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Regional Premiere des Familienstückes „Bei den wilden Kerlen“
Nachrichten Kultur Regional Premiere des Familienstückes „Bei den wilden Kerlen“
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13:26 06.11.2017
Benjamin Kempf (Douglas), Nikolaus Kühn (Alexander), Andrea Strube (Judith), Marius Ahrendt (Max), Jan Huttanus (Ira), Zainoun Al Akrad (Bull) Quelle: Thomas Aurin / DT
Göttingen

Nur 333 Wörter zählt die deutsche Version des Kinderbuchklassikers des 2012 verstorbenen Autors Maurice Sendak „Wo die wilden Kerle wohnen“. Das neue Familienstück des Deutschen Theaters basiert noch dazu auf der 2009 erschienen Romanversion des Stoffes von Dave Eggers.

Der achtjährige Max (überzeugend im Wolfspelz: Marius Ahrendt) hat es nicht leicht. Seine pubertäre Schwester (Marie Seiser) hat keine Lust mehr auf ihn, seine Mutter (Andrea Strube) hat nur den neuen Freund im Kopf, die Freunde der Schwester drangsalieren ihn auch, und so wütet er voll Frust durch die weiße Wohnung, in der alles um 90 Grad gedreht ist. Hier gelten die Gesetze der Schwerkraft nicht, Max’ Welt ist aus den Fugen (Bühne: Valentin Baumeister). Den Schauspielern fordert dies einiges an Geschick ab.

Nikolaus Kühn (Alexander), Marie Seiser (Catherine), Benjamin Kempf (Douglas), Marius Ahrendt (Max), Florian Donath (Carol), Jan Huttanus (Ira), Andrea Strube (Judith), Zainoun Al Akrad (Bull) Quelle: Thomas Aurin / DT

Nachdem seine Mutter ihn sauer ohne Abendessen ins Zimmer geschickt hat, träumt er sich weit weg. Das Bettlaken wird in der ideenreichen Inszenierung von Laura Linnenbaum zum Segel, die Wohnung – ein Kasten auf Rollen – wird zum Schiff.

Insel mit seltsamen Kreaturen

Er landet auf einer Insel mit seltsamen Kreaturen, die Bäume umschubsen und ihn zunächst auffressen wollen. Aber er weiß sich durch seinen Ideenreichtum Respekt zu verschaffen und so machen ihn die wilden Kerle sogar zu ihrem König. Aber auch, wenn es eine Krone, herrlichen Krach und viele Kuscheleinheiten gibt, ist Max als König schnell überfordert, denn die Monster haben sehr menschliche Probleme: Neid, Konkurrenz, Traurigkeit und Leere. Max‘ Überforderung gipfelt darin, dass er einen Kerl so heftig verprügelt, dass der am Boden liegt. Das geht sehr weit für ein Stück, das ab sechs Jahren empfohlen wird und war in dieser Dimension unnötig, denn etwas zu lesen und etwas so zu sehen sind immer noch zwei Paar Schuhe.

Kinder liebten das Buch

Max beschließt heimzukehren, wo er wenigstens keine Angst vor dem Gefressenwerden haben muss, wenn seine Untertanen mal schlechte Laune haben. 1963 erschienen, löste die heute weltberühmte Bildergeschichte Kontroversen aus. Viele Erwachsene befanden, dass dieses Kinderbuch zu brutal sei. Aber die Kinder liebten das Buch. Wohl auch, weil es an ihre Erfahrungswelt anknüpft und ein zentrales Thema anspricht: Was mache ich, wenn es zu Hause nicht so läuft, wie ich es mir wünsche, und was mache ich mit meiner Wut? Und dass nach allem das noch warme Abendessen und die Mutter auf Max warten, was immer auch gewesen ist, zeigt neben all der Wut ein kleines Stück Geborgenheit.

Marius Ahrendt (Max), Florian Donath (Carol) Quelle: Thomas Aurin / DT

Die Stärke der Inszenierung liegt ganz klar im Visuellen, vor allem in den außerordentlich gelungen Kostümen und Masken dieser urigen Kerle, deren Spiel schweißtreibend, aber einfach wunderbar anzusehen ist. Das Publikum entlässt die Kerle deswegen ungern und erst nach langem Applaus.

„Bei den wilden Kerlen“ zeigt das Deutsche Theater, Theaterplatz 11, am 3., 17., 23. und 26. Dezember sowie in mehreren Schulvorstellungen. Eintrittskarten sind in denTageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt, erhältlich sowie an der Theaterkasse (Telefon 0551 / 4969-300).

Von Marie Varela

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