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Regional Premiere im Theater im OP: „Verlosung der Taubstummen“
Nachrichten Kultur Regional Premiere im Theater im OP: „Verlosung der Taubstummen“
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18:51 15.09.2013
Wohnen im Kloster: Lauter verrückte Typen. Quelle: Opitz
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Göttingen

„Es ist noch viel zu früh, um diese Zeit nachzudenken“, konstatiert der eine. Der andere ergänzt: „Bis Mittag musst du warten, mindestens.“ Und kurze Zeit später folgt ein prophetischer Satz: „Das wird alles ziemlich böse enden.“

Der mit dem Fernglas heißt Demaitre, sein Kumpel Deepenkötter. Mit ihrem Dialog beginnt die Komödie „Verlosung der Taubstummen“ von Amit Esau im studentischen Theater im OP.  Esau hat ein gutes Gespür für sinnfreie Komik. „Verlosung der Taubstummen“ ist ein völlig absurdes Stück mit einer überaus krausen Handlung und einer nicht minder krausen Logik.

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In einem Kloster taucht eines Tages ein taubstummes Mädchen auf. Die Nonnen und die ehrenamtlichen Helfer in dieser heruntergekommenen, baufälligen Stätte sind über diese Begegnung ausgesprochen erfreut, ja, alle möchten mit diesem Geschöpf aus der Außenwelt zusammen sein.

Arsenal verrückter Typen

Doch gelingt es nicht, die widerstreitenden Interessen auszugleichen. Werner Enckes Satz „Es wird böse enden“ bewahrheitet sich auf fröhlich-schreckliche Weise, ohne dass ein einziger Tropfen Theaterblut fließt.

Der Autor und Regisseur stellt ein Arsenal verrückter Typen auf die Bühne. Die Nonnen sind Männer, das taubstumme Mädel ebenfalls, Koch, Maurer, Hausmeister und die übrigen sowieso. Der weibliche Teil des ThOP-Ensembles ist im Engelskostüm für die Umbauten zuständig.

Und ebenfalls weiblich ist die Musik besetzt: Karin Reilly, Sängerin des Duos L’Uke. Sie zelebriert am Keyboard in wunderbar quälend langsamem Tempo eine Blütenlese schöner Klassik-Hits.

Sonderlob dem Masken- und dem Kostümteam

Es wäre ungerecht, in dem zehnköpfigen Ensemble einzelne Leistungen hervorzuheben: Alle geben ihren schrägen Rollen klare, eindeutige Konturen, auch in der Sprechweise, bewegen sich angemessen unnatürlich und verziehen auch bei den komischsten Passagen keine Miene. Ein Sonderlob dem Masken- und dem Kostümteam. Und das weiße Tutu von Casina, der Taubstummen, sitzt wirklich perfekt.

Das anfängliche leise Gegnicker der Zuschauer steigerte sich zu kleinen Lachanfällen und mündete am Ende in lang anhaltenden, verdienten Applaus.

Von Michael Schäfer

Weitere Vorstellungen am 17., 19., 20., 21., 24., 26. und 27. September um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3.