

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