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00:18 26.11.2017
"Im Dorf": neue Produktion der Werkgruppe 2 Quelle: R
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Göttingen

Die Büsche wiegen sich im Wind, hinter dem Tal liegt das Dorf, rundum Hügel. So sieht das Eichsfeld aus. Hier spielt die Geschichte, die die Werkgruppe 2 zum Thema ihres neuen Stücks macht. Die Szene ist wandfüllend im Theaterraum zu sehen. Hier kreuzen sich die Wege der Kleingruppen. Jeweils drei Besucher der Vorstellung ziehen mit einem Schauspieler oder einer Schauspielerin von dort aus los, auf den Ohren Kopfhörer.

Während der drei etwa 15 minütigen Episoden erzählen Vater, Mutter und Tochter das, was sie bewegt. Und das ist lebensverändern. Angefangen hat alles mit einem minderjährigen unbegleiteten Flüchtling aus Syrien, der in das Dorf kam. Eine Kneipe gibt es noch dort, wo vor 1989 die Sperrzone an der Grenze der DDR zur Bundesrepublik die Menschen voneinander trennte und wo danach die Wessis einfielen. Die Tochter der Wirtsleute, gelernte Erzieherin, will sich engagieren und unterrichtet Flüchtlinge. Der junge Syrer fällt ihr auf, beide können stundenlang miteinander reden. Sie verlieben sich, bald ist sie schwanger. Wie gehen die beiden damit um, wie nehmen ihrer Eltern die Entwicklung auf, wie reagieren die Menschen im Dorf?

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Mit der Tochter (Isabelle Stolzenburg) sitzen die drei Theaterbesucher ihrem Zimmer, das eher wie ein Kinderzimmer wirkt und nicht wie die Unterkunft einer jungen Frau, die bald Mutter wird (Ausstattung: Léa Dietrich). Eng ist es hier, man ist sich nahe. Das Mädchen erzählt. Mit dem Vater (Carsten Hentrich) ziehen wir um die Häuser. Er zeigt eine Baustelle und redet von den Nachbarn. Auch er sucht die Nähe und spendiert Grillwurst und Korn aus der Flasche. Die Eichsfelder ist gastfreundlich. Das merken wir auch bei der Mutter (Franziska Roloff) in der Küche. Sie schmiert deftige Stullen, lecker, aber nicht jedermanns Sache.

Am Ende stehen die neun Theaterbesucher mit der Wirtsfamilie wieder im Theatersaal. Die Büsche wiegen sich noch immer und ein letztes Mal erklingt die Eichsfeldhymne (Musik: Insa Rudolph). Ein jugendlicher Flüchtling aus Syrien sorgt hier vielleicht für Wirbel, aber die Gastfreundschaft und das Leben der Eichsfelder verändert er nicht grundlegend.

Dramaturgin Silke Merzhäuser und Regisseurin Julia Roesler haben mit den Menschen in dem Dorf gesprochen. Ein Jahr lang sind sie dorthin gefahren, haben ganze Tage in der Kneipe verbracht, erzählt Merzhäuser im Anschluss an die Vorstellung. Es ging darum, Vertrauen aufzubauen. Mindestens ein weiteres Jahr wollen sie auch mit anderen Menschen aus dem Dorf sprechen, die Liste sei lang, sagt die Dramaturgin. Die Niedersachsen-Stiftung hat schon die Recherche finanziell gefördert. Für die Inszenierung fließen weitere 15 000 Euro. In einem Jahr soll aus der Hörinstallation-Spaziergang ein ganzes Stück erwachsen sein. Die Zwischenergebnis macht sehr neugierig.

Vorstellungen sind am Donnerstag, 23. November, und Freitag, 24. November, um 19, 20.15 und 21.30 Uhr angesetzt. Karten kosten zehn, ermäßigt acht Euro und können unter info@werkgruppe2.de reserviert werden.

Von Peter Krüger-Lenz

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