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Regional Premiere Theater im OP: Andreas Müller inszeniert Ibsens „Gespenster“
Nachrichten Kultur Regional Premiere Theater im OP: Andreas Müller inszeniert Ibsens „Gespenster“
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11:45 18.07.2014
Mit Stress: Jakob Engstrand (I. Mesche), Regine (L. Krippner), Pastor Manders (T. Rühling) und Helene Alving (A. Halverscheid) (v. l.). Quelle: Opitz
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Göttingen

Aber es ist immer noch ein bemerkenswert starkes Zeugnis für den Mut, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Deshalb hat Andreas Müller, seit 2010 Schauspieler am studentischen Theater im OP (ThOP), jetzt diese „Gespenster“ inszeniert – seine erste Regiearbeit am ThOP.

Die Familientragödie enthüllt sich nach und nach in den Dialogen, die Wahrheit kommt Stück für Stück ans Licht. Solche Dialoge lebendig zu machen, ist Müller nicht immer leicht gefallen. Da sind dann manche Aktionen etwas stereotyp: Man schaut sich beim Reden eine Weile nicht an, um dann in einer raschen Wendung wieder dem Partner in die Augen zu sehen.

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Und vielleicht diese Wendung mit dem Abnehmen der Brille zu unterstreichen. Das kam zu oft vor – und auch die Darstellung von seelischer Erregung in Form von großer Lautstärke beim Sprechen. Das nutzt sich nicht nur ab, das hindert auch bisweilen die Textverständlichkeit. Der etwas aufdringliche Einsatz von Musik zeigte, dass Müller noch wenig auf seine Fähigkeit vertraut, Atmosphäre zu schaffen. Das überlässt er dann gern den dräuenden Akkorden aus den Lautsprechern.

Viel Bühnenpräsenz

Doch manche Szenen haben schon eine gewisse Dichte, keine Frage. Vor allem dann, wenn Ingo Mesche als der bauernschlaue, nur scheinbar liebedienernde Tischler Engstrand auf der Bühne steht und gegen rasch dahinschmelzen­den Widerstand all seine Projekte unter Dach und Fach bringt. Das spielt Mesche vorzüglich.

Viel Bühnenpräsenz beweist Alina Halverscheid als Helene Alving, (fast) nie verliert sie die Contenance und lässt bei aller Distanz doch spüren, dass sie früher zur Leidenschaft fähig war. Ein paar mehr Stimmfarben hätten allerdings ihr Rollenporträt lebendiger gemacht. Ähnliche Souveränität zeigt Thomas Rühling als besonders textbeladener Pastor Manders.

Stefan Happach (mit bemerkenswert resonanzenreicher Sprechstimme) in der Rolle ihres Sohnes Osvald und Lena Krippner, die als Dienstmädchen Regine wacker ihre erste Rolle am ThOP spielt, wirken noch etwas befangen, was sich mit größerer Bühnenerfahrung ändern dürfte. Das Premierenpublikum im nicht ganz gefüllten ThOP klatschte nach zweieinhalb mitunter länglichen Stunden freundlich.

Von Michael Schäfer

Weitere Aufführungen am 18., 19., 22., 23., 25., 26., 30. und 31. Juli sowie am 1. und 2. August um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3. Kartentelefon 05 51 / 39 70 77.