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Regional Premiere in Göttingen: "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)"
Nachrichten Kultur Regional Premiere in Göttingen: "Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)"
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18:50 23.04.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Drei Schauspieler erklären Shakespeare: Michael Rautenberg, Jan Reinartz und Philip Leenders. Quelle: Eulig
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Göttingen

Daniel Singer, Adam Long und Jess Winfield haben die Arbeit des Zusammenstreichens übernommen. 1987 spielten sie ihre Komödie bei einem Festival in Schottland, dann trat „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ seinen Siegeszug auf den Bühnen der Welt an.

Vor der Premiere am Donnerstag im nicht ausverkauften JT meinte eine erfahrene Theatergängerin, das Werk könne nicht zerstört werden. Nach der Vorstellung wiegte sie bedenklich den Kopf. Ganz am Ende geht Schauspieler Michael Rautenberg, der gerade die Schauspielschule in Kassel absolviert hat und als Gast zum Ensemble des Abends gehört, den Programmzettel durch.

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Komödien und Tragödien, Problemstücke, Dramen und Romanzen – alles geschafft innerhalb von 70 Minuten. Doch halt. „Hamlet“ fehlt, gerade „Hamlet“. Die vielleicht umstrittenste und nebulöseste Figur Shakespeares. „Sein oder Nichtsein“ – Generationen junger Heldenschauspieler haben den dänischen Prinzen auf der Bühne gegeben, mal mit Totenkopf, mal ohne.

Gummidolche und Gardinen

Doch dann haut das Schauspielertrio Rautenberg, Philip Leenders und Jan Reinartz den „Hamlet“ eben auch noch raus. Damit bringt es der Theaterabend auf 80 Minuten Spielzeit, in denen gealbert wird, geliebt, gestritten und gestorben. Alles frei nach Shakespeare, alles in einem Bühnenbild, das überwiegend aus Leere besteht.

Ein bisschen wird gerappt, und Könige werden beim Fußballspiel erdolcht. Kurz übergestülpte Perücken machen aus Männern Frauen, mit umgehängten Gardinen fangen sie an zu hexen. Gummi­dolche tauchen auf und verschwinden, mit Degen und Schwertern wird gefochten – das volle Programm, die komplette Dröhnung.

Dass die Komödie im JT dennoch nur bedingt funktioniert, liegt zum einen an der hier und dort fehlenden Präzision der Regie, Gags müssen auf den Punkt gespielt werden. Das aber lässt der Ansatz, vieles zu improvisieren, kaum zu. Manches wirkt wie Impro-Theater, doch das können die Spezialisten besser.   

Das Schauspielertrio versucht, bei diesem Parforce-Ritt den Kopf oben zu behalten. Das gelingt Leenders souverän, dem jungen Rautenberg mit jugendlicher Frische und Präsenz über weite Strecken und Reinartz mit Routine. Das Premierenpublikum kicherte an vielen Stellen, aber doch nicht ausdauernd. Und es applaudierte sehr freundlich.

Die nächsten Vorstellungen: 6., 10., 14. und 20. Mai um 20 Uhr im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

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