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Regional Premiere am Deutschen Theater: Ben Daniel Jöhnk inszeniert „norway.today“
Nachrichten Kultur Regional Premiere am Deutschen Theater: Ben Daniel Jöhnk inszeniert „norway.today“
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20:11 14.01.2020
Bei der Hauptprobe: Marius Ahrendt und Leandra Enders. Quelle: Thomas Müller
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Göttingen

Die Bühne im Studio des Deutschen Theater ist groß, und sie ist leer. Lediglich zwei Bürostühle stehen darauf. Verantwortlich dafür ist Jöhnk, der nicht nur Regie führt, sondern auch das Bühnenbild und die Kostüme entworfen hat. Entscheidend allerdings ist seine Arbeit mit den jungen Schauspielern Marius Ahrendt, DT-Ensemblemitglied, und Leandra Enders, Schauspielschülerin in Hannover.

Von den Klippen stürzen

In „norway.today“ von Igor Bauersima spielt Enders Julie, ein 20 Jahre alte Frau, die in einem Chatroom jemanden sucht, der sich mit ihr zusammen umbringen will. Sie findet August, 19 Jahre alt und ebenfalls des Lebens müde. Zusammen fliegen sie nach Norwegen an einen Fjord, um sich von den Klippen zu stürzen.

Für Jöhnk ist es die erste Regiearbeit. Als Ensemblemitglied am Staatsschauspiel Dresden habe er bereits mit jungen Schauspielschülern aus Leipzig gearbeitet, eine Kooperation beider Institutionen. „Ich habe lange darauf gewartet“, sagt Jöhnk, der die Arbeit mit den jungen Kollegen sehr schätzt. Eine „große Freude“ sei es gewesen zu sehen: „Ich kann mich überhaupt verständlich machen.“ Ahrendt zählte einige Zeit in Dresden zu diesen jungen Kollegen. Er habe auch den Kontakt zum DT hergestellt.

Quelle: Thomas Mueller

Blick auf die Schauspiel-Technik

Jetzt also führt er in Göttingen Regie – als gelernter Schauspieler. Spielt er bei den Proben vor, was er sich szenisch vorstellt? „Ich versuche, mir das zu verkneifen“, sagt Jöhnk. Wenn, dann sei das nur eine Notlösung. „Sie sollen die Lösungen selber finden, dann können sie es besser vertreten.“ Zudem lege er nicht alles bis ins Details fest, an etwa vier Stellen des 75-minütigen Abends sei lediglich ein Korridor vorgegeben, an dem sich die Schauspieler orientieren sollen.

„Ich bin schon jemand, der auf das Technische achtet“, sagt der Regisseur von sich. Den jungen Akteuren vermittele er technische Dinge nebenbei.

Verabredung im Chatroom

Im Jahr 2000 führte Autor Bauersima Regie bei der Uraufführung in Düsseldorf. 20 Jahre ist das her, „manchmal merkt man das auch“, meint Jöhnk. Dennoch bescheinigt er Bauersima, mit seinem Text weit vorausgeschaut zu haben, als er beispielsweise von dem Chatroom schrieb, in dem sich Julie und August zu ihrem Selbstmord verabreden.

Sie wollen sich umbringen – nicht weil sie psychisch krank seien, erklärt Jöhnk. Sie hätten vielleicht leichte depressive Tendenzen. Aber sie seien gut ausgebildet und kämen aus wunderbaren Elternhäusern. Aus dem Wohlstand heraus wollen sie aus dem Leben scheiden. Als „herausfordernde und sehr aktuelle Fragestellung begreift der Regisseur diese Konstellation.

Veränderung beim Schauspiel

Die Arbeit als Regisseur sei für ihn „total belebend“, sagt Jöhnk. Als Schauspieler sei ihm „eine große Konsequenz in der Bühnengestaltung wichtig“. Als Regisseur sei viel wichtiger, „dass mich das berührt, emotional abholt“. Und: „Man lernt das Haus als Regisseur ganz anders kennen“, erklärt er mit Blick auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Abteilungen. Auch der künstlerische Blick verändere sich. Und wird seine Regietätigkeit seine Arbeit als Schauspieler verändern? „Ich hoffe“, sagt er ohne zu zögern.

„norway.today.“ hat am Mittwoch, 15. Januar, Premiere auf der Studiobühne des Deutschen Theaters, Theaterplatz 11. Die 75-minütige Vorstellung beginnt um 20 Uhr. Tickets gibt es an der Theaterkasse unter Telefon 0551/4969300.

Ben Daniel Jöhnk ...

... ist ausgebildeter Schauspieler. Er studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Nach seiner Ausbildung war er in Marburg, Saarbrücken und Luzern engagiert. Von 2001 bis 2005 gehörte er zum Ensemble des Deutschen Schauspielhaus in Hamburg und arbeitete unter anderem mit Jürgen Gosch und Jan Bosse. Später gastierte er am Schauspiel Frankfurt am Thalia Theater Hamburg und am Theater Freiburg. Von 2013 bis 2017 spielte er fest am Staatsschauspiels Dresden. Seit dieser Zeit arbeitet er wieder frei – demnächst beispielsweise am Schauspielhaus Düsseldorf in einer Produktion von Andreas Kriegenburg. Zudem arbeitet Jöhnk, Jahrgang 1969, regelmäßig für Film und Fernsehen und ist Schauspieldozent an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.

Mehr zum Stück finden Sie hier.

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